Erfolgsmodell: Expressbus nach Chemnitz soll weiter rollen

Seit einem Jahr verkehrt die Linie 383 auf der Strecke nach Aue. Sowohl der Busbetreiber als auch die Fahrgäste loben die neue Verbindung, denn sie ist vor allem schnell. Doch wie lange wird sie Bestand haben?

Aue/Schwarzenberg.

Der Regionalverkehr Erzgebirge (RVE) plant, die Expressbuslinie 383 ab 1. Januar 2020 fortzuführen. Dazu ist ein Genehmigungsantrag beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr eingereicht worden. War beim Start der Linie am 13. August 2018 zunächst die Rede davon, sie bis Ende 2019 anzubieten, liegt der Grund, sie fortführen zu wollen, auf der Hand: Sie verzeichnet eine positive Entwicklung und der RVE erwartet für das kommende Jahr einen weiteren Aufwärtstrend, heißt es von Laura-Jane Fiedler. Sie ist Sprecherin des RVE. Konkrete Fahrgastzahlen will Fiedler zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht nennen, denn das Fahrplanjahr endet erst zum 15. Dezember. Und erst dann ermittle das Unternehmen für alle Linien Fahrplan-Kilometer und Fahrgastzahlen. Der RVE plant jedoch mit weiteren Plus-Bus-Linien, die Nummer 383 wird voraussichtlich unter dieser Marke fortgeführt.

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen sieht in der Fortsetzung der Expressbuslinie Aue-Chemnitz "einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Nahverkehrsplans", sagt Pressesprecher Falk Ester. Der VMS hält den Expressbus für ein ergänzendes, kein konkurrierendes Angebot. Deswegen spricht sich der Verbund für den Erhalt der Linie auch dann aus, wenn ab Ende 2020 erstmals die Citybahn zwischen Aue und Chemnitz verkehrt. Während mit dem Schnellbus der Wunsch nach der Verbindung von Ober- mit Mittelzentren erfüllt werde, heißt es, erschließe die Bahn mit ihren vielen Haltestellen die Region.


Nach Angaben der RVE ist die Expresslinie 383 vor allem bei Pendlern, Studenten und Berufsschülern gefragt. Einer von ihnen ist Student Max Seidel aus Lößnitz. Für ihn trifft zwar nur bedingt zu, was ein Werbeslogan für den Bus ist, nämlich: "Die 383 fährt auch schon zum Hahnenschrei". Denn wenn er zu seinen Vorlesungen in der Uni Chemnitz will, gehört er zu den Fahrgästen, die kurz vor sieben Uhr in Aue starten. Um diese Zeit sei der Bus immer gut besetzt, einen Platz bekomme man aber immer. Der 24-Jährige nutzt die Linie seit Beginn seines Studiums im vergangenen Jahr. "Man ist schnell und unabhängig", sagt er. Weil es das Expressbus-Angebot gibt, müsse er sich kein Auto kaufen und könne sich die Parkplatzsuche in Chemnitz sparen.

Die Busse starten stündlich vom Postplatz Aue, wobei diese abwechselnd aus Schwarzenberg, Bad Schlema und Schneeberg kommen. In etwa 50 Minuten bringt der Bus die Fahrgäste über die Autobahn ins Stadtzentrum von Chemnitz. Wer dann noch mit dem Fernbus nach Berlin fahren möchte, braucht nur einen Bahnsteig weiter gehen. Das freut auch Toni aus Zschorlau, der ein- bis zweimal im Monat nach Berlin zu seiner Freundin fährt. "Der Bus ist relativ preisgünstig und es klappt meistens, das heißt, der Bus kommt, was ja auch nicht immer der Fall ist", sagt der 22-Jährige. Er würde sich fürs Erzgebirge noch mehr solcher Angebote wünschen, "die bezahlbar sind und mit denen man gut von A nach B kommt". Der Expressbus verkehrt auch am Wochenende und an Feiertagen. Die Fahrzeuge verfügen über W-Lan. Student Max Seidel: "Es gab manchmal Probleme, aber in letzter Zeit funktioniert es wirklich gut."

"Mit der 383 kommt meine Oma schnell vorbei" - so lautet ein weiterer Werbeslogan. Ute Zschiegner aus Chemnitz ist auch Oma. Für sich und ihren Enkel hat sie den Expressbus als schnelle und preisgünstige Gelegenheit entdeckt, um nach Aue zu kommen, wo sie sich gemeinsam den Zoo der Minis angeguckt haben. Eine Woche darauf war die 78-jährige alleinstehende Frau wieder von Chemnitz nach Aue und zurück unterwegs, für eine Wanderung um die Talsperre Eibenstock. "Ich habe erst gar nicht gewusst, dass diese Linie über die Autobahn fährt, das ist natürlich viel schneller als mit dem Ersatzbus für die Bahnlinie. Der ist ja eineinhalb Stunden unterwegs, weil er über alle Dörfer fährt", sagt sie.

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