Designierter DGB-Chef fordert gute Löhne für gute Arbeit

Klaus Tischendorf sieht Gesundheits- und Arbeitsschutz neben der Fachkräftesicherung als zentrales Themenfeld

Heute gibt Michael Willnecker den DGB-Kreisvorsitz ab. Als Nachfolger ist der Lugauer Landtagsabgeordnete und Bundestagskandidat der Linken vorgesehen. Über die Herausforderungen und Ziele sprach mit ihm Björn Josten.

Freie Presse: Die Löhne im Erzgebirge sind niedrig. Welche Impulse möchten Sie als DGB-Vorsitzender geben?

Klaus Tischendorf: Die Arbeitsmarktsituation erfordert von den Arbeitgebern ein Umdenken. Es findet unsere Unterstützung, dass Wirtschaft und Kreispolitik für unsere Erzgebirgsregion mit vielen innovativen Arbeitsplätzen wirbt. Was mir aber dabei oft noch zu kurz kommt, ist die Aussage, dass gute Arbeit auch mit guten Löhnen einhergeht. Leider hat Ende vorigen Jahres das Erzgebirge als die Region mit den bundesweit niedrigsten Löhnen für ein negatives Image gesorgt. Um das zu ändern, bieten wir unsere Unterstützung an, fordern aber auch gleichzeitig von den Wirtschaftsvertretern im Erzgebirge, dass es neben guten Arbeitslöhnen auch um Arbeitszeitmodelle gehen muss, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern.

Nächstes Thema: Fachkräftesicherung ist ein Dauerbrenner. An welchen Stellschrauben müsste gedreht werden?

Gesundheits- und Arbeitsschutz dürfen aufgrund des Fachkräftemangels nicht auf der Strecke bleiben, sondern eine Vorbildfunktion werden. Das gleiche gilt für die betriebliche Mitbestimmung für Betriebs- und Personalräte. Trotz guter Beispiele gibt es immer noch zu viele Arbeitgeber, die versuchen, diese zu verhindern. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass das beste Image für unsere Region Beschäftigte sind, die im Familien- und Bekanntenkreis von sich aus dafür werben, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen bei uns die besten sind. Das schafft keine noch zu gute Hochglanzbroschüre. Hier will ich ansetzen, um mit der Wirtschaft und der Kommunalpolitik ins Gespräch zu kommen.

Sehen Sie in Ihrer Amtsübernahme eine Zäsur oder eine Staffelübergabe?

Es geht nicht um eine Zäsur, sondern es stehen die turnusmäßigen Neuwahlen unserer Mitgliedsgewerkschaften für die Kreisvorstände des DGB an. Unser langjähriger Kreisvorsitzender Michael Willnecker hat Anfang des Jahres bekannt gegeben, dass er nicht wieder für den Vorsitz kandidiert. Ich selbst bin seit vielen Jahren für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Mitglied im Kreisvorstand aktiv. Es geht also um eine Staffelübergabe.

Sie sitzen für die Linken im Landtag und im Lugauer Stadtrat, kandidieren für den Bundestag, sind in Parteigremien und bei Verdi aktiv. Wie lässt sich denn das alles unter einen Hut bekommen?

Da bin ich keine Ausnahme. Viele Kolleginnen und Kollegen sind zusätzlich zu ihrer Arbeit in der Kommunalpolitik, bei freien Trägern, Sportvereinen oder im sozialen Bereich aktiv. Das ich gesellschaftlich aktiv bin, kann ja wohl kein Ausschlussgrund sein, um für den Bundestag zu kandidieren. Wenn ich es richtig sehe, sind hier alle Bundestagskandidaten gesellschaftlich sehr aktiv. Ich bin eben seit vielen Jahren in der Gewerkschaft. Im Oktober endet meine Zeit als Kreisvorsitzender der Linken. Ich werde nicht wieder für den neuen Kreisvorstand der Partei kandidieren, da ich mich zukünftig stärker der Gewerkschaftsarbeit im Erzgebirge widmen will.

Wie ist der DGB dort aufgestellt und wo liegen die aktuellen Herausforderungen?

Der DGB bildet in allen Landkreisen einen Kreisvorstand. Dafür entsenden alle Mitgliedsgewerkschaften Kolleginnen und Kollegen. Er ist Ansprechpartner für Behörden, Verbände und die Politik und arbeitet in den entsprechenden Gremien mit. Die Arbeitswelt ändert sich immer rasanter. Damit stellen auch Mitglieder neue Anforderungen an ihre Gewerkschaft. Die heute bestehenden Rechte von Beschäftigten im Arbeitsleben sind Ergebnisse eines langen Kampfes der Gewerkschaften, die es trotz aller notwendigen Veränderung zu verteidigen gilt. Es gibt immer wieder Versuche von Arbeitgebern und Politik hier Einschränkungen vorzunehmen. Wir erleben zurzeit eine Debatte aus der Wirtschaft, in der versucht wird, Stimmung zu machen, um die tägliche gesetzliche Arbeitszeit auf mehr als zehn Stunden auszudehnen. Hier werden wir energisch dagegen ankämpfen.

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