Gratulation an der Haustür löst trotz Abstands riesige Freude aus

Das Treffen "Geburtstag des Monats" findet in Schwarzenberg wegen der aktuellen Situation nicht statt. Dabei ist die Runde sehr beliebt. Städtische Glückwünsche werden dennoch überbracht - und sind immer willkommen.

Schwarzenberg.

"Wird denn auch wieder jemand von der Stadt kommen?" Diese erwartungsfrohe Frage soll Hedwig Beuthner am Vorabend ihres Geburtstags ihrem Sohn gestellt haben. Als es dann am nächsten Vormittag tatsächlich an der Tür klingelt und die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Schwarzenberg, Lilly Vicedom, vor der Tür steht, geht buchstäblich auch im Gesicht der Jubilarin die Sonne auf - an diesem strahlend schönen Apriltag, ihrem 93. Geburtstag.

Dabei geht es keineswegs um die Blumen oder den Gutschein, den sie erhält. Es geht vielmehr um die Geste und das damit verbundene Signal, nicht vergessen zu sein. "Ich war ja schon zu ihrem 90. Geburtstag da. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern", sagt Lilly Vicedom, die in ihrer ehrenamtlichen Funktion als Stellvertreterin der Oberbürgermeisterin seit drei Jahren etliche solche Grüße und Wünsche an Senioren überbringt. "Im Durchschnitt sind es etwa 20 pro Monat, mal paar mehr und mal weniger", so die Schwarzenbergerin. Es sei eine Aufgabe, die sie gern und von ganzem Herzen macht. "Und jedes Mal merke ich, wie unheimlich wichtig das für die älteren Bewohner unserer Stadt ist", meint sie. Momentan - in Zeiten strenger Abstandsregeln - werden der Blumengruß und das Kuvert abgegeben. Der Gast selbst bleibt auf Distanz. Das sonst vielleicht übliche Gläschen Sekt oder die Tasse Kaffee gibt es "beim nächsten Mal" - heißt es auch bei Hedwig Beuthner, die dafür volles Verständnis und sich dennoch riesig über die Stippvisite gefreut hat. Sie war Kindergärtnerin von Beruf und ist vielen Schwarzenbergern gut bekannt. "Mit geht es gesundheitlich wirklich gut, aber es sind komische Zeiten", sagt die Jubilarin, die im Haus ihrer Kinder wohnt, dort ihr eigenes kleines Reich hat und alles noch allein erledigt - bis auf den Einkauf.

Ausfallen muss aufgrund der Pandemie indes der "Geburtstag des Monats", wie es die Stadt Schwarzenberg nennt. Dieser findet einmal im Quartal statt. Das ist ein geselliges Treffen für Senioren ab 70. Aller fünf Jahre werden sie im jeweiligen Quartal ihres Geburtstags zu einem "Kaffeeklatsch" mit der Oberbürgermeisterin (oder der Stellvertreterin) eingeladen. Dann wird berichtet, was es Neues gibt im Ort, was demnächst passieren soll, und es wird gefragt, was aus Sicht der Senioren anders und besser laufen müsste. "Diese Gespräche und Treffen sind immer sehr bereichernd", so Vicedom. Und sie erzählt, dass sich dort meist Leute treffen oder nach Jahren mal wiedersehen, die sich zwar von früher her oder aus der Zeit ihrer Berufstätigkeit kennen, sich aber dennoch durch Umzüge oder den Eintritt ins Rentenalter irgendwann aus den Augen verloren hätten.

Wann es die nächste Veranstaltung mit den Senioren gibt, sei derzeit völlig ungewiss. Aber an den persönlichen Glückwünschen ab dem 90. Geburtstag sowie bei runden Ehejubiläen ab der Diamantenen Hochzeit halte die Stadt weiterhin fest. Momentan eben mit Mundschutz und Abstand.

Auch in anderen Kommunen geht der Bürgermeister zu den Jubilaren ab dem 90. Geburtstag hin, um zu gratulieren. "Doch wir haben das derzeit aufgrund der Pandemie ausgesetzt. Es ist ja die Risikogruppe", sagt Jana Hecker, die Pressesprecherin in Aue. Dennoch gibt es Glückwünsche von der Stadt - momentan eben auf dem Postweg. So handhabt es auch die Stadt Grünhain-Beierfeld. "Derzeit schicken wir Grüße und einen Gutschein", sagt Bürgermeister Joachim Rudler. Doch sobald es möglich wird, kommt auch er gern wieder persönlich vorbei.

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