Kreative Köpfe schätzen das Erzgebirge

Vorstand Eric Krzeminski freut sich über zunehmenden Zuspruch für noch jungen Branchenverband und wünscht sich mehr lokales Vertrauen

Annaberg-Buchholz.

Die Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft erwirtschaften in Sachsen jährlich Umsätze von etwa 3,35 Milliarden Euro und stellen damit einen nicht zu unterschätzenden Wirtschaftsfaktor dar - auch im Erzgebirge. Hier bemüht sich ein vergleichsweise noch junger Verband, mehr Aufmerksamkeit für die Branche zu gewinnen. Antje Flath hat mit Vorstand Eric Krzeminski über die Kreativität im Erzgebirge gesprochen.

"Freie Presse": Ist das Erzgebirge eine kreative Region?


Eric Krzeminski: Durchaus. Deshalb hat ja vor sieben Jahren bereits die Wirtschaftsförderung Erzgebirge auch die Initiative ergriffen, um die regionalen Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft im Erzgebirge an einen Tisch zu bringen. Daraus ist schließlich 2015 der Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft im Erzgebirge entstanden. Womit wir - zugegebenermaßen etwas später als in Dresden, Leipzig und Chemnitz - einem sachsenweiten Trend folgen.

Dennoch ist der Verband noch längst nicht überall bekannt im Erzgebirge?

Nachdem uns in den ersten Jahren die Wirtschaftsförderung unterstützt hat, wollen wir uns jetzt mehr und mehr selbstständig entwickeln. Das heißt vor allem auch, dass wir nach der intensiven Netzwerkarbeit in den zurückliegenden Jahren sichtbarer werden wollen. Dazu planen wir Ende dieses Jahres beziehungsweise Anfang des nächsten Jahres zum Beispiel vier größere Veranstaltungen, mit denen wir auf uns aufmerksam machen wollen. Parallel dazu wollen wir natürlich weiterhin graswurzelartig im Erzgebirge wachsen. Was auch schon ganz gut gelingt. So ist die Anzahl unserer Mitglieder bereits von anfangs 19 auf nun 25 gewachsen. Aber da ist natürlich auch noch etwas Luft nach oben.

Darunter sind auch einige, die es aus den großen sächsischen Städten wieder ins Ländliche gezogen hat - so wie Sie auch. Ebenfalls ein Trend?

Ich habe schon das Gefühl, dass sich der Trend, in die großen Städte zu ziehen, wieder etwas abkühlen wird. Gerade im Zuge der zunehmenden Digitalisierung unserer Arbeitswelt wird sich das noch verstärken. Und in diesem Prozess kann das Erzgebirge ja durchaus punkten. Auch wir als Familie haben uns mit unseren drei Kindern bewusst für eine Rückkehr in die Heimat meiner Frau entschieden, weil es uns hier an nichts fehlt. Wir haben problemlos Kindergarten- und Schulplätze gefunden, haben schnelles Internet, und auch die kulturellen Angebote sind da. Als einen großen Vorteil der Region sehe ich zudem eine funktionierende Wirtschaft. Auch wenn sie vor großen Herausforderungen steht, wie beispielsweise der Umstellung des klassischen Automobilbaus auf die Elektromobilität. Das wiederum bietet der Kreativwirtschaft als Begleiter und Ideengeber ein breites Betätigungsfeld.

Auch die Stadt Annaberg-Buchholz steht unter anderem mit ihrem zukunftsweisenden Bahnprojekt vor ganz neuen Herausforderungen. Und doch scheint das Potenzial der kreativen Köpfe vor Ort oder um die Ecke noch nicht überall gesehen zu werden?

Das ist ein Phänomen, was viele unserer Mitglieder bewegt. Statt ins Erzgebirge wird vielfach erst einmal nach außen geschaut. Da wünschen wir als Verband uns mehr Mut und vor allem mehr Vertrauen in die Fähigkeiten der heimischen Kreativarbeiter - sowohl von den Unternehmern der Region, als auch von den Kommunalpolitikern. Dabei ist nicht das Ziel, den Kunden fertige Lösungen zu verkaufen. Vielmehr wollen wir uns mit ihnen auf eine Reise begeben und gemeinsam ein Ziel verfolgen. Ich persönlich habe mit diesem Weg gute Erfahrungen gemacht und treffe zunehmend Unternehmer, die diesen Weg auch mitgehen. Einen Weg der kleinen Schritte, der immer wieder die Möglichkeit zum Nachjustieren bietet. Und somit auch ein Weg der kleinen Budgets, die letztlich zu großen Lösungen führen können. Das schafft Sicherheit in unsicheren Zeiten. Übrigens list das ängst keine Erfindung der Neuzeit, sondern wird vielmehr in der Softwareentwicklung schon seit den 1980er-Jahren praktiziert.

Da wird aber noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein?

Dessen sind wird uns bewusst. Deshalb suchen wir auch vermehrt das Gespräch mit den Bürgermeistern beispielsweise, so wie jüngst in Schneeberg. Hier sprachen wir Anfang des Jahres mit Vertretern der Stadt, der Fakultät Angewandte Kunst der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Kreatives Sachsen über die Schaffung von Raum, in dem Studenten und Kreativarbeiter zusammenfinden können. Diese Woche sitzen wir mit dem Lenkungskreis Stadtmarketing in Schwarzenberg zusammen, um unser Netzwerk vorzustellen. Im frisch sanierten Herrenhof Erlahammer beziehen gerade vier unserer Verbandsmitglieder ihre neuen Räume. Das ist ein Erfolg unserer Netzwerkarbeit. Vielleicht entwickelt sich dort im Laufe der Zeit ein kleines Kreativzentrum.

Vielleicht sollten Sie alle Verantwortlichen mit einer Werkzeugkiste überzeugen?

Die haben Haike Haueis und Claudia Hartenberg in ihrer Agentur in Warmbad zusammen mit der Wirtschaftsförderung für die Schulabgänger entwickelt, damit sie in der Fremde die Heimat nicht vergessen. Und mittlerweile gehen davon jedes Jahr 800 Stück mit auf Reisen.

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