Es geht wieder aufwärts im Dachdeckerhandwerk

Der Innungschef spricht von einem Boom. Vermutlich hat eine große Imagekampagne Anteil daran. 30 Gesellen und sechs Meister wurden jetzt in Bad Schlema gefeiert.

Aue/Schwarzenberg.

Im Landesbildungszentrum der Dachdecker in Bad Schlema, wo Azubis und Meisterschüler ihr Handwerk trainieren, herrschte am Freitagabend festliche Stimmung. 30 Gesellen aus dem Raum Chemnitz-Erzgebirge-Vogtland sind dort freigesprochen worden. Zudem wurden sechs frisch gebackene Meister gefeiert.

Einer von ihnen ist Sebastian Rother aus St. Michaelis bei Freiberg. Von 2005 bis 2008 absolvierte er die Ausbildung zum Dachdecker. "Das war eher Zufall. Es gab noch nicht so viele freie Stellen wie heute und diese war frei, also habe ich es versucht", so der heute 31-Jährige. In einer Zwickauer Firma begann er die Lehre, doch schon nach drei Monaten war dort Schluss. "Ich musste mir 'was Neues suchen", erzählt er. Bei der Dach und Wand GmbH in Langenau wurde er fündig und letztendlich auch richtig glücklich. "Ich bin auch nach der Ausbildung dort geblieben", sagt Rother. Als er zum Bund ging, ruhte das Anstellungsverhältnis. "Hin und wieder gab es aufgrund von Auftragsrückgängen Kündigungen, doch wir sind immer wieder geholt worden", betont er. Sein Chef, Bernd Urbandsky, habe sich gewünscht, dass er den Meister ablegt. "Ich bin dann ein halbes Jahr in die Industrie - wollte noch einmal etwas anderes ausprobieren." Doch der Spaß in der neuen Branche hielt sich massiv in Grenzen. Ausgerechnet in dieser Zeit sei sein langjähriger Chef gestorben. Der Weg zurück aufs Dach war genauso klar, wie der Wunsch den Meisterbrief zu machen. Heute gehört seine alte Firma zur Dachisolierung Flöha. Rother leitet mittlerweile die Filiale in Langenau. Sein jetziger Chef, Reiner Rümmler, ist zugleich der Obermeister der Dachdeckerinnung Erzgebirge. Und er ist mächtig stolz auf seinen Schützling, obwohl er weiß, dass der Weg den Sebastian Rother gegangen ist, nicht die Regel ist. "Die meisten, die in die Industrie gehen, bleiben dort", weiß Rümmler. Der finanzielle Anreiz sei einfach zu groß. Obwohl wir gute Löhne zahlen, mit dem, was in der Industrie gezahlt wird, können wir nicht mithalten." Doch das Handwerk, so war am Rande der Gesellenfreisprechung und der Meisterfeier zu erfahren, erlebe derzeit eine Art Renaissance. "Mehr als 100 Lehrlinge haben jetzt eine Ausbildung begonnen", so Thomas Münch, Geschäftsführer des Landesbildungszentrums. Grund dafür sei eine große deutschlandweite Imagekampagne. "Wir haben jetzt auch eine bundeseinheitliche Bewerbungsplattform", freut sich Matthias Feldner, Leiter des Landesbildungszentrums des sächsischen Dachdeckerhandwerks. Durch diese gehe kein Interessent mehr verloren, sondern erhalte schnell alle Informationen. Auch die sozialen Medien werden einbezogen. So gibt es auf Facebook Jugendbotschafter im Dachdeckerhandwerk. "Das alles führt dazu, dass das Handwerk wieder anders wahrgenommen wird", so Feldner.

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