Großes Schweigen um Zukunft des Asylbewerberheims

Ein paar Tage lang stand die Einrichtung in Johann'stadt zum Verkauf auf der Auktionsplattform Ebay. Das heizte die Gerüchteküche an, wie es mit dem Heim weitergeht. Der Betreiber äußert sich dazu gar nicht, der Landkreis nur spärlich.

Johanngeorgenstadt.

Mehrere hunderttausend Euro sollte sie kosten - die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Johanngeorgenstadt. Vor Kurzem wurde die Immobilie beim Internetportal Ebay angeboten. Inzwischen ist sie dort wieder verschwunden; verkauft wurde sie nicht. Johanngeorgenstadts Bürgermeister Holger Haschek (SPD) ist erst im Nachhinein darauf aufmerksam geworden; er wusste von den Verkaufsplänen nichts, sagt er.

Doch die Offerte bei Ebay heizte die Gerüchteküche an, wie es mit dem Heim in der Bergstadt weitergeht. Ende 2020 läuft der Vertrag zwischen dem Erzgebirgskreis und dem Betreiber, der Campanet Freiberg GmbH, aus. Was danach kommt - da geistern viele Vermutungen durch die Stadt. Eine lautet: Hier soll ein Zentrum für Ankunft, Entscheidung und Rückführung von Asylbewerbern eingerichtet werden, ein sogenanntes Ankerzentrum. Doch da widerspricht die zuständige Landesdirektion Sachsen: Das sei definitiv nicht geplant, heißt es auf Nachfrage.

Weitere Möglichkeiten für das Heim, das nahe dem Johanngeorgenstädter Loipenhaus steht, sind der Fortbestand wie jetzt - verbunden mit einer Modernisierung. Oder die Nutzung als Unterkunft für behinderte Geflüchtete.

Eine Nachfrage bei Campanet in Freiberg ist schwierig. Ruft man die angegebene Telefonnummer an, kommt die Bandansage: "Die gewählte Nummer ist nicht vergeben." Eine Handynummer der früher für das Heim zuständigen Mitarbeiterin in Freiberg bringt die gleiche Ansage. Wirtschaftsportale im Internet kennzeichnen die Firma inzwischen als inaktiv.

Das Unternehmen gehört zur Campanet GmbH in Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg). Nach Unternehmensangaben ist man seit über 20 Jahren in der Betreuung von Asylbewerbern tätig. Die Firma wiederum ist Teil der IF Investment Holding GmbH - einem Immobilienkäufer und -verkäufer mit rund 275 Mitarbeitern. IF und Campanet teilen sich Adresse und Telefonnummer. Telefonisch erreichbar ist auch da niemand. Bei Anfrage per E-Mail wird mitgeteilt, dass alle Anfragen bezüglich der Unterkunft an den Erzgebirgskreis zu richten sind.

Von dort ist zu erfahren, dass sich der Kreis und Campanet eine Verlängerungsoption für den auslaufenden Vertrag vorbehalten. Eine Entscheidung dazu "erfolgt in Abhängigkeit der weiteren Flüchtlingsentwicklung und Flüchtlingszuweisung des Freistaates Sachsen für den Erzgebirgskreis", schreibt eine Landkreis-Sprecherin auf Anfrage. Dass behinderte Migranten untergebracht werden sollen, könne man nicht bestätigen. Ob das Haus saniert wird, bleibt offen.

Mitte August lebten 78 Frauen, Männer und Kinder im Heim. Es handelt sich hier um Asylbewerber und Ausländer mit einem Duldungsstatus. Das bedeutet, dass die Personen eigentlich ausreisen müssten. Doch weil sie krank sind, ihre Identität unklar ist, Reisedokumente fehlen oder die Sicherheitslage im Herkunftsland schlecht ist, dürfen sie vorerst bleiben. Im gesamten Erzgebirgskreis gibt es laut Landratsamt momentan rund 1800 Asylsuchende und geduldete Ausländer in Gemeinschaftsunterkünften und in eigens angemieteten Wohnungen. Zu den Verkaufsabsichten bei Ebay äußert sich die Kreissprecherin nicht und verweist auf Campanet. Das Unternehmen macht aber auch dazu keine Angaben.

Mitte 2015 hatte der Landkreis beschlossen, in dem ehemaligen Ferienobjekt in der Schwefelwerkstraße Asylbewerber unterzubringen. Der Stadtrat hatte das abgelehnt. Anfangs gab es Kundgebungen gegen die Einrichtung. Von Beginn an haben sich aber auch Bürger und ein christlicher Verein ehrenamtlich für die Migranten engagiert. Sie organisieren Bastelaktionen und geben Deutschunterricht. Einmal im Jahr findet ein Herbstfest statt. Das nächste ist für Oktober geplant.

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