Junge Leute blühen im Kleingarten auf

Im Projekt "Jugendgarten" des Awo-Schulclubs pflanzen, jäten und ernten sie wie die Profis. Beim Fest am Samstag wachsen sie sogar über sich hinaus.

Schwarzenberg.

"Hoffentlich ist die Spinne weg." Vorsichtig öffnet die neunjährige Stella die Tür des Küchenschranks in der Gartenlaube. Nur ein paar Dosen sind zu sehen. Von Spinnen keine Spur. Dafür rankt sich der Wein am Balkon empor bis hoch zum Dach. Die ersten Blätter leuchten rot. Die Trauben sind tiefviolett und süß. "Die ernten wir bald und machen Saft daraus", sagt Janette Lein. Die Schwarzenbergerin ist Leiterin des Schulclubs der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Schwarzenberger Stadtschule. Und sie ist zugleich verantwortlich für ein besonderes Projekt, das seit einem Jahr in diesem Grundstück des Kleingartenvereins Rosenthal läuft.

Hier, direkt am Waldrand, pflanzen, jäten und ernten jedoch keine erfahrenen Hobbygärtner, sondern Kinder und Jugendliche. Die Anregung dazu kam von den jungen Schulclub-Besuchern selbst. "Wir hatten ein Projekt zur gesunden Ernährung, dafür wollten die Kinder die Nahrungsmittel selbst anbauen", erzählt Janette Lein.


Also fragte Awo-Mitarbeiterin bei den Kleingärtnern an, ob sie in der Kleingartenanlage ein paar Quadratmeter pachten könnten. "Sie waren sofort begeistert. Es gibt ja nicht so viel Nachwuchs in den Vereinen", sagt Lein. Man habe zwar viel Arbeit in den Garten stecken müssen. "Er war wirklich verwildert." Aber die unmittelbaren Grundstücksnachbarn hätten die Jugend mit guten Tipps unterstützt. Geld gab die Stadt Schwarzenberg über das Projekt "sozial-genial".

Jetzt sind hier ein- bis zweimal die Woche Schüler am Werk. Solche wie Kurt. Dem Zwölfjährigen aus Schwarzenberg macht die Arbeit großen Spaß. "Ich zocke zwar auch gern am Computer, aber nicht immer", erzählt er. Er konnte zum Beispiel schon Erdbeeren ernten. "Die waren sehr lecker." Von Kurt stammt auch die Idee, eine Fläche zum Steingarten umzugestalten. Dort sei das Unkraut immer wieder durchgewachsen. Da Kurt schon mit seiner Oma einen solchen Garten geschaffen hatte, regte er an, es zu versuchen.

Der Rundgang für Neugierige durch den Jugendgarten mit Blick auf noch grüne Tomaten und nicht ganz ausgewachsenen Radieschen ist am Samstag aber nur ein Programmpunkt des ersten Schwarzenberger Awo-Jugendfestes gewesen. Jugendliche für Jugendliche lautet gewissermaßen die Devise. Das Programm gestalten, moderieren, sich Aktionen ausdenken - "das haben wir diesmal den jungen Leuten weitgehend selbst überlassen und helfen nur", so Awo-Geschäftsführer Karsten Wilhelm. Schüler wie die 16-jährige Maxi lassen sich da nicht lange bitten. "Ich engagiere mich gern", erzählt die Grünhainerin, die die Moderation übernommen hat. Weil sie hobbymäßig Poetry Slam macht, also Texte verfasst und live vorträgt, hat sie für das Fest auch zwei Gedichte geschrieben. In einem nimmt sie das Dauerstarren auf Smartphones kritisch in den Blick. "Denn wir haben selber Liebe, die uns auch ohne Handy bliebe", reimt sie. "Es stört mich, wenn ichmich mit Freunden treffe, und die Hälfte ist die ganze Zeit nur am Nachrichten schreiben und Fotos schauen", so Maxi. Sie selber hat schon sechs Monate ganz aufs Handy verzichtet. "Und ich habe es überlebt!" Darum fordert sie in ihrem Gedicht soagr: "Schaltet das blöde Teil jetzt aus."

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