Drogenmutti muss mehr als fünf Jahre in Haft

Im gestohlenen Auto ohne Führerschein auf Beschaffungstour: Immer wieder ging eine 37-Jährige aus Aue hohe Risiken ein. Ein Psychiater bot vor Gericht eine Erklärung dafür an.

Aue.

Die Drogenhändlerkarriere von Sandy R. (37) dauerte vermutlich nur zwei Monate. In dieser kurzen Zeit soll die Auerin mehr als anderthalb Kilogramm Crystal Meth aus Tschechien importiert und fast ein Kilo an Süchtige weiterverkauft haben. "Das Zeug wurde aufgeschnupft", sagte Staatsanwalt Sebastian Behler gestern in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Chemnitz.

Sandy R. sei eine Macherin gewesen, auch beim Begehen von Straftaten, erklärte Behler. "Es ging um das große Geld. Sie hatte geplant, noch viele, viele weitere Kilos umzusetzen. Es war ein fetter krimineller Plan." Nachdem ihr Ehemann ins Gefängnis musste, hatte die Auerin seine Drogengeschäfte übernommen. Alleine schmiss sie den Haushalt, kümmerte sich um drei Kinder, mit dem vierten war sie schwanger. Gleichzeitig hielt sie die Geschäftsbeziehungen ihres Mannes am Leben. Als die Polizei zwei Monate später ihre Wohnung durchsuchte, hatte die 37-Jährige bereits 33.000 Euro in einem Blumentopf gebunkert. Das Geld war der Grundstock für ein Haus, das sie bald kaufen wollte.

Bei aller kriminellen Energie, die ihr der Staatsanwalt attestierte, ging Sandy R. immer wieder unglaubliche Risiken ein. Einmal borgte sie sich von einem Bekannten einen Volkswagen, den dieser kurz zuvor in Lößnitz gestohlen hatte. Am Auto waren falsche Nummernschilder angebracht. Als Sandy R. und ihr tschechischer Helfer Petr M. zum Drogenholen fuhren, hatte keiner von beiden einen Führerschein.

Das Meth bewahrte sie in ihrer Wohnung auf, statt es irgendwo außerhalb zu verstecken, wie das vorsichtige Dealer machen. Wenn sie ihren Ehemann im Gefängnis anrief, redeten die Zwei ganz offen über die Drogen, die Sandy R. besorgt und verkauft hatte. Statt Codes verwendete sie Klartext. Als ihr Baby zur Welt kam, nahm Sandy R. Meth mit in die Frauenklinik, weil sie noch eine Bestellung abarbeiten musste. "Dass jemand Betäubungsmittel in der Entbindungsklinik vertickt, konnte ich mir vor diesem Fall nicht vorstellen", sagte Richter Bernd Bräunlich, der seit mehr als 20 Jahren Strafprozesse führt.

Der Psychiater Thomas Kasten, der als Gutachter auftrat, machte Sandy R.s persönlichen Drogenkonsum für ihre Risikobereitschaft verantwortlich. Auch die Tatsache, dass sie während der Schwangerschaft Meth konsumierte, spreche für ihre Abhängigkeit. Verteidiger Johannes D. Chu sah darin ein Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit seiner Mandantin. Er plädierte auf vier Jahre Haft, während der Staatsanwalt sechs Jahre forderte. Das Gericht verhängte dann fünf Jahre und sechs Monate, die die Auerin im Maßregelvollzug absitzen soll, wo ihre Drogensucht behandelt wird.

Ihr Helfer Petr M., wurde zu vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Obwohl auch er drogensüchtig ist, lehnte er eine Unterbringung in der Entziehungsanstalt ab. Er will im Gefängnis arbeiten, um seine Gerichtskosten bezahlen zu können und sich Geld für einen Neustart zurückzulegen. "Ich will dem deutschen Steuerzahler nicht zur Last fallen", sagte er dem Gutachter mit Verweis auf die im Vergleich zur Haft teureren Behandlungskosten.

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