Familie prägt Vereinsgeschichte mit

Die Rassekaninchenzüchter aus Pöhla feiern das 100-jährige Bestehen ihrer Gemeinschaft. Walter Graf war Gründungsmitglied, sein Enkel mischt heute im Vorstand mit.

Pöhla.

Das Wort Familientradition besitzt im Fall von Klaus Graf, dem 82-jährigen Friseur aus Pöhla, eine ganz besondere Bedeutung: Nicht nur die Leidenschaft für das Handwerk, sondern auch die Leidenschaft für die Kaninchenzucht hat er von seinem Großvater Walter Graf vererbt bekommen. "Er hatte in Pöhla eingeheiratet und gehörte vor einem Jahrhundert mit damals 26 Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Kaninchenzuchtvereins", berichtet Klaus Graf, dessen Vater im Krieg sein Leben ließ.

Deshalb war Opa Walter die wohl wichtigste männliche Bezugsperson für den Spross. "Unsere Bindung ist eng gewesen, er hat mir den Vater ersetzt", erinnert sich Klaus Graf an seine Kindheit und Jugend. Walter blieb der Vater-Ersatz wohl auch, weil Mutter Jenny Graf kein zweites Mal heiratete. "Mein Großvater hat mich auch in die Kaninchenzucht eingeführt." Wer Klaus Graf begeistert über seinen Opa erzählen hört, der wundert sich nicht, dass auch er sich auf die Zucht Blauer Wiener spezialisiert hat. "Es ist eine uralte Rasse", sagt der Pöhlaer.


Eher ungewöhnlich ist, dass Walter Graf seinem Enkel untersagte, sich im Rassekaninchenzuchtverein zu engagieren, so lange der Großvater selbst aktiv war. "Er meinte immer, es reiche, wenn einer aus der Familie im Verein ist." Klaus Graf lächelt und fügt hinzu: "Er war ein richtiger Hansdampf in allen Gassen, gehörte jahrelang dem Vorstand an und war zur Gründung sogar Vorsitzender." Die Vereinsarbeit sei ein ganz wesentlicher Punkt des gesellschaftlichen Zusammenhalts gewesen. "Früher war es ja anders als heute: Die Leute hatten keinen Fernseher, keine Radios. Und Tanzveranstaltungen gab es auf dem Dorf auch nur selten." Daher hatte der Zusammenschluss der Züchter auch ganz gesellige Gründe. "Mein Großvater war jemand, der andere mitreißen konnte, sie angetrieben hat."

Bis zu seinem Lebensende sei er im Verein aktiv gewesen. Als Züchter war Walter Graf auf Kreisebene erfolgreich, weitere Aufstiegsmöglichkeiten - wie das heute der Fall ist - habe es nicht gegeben. Bekannt war auch sein Ehrgeiz. Wenn eines seiner Tiere ein "nicht befriedigend" bekam, habe man zwei Tage lang nicht mit ihm reden können. "Aber dann sagte er, in der Pfanne merkt man das nicht", berichtet der Enkel.

Die Geschichte von Familie Graf ist mit der 100-jährigen Historie des Vereins eng verbunden. Nach dem Tod des Großvaters trat Klaus Graf im Vorstand in Walters Fußstapfen. "Er ist ganz wichtig", sagt der heutige Vorsitzende Kay Neubert. Der 33-jährige Vereins-Chef wiederum brachte nationalen Erfolg nach Pöhla. Denn Neubert gehört mit seinem Bruder Sven zu den erfolgreichsten Sachsengoldzüchtern in Deutschland. Neid kennt Klaus Graf nicht: "Kay hat nur ein Interesse, keine Frau, keine Kinder - bei mir war das alles ein bisschen breiter gefächert."

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