Holzwolle in der Zuckertüte

65 Jahre nach ihrer Schulentlassung treffen sich "Jungs und Mädels" aus Bermsgrün wieder. Aus den Augen verloren haben sie sich dabei nie.

Bermsgrün.

Trotz Holzwolle in der Spitze und zahlreichen Äpfeln in den Zuckertüten ist aus allen Mädchen und Jungen, die 1943 gemeinsam in die Bermsgrüner Schule eingeschult wurden, etwas geworden: Verkäuferinnen, Buchhalterinnen, Ingenieure, Handwerker, Gastwirte ja sogar Hobbyschriftsteller.

"Wir waren damals eine starke Klasse: 20 Mädels und 23 Jungs", sagt Hanna Goldhahn, die selbst viele Jahre im Handel tätig war. 43 Kinder in einer Klasse, das war für Eberhard Tümmler nicht immer leicht. Doch der Klassenlehrer erinnert sich dennoch gern an die "Rabauken". "Die waren noch harmlos. Aber heute möchte ich kein Lehrer mehr sein", gibt der 88-Jährige offen zu. Dabei hat er nicht nur Kinder unterrichtet, sondern ab 1967 an der Volkshochschule gelehrt und dort diverse Abiturklassen betreut. Aber er kommt zu allen Klassentreffen der Bermsgrüner. Wobei gerade diese Klasse bis heute einen sehr intensiven Kontakt pflegt. Aller zwei Jahre treffen sie sich.

Jetzt war erneut so ein Treffen. Diesmal sogar in kurzer Folge aufs vergangene Jahr. Aber dieses Jahr hatten sie allen Grund zum Feiern: Der Tag ihrer Schulentlassung liegt nunmehr 65 Jahre zurück. "Acht Jahre sind mir damals zur Schul' gange", sagt Klaus Glaser, der als Cheforganisator sich seit Jahren den Hut für die Treffen aufsetzt. "Die meisten wohnen ja noch immer hier in der Region", sagt der Schwarzenberger. Und jedes Mal bemüht er sich um kurzweilige, unterhaltsame Beiträge, liest auch mal aus seinen selbst verfassten Texten und Geschichten vor. Als Hobby-Buchautor hat er bereits mehrere Bücher veröffentlicht, die die Schönheiten oder überlieferte Sagen des Erzgebirges zum Inhalt haben.

Aber auch andere aus der Runde tragen mit Schnorken, Geschichten und Witzen zur guten Unterhaltung bei. Da wird mitunter ganz schön derber Humor kredenzt. Aber das heizt die Stimmung an und Lachen ist ja bekanntlich die beste Medizin.

Berührungsängste kennt keiner. Man kennt sich schließlich von klein auf und tauscht sich aus über "Gott und die Welt". Treffen wollten sie sich eigentlich diesmal in ihrer alten Schule. "Aber das geht nicht mehr. Die ist zu und baufällig", sagt Glaser. Und so wurde es erneut die Gaststätte "Humann" in Bermsgrün und wird es auch 2018 wieder sein.

Und die Erinnerungen an die Schulzeit? "Das war schön", sagt Renate Schrandt, die bis heute "wunderbare Gedichte schreibt", wie die ehemaligen Klassenkameraden erzählen. "Wir Mädels mussten alle eine Schürze tragen", ist als eine Erinnerung haften geblieben an jene Zeit, die zwar so lange zurückliegt, aber dennoch unvergessen ist.

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