Krenz und Gauweiler debattieren mit Respekt

Videostream statt Runde in Schneeberg - Um die 50 Zuschauer live dabei

Aue/Schwarzenberg.

Wenn ein ehemaliger bayrischer Staatsminister von der CSU und der letzte Staatsratsvorsitzende der DDR miteinander über das Thema "30 Jahre deutsche Einheit - Was ist von der DDR übrig geblieben?" diskutieren, sind Differenzen zu erwarten. So war es auch, als Peter Gauweiler (71) und Egon Krenz (83) am Mittwochabend im Livestream Fragen von Frank Richter, Theologe und Bürgerrechtler, zum Thema gestellt bekamen. Die beiden älteren Herren begegneten sich mit Respekt - "ein Beispiel dafür, dass das auch unter politischen Gegnern geht", zog Richter am Tag danach sein Fazit.

Eigentlich hätte die Gesprächsrunde am Mittwochabend in der "Goldnen Sonne" in Schneeberg auf Einladung der Körner-Gesellschaft Bockau stattfinden sollen. Nachdem das Erzgebirge als Risikogebiet deklariert worden war, wurde die Veranstaltung abgesagt und stattdessen der Livestream organisiert. Die technischen Voraussetzungen wurden in einem Dresdner Studio geschaffen, Gauweiler war aus München zugeschaltet, Krenz aus Gierhagen an der Ostsee. Richter bezeichnete das als innerdeutsches Dreieck, er hoffe, es möge kein politisches Bermuda-Dreieck werden. Gauweiler sagte darauf, dass man wieder mehr miteinander reden müsse, erst recht wenn man verschiedener Meinung sei. Er lobte Krenz ausdrücklich für seine Anweisung an die bewaffneten Organe der DDR im November 1989, angesichts der Massendemonstrationen von der Schusswaffe keinen Gebrauch zu machen. Überhaupt waren sich die Gesprächsteilnehmer und der Moderator einig darin, dass als am wichtigsten festzuhalten sei, dass vor 30 Jahren ein friedlicher Übergang möglich war. "Das war die Leistung vieler, auch von Herrn Krenz", so Richter.

Zwischen 37 und 58 Zuschauer verfolgten den Livestream am Mittwochabend. Um die 180 Nutzer wurden bis gestern Mittag gezählt. Das Gespräch ist auf Youtube weiterhin zu sehen. Richter bietet an, dass Fragen zur Gesprächsrunde per E-Mail an frankrichtermeissen@ gmail.com gerichtet werden können. "Ich leite sie auch gern an die Herren Gauweiler und Krenz weiter", so Richter. (ike)www.freiepresse.de/krenz

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