Entschuldigung fällt Angeklagtem schwer

Zwei Brüder aus Aue haben ein Mädchen bedrängt. Einer stand deswegen mit einem Bein im Gefängnis, der andere musste gestern vor Gericht antreten.

Aue.

Elf Monate ist es her, dass zwei Brüder aus Aue ein Mädchen (damals 17) in einer Wohnung sexuell bedrängten. Der eine fing an, und als das Mädchen den anderen um Hilfe bat, brachte der seinen Bruder nicht zum Aufhören, sondern machte mit.

Viel ist nicht passiert. Das Mädchen berichtete von Berührungen an ihren Schenkeln, an den Brüsten, zwischen den Beinen. Nicht auf nackter Haut, sondern über der Kleidung. Das Mädchen und die Brüder waren befreundet. Eine Fummelei, jedoch eine erzwungene.

Gestern stand der jüngere der Brüder (19, damals 18) vor dem Amtsgericht Aue. "Dass man das nicht machen darf, wissen Sie?", fragte die Staatsanwältin. "Jeder darf seinen Willen äußern - und der muss beachtet werden." Der junge Mann nickte. Wieso er auf die Idee gekommen sei, da mitzumachen, wollte Richter Lutz Herrmann wissen. "Ich weiß es nicht", sagte der Angeklagte.

Sein älterer Bruder (23, damals 22) stand im April wegen des Übergriffs vor Gericht. Aufgrund des verschärften Sexualstrafrechts drohten ihm zwei Jahre Gefängnis oder mehr. Ihn rettete nur ein psychologisches Gutachten, das ihm eine geistige Behinderung und daraus resultierend verminderte Schuldfähigkeit attestierte. Er kam mit einem Jahr Haft davon, das für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der jüngere Bruder wurde gestern auf Empfehlung eines Vertreters der Jugendgerichtshilfe nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Zum Zeitpunkt der Tat war er erst einen Monat lang volljährig gewesen.

"Uns ist bewusst, dass es viel, viel schwerere Straftaten gibt", sagte die Staatsanwältin und forderte zwei Freizeitarreste für den 19-Jährigen. Dabei hätte sich der junge Mann jeweils freitags in einer Justizvollzuganstalt melden und bis zum Sonntag bleiben müssen. Mit Rücksicht auf seinen Job, bei dem er oft an den Wochenenden arbeiten muss, verurteilte ihn das Gericht aber zu einer Geldauflage in Höhe von 600 Euro, zu zahlen an einen Verein, der sich um gefährdete Jugendliche kümmert. Auch muss der Verurteilte einen sozialen Trainingskurs besuchen, und ihm wurde eine Verwarnung ausgesprochen. "Tauchen Sie hier noch mal auf, wird eine Jugendstrafe verhängt", sagte der Richter.

Der ältere Bruder hatte sich nach dem Übergriff bei der Familie des Mädchens entschuldigt. Der jüngere Bruder war den Eltern pampig gekommen, als sie ihn angesprochen hatten, erzählten diese. "Warum haben Sie sich nicht entschuldigt?", fragte der Richter. Darauf der Angeklagte: "Das wollte ich noch machen. Ich hab sie ja nicht mehr gesehen."

Die Geschädigte war gestern bei Gericht anwesend, doch auch nach einer Verhandlungspause hatte sich der Angeklagte noch nicht entschuldigt. "Ich kann das ja jetzt machen", meinte er auf einen Wink der Staatsanwältin hin. Vor dem Saal gab er dem Mädchen die Hand.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...