Herausragende Solistin verschafft Glücksmomente

Begeisterten Beifall gab es für die Geigerin Liv Migdal beim Jubiläumskonzert 130 Jahre Erzgebirgische Philharmonie. Sekt und Blumen gab es auch für das Orchester.

Aue.

Gehoben mittelklassigen Geigern würde beim Spielen des schwierigen Konzertes Nr. 1 D-Dur von Niccolò Paganini der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Liv Migdal wurde nur an wenigen Stellen etwas ernster und lächelte sonst in die Musik hinein und Naoshi Takahashi an, der offensichtlich glücklich war über seine herausragende Solistin. Häufig ist es nicht zu hören, Paganinis effektvolles Konzert für Violine und Orchester, denn Brahms, Beethoven, Tschaikowsky & Co haben ihm längst den Rang abgelaufen. Trotzdem wird es seinen wichtigen Platz behalten.

Liv Migdals leuchtendes, jubilierendes Saitenspiel machte den 1. Satz mit seinen knalligen Orchestereinwürfen zum melodienseligen Blickfang für die Ohren. Beim Finalsatz brillierte die Künstlerin mit Doppelgriffen, flötenhaften Flageoletten und präzisem Staccatospiel. Im Juni gibt die vielfach ausgezeichnete Violinvirtuosin übrigens ihr Debüt in der Elbphilharmonie Hamburg mit dem Beethoven-Konzert.

Das Auer Publikum erhob sich nach den letzten Takten des Violinkonzertes begeistert von den Plätzen, die Orchestermusiker bekamen ebenfalls Blumen und Sekt. Takahashi und das Orchester hatten einen unerhörten Abschluss-Gag parat: Die Philharmoniker spielten die Einleitung zur Tannhäuser-Ouvertüre (Pilger-Chor) und wandelten die Musik mit rauschendem wagnerschem Pathos witzig zu "Happy Birthday". Vor dem Konzert gratulierte Hans-Christian Schlesinger dem Orchester zum Jubiläum und erzählt aus der Historie des Klangkörpers. Der 1. Vorsitzende der Freunde und Förderer der Erzgebirgischen Philharmonie ging noch einen Schritt weiter zurück und erwähnte, dass es schon vor 360 Jahren in der Region erste Musiker gegeben hat, die Stadtpfeifer. Aus einem Reigen von Ouvertüren und Orchesterzwischenspielen aus italienischen Opern setzte sich der erste Teil des Geburtstagskonzertes zusammen. Pietro Mascagnis breit dahinraunendes "Intermezzo sinfonico" aus dem Einakter "Cavalleria rusticana" ("Sizilianische Bauernehre") ist ein Sonderfall. Da ziehen zu Ostern Kirchgänger in erhabener Stimmung dahin. Diese Musik wird von Film, TV und Werbung gern vermarktet. Tenor Andrea Bocelli hat das Intermezzo edel verkitscht für die Pralinenwerbung eingesungen. Die Wiedergabe der Erzgebirgischen Philharmonie vermied alles eilfertig süßlich Vordergründige und verschwieg den ernsten Hintergrund dieses Idylls nicht.

Die Oper "Der Wasserträger" des Beethoven-Zeitgenossen Luigi Cherubini, aus der Zeit der Französischen Revolution, kennt leider kaum noch jemand. Der allzu ernsthafte Meister war mehr ein Liebling der Fachleute wie Haydn und Beethoven. Aber die Wasserträger-Ouvertüre zumindest ist gelegentlich zu hören. Diese unbekannte Rarität erklang in ihrer ganzen Bedeutungsschwere. Die Musik lässt sich mit Beethovens drei grandiosen Leonoren-Ouvertüren und Webers euphorischer "Euryanthe"-Ouvertüre vergleichen.

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