Genau das will sie sein: Müllwerkerin

Cindy Köhler hat mit Leidenschaft eine Männerdomäne erobert. Und die 23-Jährige aus Aue wird von den Kollegen geschätzt.

Aue/Schwarzenberg.

Sie fällt auf, und das keineswegs nur wegen ihrer feuerroten Haare. Cindy Köhler ist eine Frau in einer Männerdomäne: bei der Müllabfuhr.

Die 23-Jährige hat sich sehr bewusst dafür entschieden, genau diesen Job zu machen. Auch, wenn er nicht leicht ist. Doch der jungen Frau aus Aue macht das nichts aus, wie sie sagt. In ihrem ursprünglich erlernten Beruf als Werkzeugmacherin fühlte sie sich in der Werkhalle eingesperrt. "Nee, das ist nichts für mich. Ich wollte raus", sagt sie.

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Also entschied sie sich für eine Umschulung zur Müllwerkerin, erwarb den Lkw-Führerschein. Und wenn sie nun am Lenkrad des orangefarbenen Lasters mit der großen Rotationspresse sitzt, leuchten ihre großen Augen. "Mein Vater war Lkw-Fahrer im Fernverkehr. Ich bin oft mit ihm unterwegs gewesen. Das hat mich wohl geprägt", vermutet sie. Ihr Teamkollege Andreas Schmiedel fährt gern mit ihr.

Zu ihrem Einsatzgebiet gehören die Touren zur Entsorgung von Papier- und Biotonnen sowie von klassischem Müll. Früh kurz vor 6 Uhr geht es los. Da satteln sie auf dem Betriebshof der Landkreisentsorgung in Schwarzenberg auf. Da sich die Tourenpläne - also wer mit wem unterwegs sein wird - auch schnell mal ändern, wissen die Müllwerker meistens erst am Nachmittag, wo und mit wem sie am nächsten Tag im Einsatz sind. Andreas Friedel kommt aus Annaberg-Buchholz, er ist ein Buchholzer, wie er betont. Gemeinsam kurven sie viele Kilometer durch den Landkreis. "Doch momentan sind viele Straßen entweder gesperrt oder kaputt, Loch an Loch", sagt Friedel. Auf die Frage, ob er mit einer Frau als Kollegin nicht doch öfter Rücksicht nimmt, antwortet Cindy Köhler gleich selbst und selbstbewusst: "Ich will keine Sonderbehandlung. Da würde ich mir echt doof vorkommen."

Seit Sommer 2018 ergänzt sie die Männerriege der Müllwerker in der Landkreisentsorgung Schwarzenberg. Bereut hat sie den Wechsel nicht. Auch den ersten Winter hat sie nun hinter sich. Und die Kälte? "Da zieht man eben einen Pulli mehr drunter", antwortet sie. Die orangefarbene Spezialkleidung sei schon echt gut, sagt die Frau. "Sie kann zupacken", bestätigt ihr Teamkollege, der zudem verrät, dass sie es sogar abgelehnt hat, jetzt die Kehrmaschine zu fahren. Die scheint der 23-Jährigen zu langsam zu sein.

Egal, ob hinterm Lenkrad oder hinten auf dem Trittbrett des Müllautos - Cindy Köhler liebt ihren neuen Job. Auch, wenn es im Winter wirklich oft nicht leicht sei, die vollen Tonnen über schlecht geräumte Wege bis ans Auto zu bugsieren. Die Straßensperrungen machen den Entsorgungstrupps die Arbeit gleich in doppelter Hinsicht schwer: Denn die Tonnen müssen ja trotzdem geleert werden. "Und nicht alle Bürger sind so vernünftig und stellen uns ihren Müll so hin, dass wir auch rankommen", sagt die junge Frau. Erleichtert wird den Müllwerkern die Arbeit, wenn der Behälter mit dem Griff zur Straße hin steht, damit entfalle das zusätzliche Drehen der vollen Tonnen.

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