Erneut totes Kalb gefunden - Untersuchung läuft noch

Der Wolf beschäftigt die Erzgebirger. Meldungen dazu gibt es nahezu regelmäßig aus verschiedenen Gebieten des Landkreises. Nicht alle lassen sich endgültig aufklären.

Aue/Schwarzenberg.

Die Erzgebirger reagieren sensibel, wenn es um den Wolf geht - umso mehr, wenn wieder ein totes Nutztier aufgefunden wird. So, wie vor zwei Wochen etwa auf einer Weide bei Neudorf ein totes Kalb. Erneut ein Wolfsriss? Zur Klärung der genauen Todesursache ist das tote Tier laut Landratsamt in die Landesuntersuchungsanstalt nach Dresden gebracht worden. Von dort liegen nach Angaben von Landratsamtssprecher Stefan Pechfelder bisher noch keine Ergebnisse vor.

Deshalb sind die vor Ort genommenen DNA-Proben auch noch nicht zur Untersuchung eingereicht worden. Das erfolge nur "bei einem bestätigten Verdacht auf einen Wolf als Schadensverursacher", heißt es. Eine Verfahrensweise, die von betroffenen Tierhaltern und auch Jagdpächtern beispielsweise immer wieder kritisiert wird. Nur so könne festgestellt werden, ob die Wölfe zu einem bereits registrierten Rudel gehören oder vielleicht nur durch das Territorium durchziehen.


Im Landratsamt beruft man sich auf den sächsischen Wolfsmanagementplan. Nach dem seien DNA-Proben bei Nutztierrassen nur notwendig, wenn es aufgrund der äußerlichen Sichtung Zweifel gibt, ob als Verursacher des Risses der Wolf infrage kommt. Wörtlich heißt es dazu: "Dies war bislang nicht der Fall, entweder konnte ein Wolfsriss ausgeschlossen werden oder nach Inaugenscheinnahme bestätigt werden." Deshalb seien bisher keine DNA-Proben zur Untersuchung gesandt worden. Auch nicht, bei den bisher einzig offiziell bestätigten Wolfsrissen im April in Oberwiesenthal - dort hatten die Tierhalter privat eine DNA-Analyse in Auftrag gegeben - und im Mai bei einer trächtigen Hirschkuh in Steinbach. Bei einem Stück Rotwild, das bereits Anfang April bei Johanngeorgenstadt gefunden worden war, wird ein Wolf als Verdächtiger zwar mittlerweile ausgeschlossen, allerdings hatte damals keine Begutachtung stattgefunden.

Auf die Frage, wie ohne diese Analysen ein vollständiges Monitoring für den Erzgebirgskreis gewährleistet werden kann, heißt es seitens des Landratsamtes: "Bis zum 31. Mai war das Kontaktbüro Wölfe in Sachsen für das Monitoring insgesamt verantwortlich. Mit Inkrafttreten der Sächsischen Wolfsmanagementverordnung ist die Fachstelle Wolf des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie für alle Belange des Wolfsmanagements zuständig. Das Landratsamt Erzgebirgskreis arbeitet dahingehend beim Monitoring mit, dass mögliche Wolfsrisse oder andere Hinweise (Kot, Sichtungen) erfasst und gemeldet werden." Dementsprechend ist zwar bekannt, dass sich das Territorium eines im tschechischen Vysluni festgestellten Rudels auch auf Oberwiesenthal und Hammerunterwiesenthal erstreckt. Erkenntnisse zur Größe des Rudels beziehungsweise zur Anzahl von Einzeltieren liegen dem Landratsamt aber nicht vor. Eine Zusammenarbeit mit tschechischen Partnern gibt es laut Behörde nicht.

Gesicherte Daten über Vorkommen in der Region sind so momentan schwer zu finden. Denn auf der offiziellen Internetseite wolf-sachsen.de wird auf den Umbau der Strukturen hingewiesen und den damit verbundenen Neuaufbau einer Internetseite. Kontaktdaten der neuen Fachstelle sind aber wenigstens genannt. Auf der Seite der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf ist das Erzgebirge noch gar nicht als Wolfsgebiet aufgeführt - weder auf deutscher noch auf tschechischer Seite.

Unterdessen liegt zu dem Anfang Juni in der Nähe von Schwarzenberg gefundenen Kalbskadaver das abschließende Ergebnis der Untersuchung in der Landesuntersuchungsanstalt vor. Demnach "gibt es keine Schädigung, wie sie typischerweise bei einem Angriff durch einen Wolf zu erwarten sind". Vielmehr seien die vorgefundenen Verletzungen "postmortal" entstanden - also erst nach dem Tod. Keinerlei Informationen gibt es dagegen im Landratsamt, bei der Polizei und auch im Forstbezirk zu einem angeblich vor vier bis fünf Wochen überfahrenen Wolf zwischen Hammerunterwiesenthal und Kretscham-Rothensehma.

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