Klare Worte in Debatte über die Pflege

Immer mehr Menschen im hohen Lebensalter bedürfen fremder Hilfe. Die Pflegebedürftigkeit nimmt zu. Schon jetzt sind die Kosten sehr hoch - und werden weiter steigen.

Langenberg.

Die Zahlen, die Hilde Mattheis nennt, sprechen für sich: "Seit Einführung der Pflegeversicherung ist die Zahl der Pflegebedürftigen kontinuierlich gestiegen. 2010 waren es 2,42 Millionen Menschen", sagt sie. "Für 2030 werden 3,28 Millionen und für 2050 4,37 Millionen Pflegebedürftige prognostiziert. Dieser steigenden Zahl steht aber der Mangel an Pflegekräften gegenüber. Bis 2025 wird dieser auf mehr als 150.000 Pflegekräfte geschätzt."

Diese Zahlen beruhen auf statistischen Erhebungen. Mattheis ist Bundestagsabgeordnete der SPD und weilte auf Einladung von Simone Land in dieser Woche im Erzgebirge. Bei einer öffentlichen Debatte im Alterswohnsitz "Gut Förstel" stand die Finanzierbarkeit der Pflege im Mittelpunkt. Konkret ging es dabei auch um den Eigenanteil, den Angehörige aufzubringen haben. Nahezu zeitgleich hat das Bundeskabinett am Mittwoch in Berlin beschlossen, dass Angehörige von pflegebedürftigen künftig seltener zur Kasse gebeten werden. Bislang ist die Rede davon, dass mit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz die Kinder von Pflegebedürftigen nur noch zur Mitfinanzierung herangezogen werden, wenn sie mehr als 100.000 Euro brutto pro Jahr verdienen. Damit kann ein Großteil der Angehörigen im Erzgebirge aufatmen. Ob das neue Gesetz jedoch den Ehemann einer pflegebedürftigen Frau, die im Gut Förstel betreut wird, davor bewahrt, sein kleines Wohnhaus verkaufen zu müssen, um den Eigenanteil an der Pflege seiner Frau bezahlen zu können, ist bislang offen. "Es kann doch nicht sein, dass wir ein Leben lang gearbeitet haben, und nun zum Sozialfall werden", hatte sich der Rentner am Dienstag in der Runde der Politiker zu Wort gemeldet. Zu diesen Zeitpunkt lautete die Antwort: "Bislang ist das so!"


Die SPD-Frau vom Bund sparte nicht mit Kritik am Koalitionspartner CDU, der das bereits im Februar 2017 von den Sozialdemokraten eingereichte Positionspapier zur Pflege negiere. Darin ist die Rede von einer Bürgerversicherung und einer Vollversicherung für die Pflege. Das Verständnis der Menschen für einen solchen Schritt, angesichts des sich immer deutlicher offenbarenden Pflegedilemmas, sei vorhanden, so Mattheis. Zudem müsse der Pflegeberuf attraktiver werden. Beispielsweise durch die Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, so die Sozialdemokratin. Unstrittig sei, dass die Kosten für die Pflege weiter steigen. Und an die Adresse von Bürgermeister Frank Tröger (Freie Wähler) richtete sie: "Das wird auch eine Herausforderung für die Kommunen."

Heimleiter Michael Eisenberg, als Gastgeber für die Runde, erinnerte an die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995: "Damals hieß es, dass die Kosten für die Behandlungspflege nach einer Übergangszeit dann auf die Krankenkassen umgelegt werden. Das ist bis heute nicht passiert. Würde aber die Kosten pro Platz im Durchschnitt zwischen 300 oder 400 Euro senken."

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