Für tragende Rolle des Jesus braucht es jüngere Darsteller

Zu Ostern 2020 soll es in Zschorlau wieder ein Passionsspiel geben. Die Laienmimen treten bereits jetzt in die Vorbereitung ein. Das hat Gründe.

Zschorlau.

Alle fünf Jahre wird die Schulturnhalle in Zschorlau zum Passionsspielort. Zu Ostern 2020 ist es wieder so weit. Schon jetzt stellt der Vorstand um Dieter Schürer - Vorsitzender des Passionsspielvereins und Regisseur - Überlegungen an, wie die Rollen zu besetzen sind. Einige Darsteller sind in die Jahre gekommen, jüngere sollen nachrücken. "Jesus steht 20 Minuten am Kreuz, das muss man aushalten können", hebt Dieter Schürer unter anderem das Besondere an dieser tragenden Rolle hervor. Jesus wurde im Alter von 32 Jahren hingerichtet, deshalb sollte sein Darsteller jung aussehen, nennt der Regisseur einen weiteren Grund.

Die meisten der Rollen haben jedoch seit 2000, als in Zschorlau das erste Mal das Passionsspiel aufgeführt wurde, die gleichen Darsteller. Der Vorteil: Für sie ist der Probenaufwand geringer. "Es gibt einige, die können ihre Texte im Schlaf aufsagen", weiß Schürer. "Sie haben sich vor 18 Jahren ihre Rolle selbst ausgesucht und sind in der Regel dabei geblieben." Der Nachteil: Die Rollen sind stark geprägt. Das heißt, ein neues Gesicht muss sich erst einmal etablieren. Ausfälle wegen Krankheit gab es bislang so gut wie nie.

Veränderungen wird es in anderthalb Jahren aber auch in anderer Hinsicht geben: Die römischen Soldaten bekommen eine neue Ausrüstung, die Priester neue Gewänder, und es werden neue Vorhänge angeschafft. Für die Kostüme zeichnen Studenten der Kunstschule Schneeberg verantwortlich. Während die Priester in ihren Habits als besondere Akteure hervorgehoben werden, wurden für das Volk einfache Gewänder gewählt. Für die Neuanschaffungen muss der Verein rund 17.000 Euro aufbringen.

Auch wenn der offizielle Start des Passionsspieljahres zu Ostern 2019 fällt, wirft die Aufführung schon früher ihre Schatten voraus. Denn schon in diesem Jahr wird es eine Ausstellung in der Zschorlauer Bibliothek geben. Der Passionsspielverein stellt dabei sich selbst, aber auch andere Passionsspielorte in Europa vor. Es gibt über 100 solcher, sie haben sich in der "Europassion" zusammengeschlossen. Zschorlau gehört ihr seit 2011 an und nimmt eine Sonderstellung ein, weil das Spiel hier von evangelischen Gemeinden getragen wird. Andernorts ist es die Kommune. Außerdem ist Zschorlau das größte Passionsspiel in den neuen Bundesländern. 180 Beteiligte, alles Laien, wirken bei den vierstündigen Aufführungen mit. In 18 Szenen, von der Salbung Jesu in Bethanien bis zur Auferstehung, umrahmt von einer eigens für das Spiel komponierten Musik, wird das Passions- und Ostergeschehen auf der 15 mal 10 Meter großen Bühne dargestellt. Der Text hält sich vor allem an die Darstellung des Passionsgeschehens in den vier Evangelien des Neuen Testaments, greift aber auch zurück auf den Roman "Jesus von Nazareth" des polnischen Schriftstellerns Roman Brandstaetter. "Die Auferstehung ist der Kernpunkt des christlichen Glaubens", sagt Schürer. Die Texte und Dialoge im Zschorlauer Passionsspiel vermitteln Hintergründe zur Situation Jesu in seinem Volk als Jude. "Wir versuchen, alles, was antijüdisch ist, außen vor zu halten", so der Regisseur.

In den bisherigen fünf Spielzeiten fanden 38 Aufführungen statt, die etwa 27.100 Besucher aus ganz Deutschland miterlebt haben. Die eigentlichen Proben beginnen im September 2019. Kurz vor der Aufführung finden sie dann fast an jedem Wochenende statt.

www.passionsspiel-zschorlau.de

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