Kein Konzert zum Aufbrezeln

Der Mitsing-"Singalong" mit Bachs Weihnachts-Oratorium folgt ordnenden Regeln. Der Tenor Christoph Pfaller trat erstmals in Schneeberg auf.

SCHNEEBERG.

Einen "Singalong" gibt's in vielen Citys wie Dortmund, Hamburg und - Schneeberg. In der hiesigen Hospitalkirche startete dieses Weihnachts-Event am Samstag seit 2015 zum zweiten Mal. Damals misslang der Einstieg in den Einleitungschor "Jauchzet, frohlocket", und es wurde fröhlich neu angestimmt. Diesmal gab es keine Panne, das aufrauschende klingende Portal erfüllte mächtig das Kirchenschiff.

Kantor Alexander Ploß bedauerte, zum Publikum gewandt, dass man vorher nicht mit den zahlreichen Sängern in den Kirchenbänken proben konnte. Keiner brauche Angst zu haben: "Schauen Sie immer zum Dirigenten!"

Zu hören waren die drei ersten Kantaten des Weihnachts-Oratoriums BWV 248, für Solisten, gemischten Chor und Orchester. Kantorei und Collegium Musicum St. Wolfgang und Mitglieder des Collegiums Instrumentale Chemnitz wurde vom Schneeberger Kantor durch das prächtige Werk geführt.

Essen und Trinken sei in den Kirchenbänken nicht gestattet, heißt es in den Schneeberger "Singalong"-Regeln. Es sei kein gewöhnliches Konzert, sondern ein gemeinsames Musizieren. Die Stimmgruppen waren ausgeschildert, Nichtmitsinger wurden ins hintere Kirchenschiff gebeten und auf die Empore. Aufbrezeln, also Konzertkleidung, sei nicht erforderlich. Soweit zu erkennen war, hatte tatsächlich keiner Bratwurst mit Senf und Bier mitgebracht. Obwohl eine solche Schmauserei doch eine Idee wäre zum Anlocken neuen Publikums. "Schmausalong"- darüber müsste man mal nachdenken.

Durch das Oratorium führt singend erzählend ein Evangelist. Der junge Dresdner Tenor Christoph Pfaller hatte diese Rolle übernommen. Der Künstler trat erstmals in Schneeberg auf. Seine leuchtkräftige lyrische Stimme lässt sich mit der des legendären Schweizer Tenors und Bach-Interpreten Ernst Haefliger (1919-2007) vergleichen. Christoph Pfaller meisterte die heikle Arie "Frohe Hirten, eilt, ach eilet" mit ihren Koloraturen mit Bravour.

Zu den Prunkstücken des Abends gehörte die Arie "Schlafe mein Liebster, genieße der Ruh". Marlen Herzog sang das herrlich. Markus Kühnlein, Bass, von Trompetenschall umschmettert, trat mit der Arie "Großer Herr und starker König" auf. Christiane Wiese, Sopran, und Markus Kühnlein fanden beim Zwiegesang "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen" fanden ausdrucksstark zusammen.Die Chöre sangen ergreifend die einzigartigen Choräle. Den Schlusschor "Herrscher des Himmels, erhöre das lallen, lass dir die matten Gesänge gefallen", hätte der Herr nicht als matt abgetan.

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