Erste Akkutriebwagen rollten schon 1908

Für die Eisenbahnstrecke Chemnitz - Leipzig ist eine Weltneuheit angekündigt. Bahnfans lässt das erst staunen, dann schmunzeln.

Schwarzenberg.

Mit Interesse haben Mitglieder des Vereins Sächsischer Eisenbahnfreunde (VSE) kürzlich in der "Freien Presse" gelesen, dass der Verkehrsverbund Mittelsachsen nicht mehr auf die Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Chemnitz und Leipzig warten will. "Noch spannender wurde es, als es da hieß, der Verband will mit einer Weltneuheit reagieren", sagt VSE-Geschäftsführer Axel Schlenkrich. "Als wir dann lasen, dass ab 2023 auf der Strecke batterieelektrische Züge fahren sollen, die bisher weltweit noch nirgendwo im Einsatz seien, mussten wir allerdings schmunzeln. Mag sein, dass die bestellten elf Züge mit Hochleistungsbatterien auf dem Dach neu sind. Aber von einer Weltneuheit sollte man da nicht reden." Und um das zu unterstreichen, legt Schlenkrich ein Foto vor, das 1993 - also vor nunmehr 26 Jahren - an einem Gleis vor dem alten Lokschuppen in Schwarzenberg aufgenommen wurde. Mit einem Schuss Ironie erklärt der Eisenbahnenthusiast: "Ich sehe ein, dass unser Verein 1993 eine einmalige historische Chance verpasst hat: Wir hätten den einzigen im Osten verbliebenen Akkutriebwagen, der auch noch bei uns in Schwarzenberg stand, aufarbeiten sollen. Um ihn jetzt für den Betrieb auf der Strecke Chemnitz - Leipzig anbieten zu können ..."

Natürlich sei auch der VSE trotz aller Traditionspflege und Nostalgie für Innovationen bei der Eisenbahn, aber ganz so neu wäre der Gedanke mit den batterieelektrischen Zügen ja nicht. "Die ersten Akkutriebwagen der preußischen Baureihe AT 3, Bauart Wittfeld, wurden 1908 und 1909 in Betrieb genommen. Bis 1914 waren 163 solche Fahrzeuge in fast ganz Deutschland unterwegs", weiß Schlenkrich, der bei der Deutschen Bahn arbeitet und auch eisenbahnhistorisch bewandert ist. 1924 stellte die Akkumulatoren-Fabrik AG aus Berlin eine neue Version vor: "Sechsachsiger Speicher-Doppeltriebwagen, Fahrbereich 250 km, Fassungsraum für 180 Personen, Höchstgeschwindigkeit 60 km/h", hieß es dazu in einem Ausstellungskatalog.

Von den 1927/28 ausgelieferten 16 Serienfahrzeugen - die letzten drei waren bis 1968 im Einsatz - ist nur noch das mit Betriebsnummer AT 589/590 erhalten, es gehört zum Verkehrsmuseum Dresden. Ab Mitte der 1980er-Jahre bis Juli 1993 in Schwarzenberg abgestellt, kam das Fahrzeug dann nach Weimar. Jetzt wird es von der IG Hirzbergbahn in Georgenthal-Tambach betreut.

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