Franzose läuft 2200 Kilometer mit einer Botschaft im Gepäck

Für Laurent Guillet ist es ein einmaliges Projekt, mit dem er vor allem "Aufrütteln" will. Seine Motivation ist der Tod unzähliger Menschen in den beiden Weltkriegen.

Schwarzenberg.

Ohne Menschen wie Laurent Guillet wäre die Welt weit weniger bunt. Der 48-jährige Franzose ist einer, den man nicht nur bewundert, weil er vielleicht Dinge tut, die auf den ersten Blick befremdlich erscheinen. Nein, er ist einer, dem man gern zuhört, der sehr gut erklären kann, warum er das vermeintlich Verrückte tut: Seit dem 26. Mai ist er unterwegs. Allein. Zu Fuß. Mit schwerem Gepäck und auf möglichst direktem Weg von Trévelo über Deutschland bis nach Most. Dort will er am Donnerstag ankommen. Dann hat er 2200 Kilometer Fußmarsch hinter sich. Doch warum tut er sich das an?

"Ich möchte damit ein Zeichen setzen. Und ich laufe für all die Menschen, die in den Kriegen ihr Leben verloren haben", sagt er mit schönstem französischen Akzent bei seinem Zwischenstopp am Sonntagabend in Schwarzenberg. Hier hat er übernachtet. Und gestern früh ging es weiter. Spontan begleitet wurde er dabei auf den ersten zehn Kilometern seines gestrigen Tagesziels Königswalde von einigen Mitarbeitern der Stadtverwaltung.

Hauptamtsleiterin Sylvia Mack hatte den liebenswerten und offenherzigen Gast am Abend zuvor in Schwarzenberg begrüßt und ihn im Auftrag der Oberbürgermeisterin zum Abendessen eingeladen. "Es sind diese Gespräche, die Begegnungen mit Menschen, die Kontakte, die die ganze Tour für mich besonders machen", sagt Guillet, der Schriftsteller ist und ein Buch über seinen Großonkel Joseph geschrieben hat, der zu den Opfern des Zweiten Weltkriegs gehörte. "Wir müssen aufpassen, bald können wir keine Zeitzeugen von damals mehr befragen", mahnt Guillet. Er wünscht sich, dass auch andere Menschen seiner Spur folgen, wenn auch nicht zu Fuß. "Man kann die Strecke auch mit dem Auto fahren oder dem Rad. Aber die Rathäuser muss man ansteuern, um sich die Stempel zu holen", erklärt er, was er im Begleitheft des Gedächtnislaufes zur Nachahmung aufgeschrieben hat.

Frank Neubert vom Bauamt der Stadt hat dem Wandersmann auf den gestrigen ersten zehn Kilometern den zwölf Kilo schweren Rucksack getragen: "Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um so etwas bei dieser Hitze zu machen. Aber ich bewundere ihn auch sehr", sagt er.

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