Erzgebirgsschanze bekommt eine Chance

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Der Betonriese von Johanngeorgenstadt sollte abgerissen werden. Für viele Bergstädter ist er jedoch Nostalgie pur. Jetzt hat der Stadtrat einen überraschenden Beschluss gefasst.

Johanngeorgenstadt.

Das Schicksal der Erzgebirgsschanze in Johanngeorgenstadt war eigentlich schon besiegelt. Vor zweieinhalb Jahren hatte der Stadtrat beschlossen, dass der narbige Betonriese abgerissen wird. Dafür - sowie für Investitionen in die Sportanlagen am Fastenberg - sollten Fördermittel beantragt werden. Doch dieser Beschluss hat nie Früchte getragen. "Wir haben damals keinen Zuschlag für die Fördergelder erhalten", sagt Bürgermeister Holger Hascheck (SPD).

Nun bekommt die Bergstadt erneut eine Chance auf Hilfsgelder für ihre Vorhaben am Fastenberg. In der jüngsten Stadtratssitzung wurde das alte Projekt dafür in einigen Punkten aktualisiert. Die bemerkenswerteste Anpassung: Der Komplettabriss der Erzgebirgsschanze ist erst einmal vom Tisch. Im Raum steht bloß noch ein Teilrückbau. "Anlauf, Schanzentisch und Aufsprunghang sollen weg, der Turm soll als Wahrzeichen unserer Stadt erhalten bleiben und begehbar gemacht werden", fasste Bürgermeister Hascheck die Änderungen zusammen. Der Beschluss wurde mehrheitlich gefasst. Es gab zwei Stimmenthaltungen.

In der nicht öffentlichen Sitzung war es hingegen hoch her gegangen. "Ich fand es gut, dass auch mal die Fetzen fliegen", sagte Stadträtin Ulrike Bosch (CDU) später. Der jetzige Beschluss sei ein guter Kompromiss. "Ich selbst hätte mir gewünscht, dass da eine schöne 90-Meter-Schanze für Damenskispringen entsteht, aber das ist natürlich unrealistisch. Da hätte schon vor 25 Jahren etwas geregelt werden müssen."

Seit 20 Jahren wird die Erzgebirgsschanze nicht mehr genutzt, den letzten internationalen Wettkampf erlebte sie im Januar 1997. Seitdem gab es keine Erhaltungsmaßnahmen. Vom Zahn der Zeit zernagt, ist es illusorisch, dass hier jemals wieder Skispringer aus imposanter Höhe dem Tal entgegengleiten. Trotzdem: "Vor allem älteren Johann'städtern blutet das Herz, wenn es heißt, die Schanze wird abgerissen", sagt Ulrike Bosch. Ihr selbst auch. Ihr Großvater hat als Sektionsleiter Wintersport des örtlichen Skivereins die Schanze einst eingeweiht, ihr Vater stand als kleiner Bub daneben auf dem Schanzentisch mit einer Fahne in der Hand. "Für mich ist das ein Denkmal", sagt sie.

So geht es vielen Einheimischen. Bekannte Skiathleten wie Sven Hannawald und Björn Kircheisen machten hier ihre ersten Sprünge. Der Vorgängerbau der heutigen Anlage, die Hans-Heinz-Schanze, war 1929 für einige Jahre die größte Skisprungschanze in Deutschland.

Stadtrat Jörg Neubert (SPD) hat ein Konzept vorgelegt, das die Erhaltung der kompletten Schanze vorsieht. Der Turm soll saniert und zum Aussichtsturm ausgebaut werden. "Es ist klar, dass es keine sportliche Nutzung mehr geben kann", sagt er. "Aber es wäre mir trotz allem lieber, wenn wir auch den Anlauf erhalten könnten. Was wäre das für eine tolle Kulisse für den Turm!" Um den Gesamtbeschluss nicht zu gefährden, hat er davon Abstand genommen und dem Teilabriss zugestimmt.

Die Wählergemeinschaft Johanngeorgenstadt nahm in der Ratssitzung eine Auszeit, hob dann aber geschlossen die Hände. "Ich denke, wir haben einen guten Konsens im Sinne aller gefunden", sagt Fraktionsvorsitzender Stefan Hellmich.

Gesichert ist die Erhaltung des Turmes damit aber noch nicht. Die Fördermittel, auf die Johanngeorgenstadt diesmal wohl gute Aussichten hat, dürfen nur für Sportprojekte ausgegeben werden. Für den Turm müsse man sich zusätzlich um eine Tourismusförderung bemühen, so Jörg Neubert. Und es wird teuer: Vor beinahe 15 Jahren ergab ein Betongutachten, dass die Turmsanierung eine halbe Million Euro kosten würde. Seitdem ist der Bauzustand nicht besser und die Preise sind nicht günstiger geworden.

Die Erzgebirgsschanze ist nur ein Punkt im neu gefassten Beschluss. Insgesamt geht es darum, Fördermittel für mehrere Sportanlagen im Bereich des Fastenberges zu beantragen. Dazu gehören die Erneuerung des Kunstrasenplatzes im Sportzentrum "Franz Mehring", der Neubau der Aufenthaltsräume an den Johann'städter Schanzen, der Bau einer Halle für das vorhandene Loipenspurgerät, die Errichtung einer Beschneiungsanlage an der Rollerbahn, der Bau einer Volleyball- und Tischtennisanlage im Naturbad "Am Schwefelbach", das Anlegen neuer Parkplätze sowie der Ausbau der Straßenanbindung zu den Wintersportloipen.

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