Kristall des Erzgebirges soll funkeln

Investitionen in die Schulen, Kindertagesstätten und Ortsfeuerwehren im großen Gemeindegebiet von Breitenbrunn stehen auf der Habenseite seit 2014. Doch gibt es auch Sorgenfalten - so durch den großen Sanierungsstau bei Straßen.

Breitenbrunn.

Als Kristall des Erzgebirges wirbt die Großgemeinde Breitenbrunn für sich. Dass der Kristall funkelt und alle Ortsteile daran Anteil haben, stellte in den vergangenen fünf Jahren enorme Anforderungen an Verwaltung, Gemeinde- und Ortschaftsräte - so fasst Bürgermeister Ralf Fischer (CDU) die zu Ende gehende Wahlperiode zusammen. Vorhaben seien teilweise auch sehr kritisch diskutiert worden, aber wenn es einen Beschluss gab, standen die Räte dann auch dazu. "So haben wir in einem ausgesprochen ländlichen Raum die Daseinsfürsorge sichergestellt", erklärt Fischer und nennt als ein Beispiel die Investitionen in die drei Schulen, vier Kindertagesstätten plus Hort sowie fünf Ortsfeuerwehren. "Das Zusammenwachsen, den Zusammenhalt der Ortsteile zu fördern, dabei deren Stärken beizubehalten, ist täglich Anspruch und Herausforderung."

Damit das Dorfleben in all seinen Eigen- und Besonderheiten weiter funktioniert, sind viele engagierte Leute erforderlich. "Wir erleben gerade einen Generationswechsel bei den Ehrenamtlichen", sagt Fischer. "Die 30- bis 40-Jährigen übernehmen immer mehr Verantwortung." So etwas stimme optimistisch.


Gesundheit, Bildung, Sport und Touristik sind in Breitenbrunn auch mit wirtschaftlichen Aspekten verknüpft. Darum arbeitet die Gemeinde mit Berufsakademie, Kliniken Erlabrunn und Sportpark Rabenberg eng zusammen. "Das sind gute Partner, nicht nur als Arbeitgeber wichtig", betont der Gemeindechef. "Wir können da auch auf Handwerker und mittelständische Betriebe bauen. Und im Sozialbereich haben wir ebenfalls starke Partner, die nicht zuletzt eine Trägervielfalt in der Betreuung von Senioren absichern."

Als kommunale Investition, unterstützt mit EU-Fördermitteln, ragt in den Jahren seit 2014 in Breitenbrunn das Feuerwehrdepot heraus. 1,7 Millionen Euro flossen in den Neubau des Gerätehauses, das als ortsfeste Befehlsstelle auch anderen Ortswehren zugute kommt und zur noch besseren grenzübergreifenden Gefahrenabwehr in der Region Zentrales Erzgebirge beiträgt. Die neu gestaltete Ortsmitte in Antonsthal, Bauarbeiten in der Erlabrunner Kita, das Sanieren des Rittersgrüner Eisenbahnmuseums und der barrierefreie Zugang zum Dorfhaus Tellerhäuser sind weitere Beispiele für Investitionen in der Wahlperiode.

Doch es gibt natürlich auch Bereiche, in denen der Schuh drückt. "Auf unseren gut 60 Kilometer kommunalen Straßen und Wegen haben wir einen enormen Reparatur- und Sanierungsstau", räumt der Bürgermeister ein. Obwohl Breitenbrunns Gemeindeverwaltung als sehr agil beim Suchen, Finden und Anzapfen von Fördertöpfen gilt, reifen trotzdem nicht alle Blütenträume, gerade bei freiwilligen Aufgaben. "Einige Freizeit- und Sportanlagen müssten dringend saniert werden", so Fischer. "Um das angehen zu können, hoffen wir auf eine höhere Förderquote als zum jetzigen Zeitpunkt." Ein weiterer Wunsch betrifft den alsbaldigen Ausbau der Breitbandversorgung, um in sogenannten weißen Flecken schnelles Internet zu ermöglichen. "Die Gemeinde hat zu diesem Vorhaben ihre Hausaufgaben gemacht."

Alles kommt vom Bergwerk her, den Spruch kennt man auch in Breitenbrunn. Das weitreichende Thema ist Fluch und Segen zugleich. Daher schauen die Räte aus einer vom Wismut-Bergbau geprägten Region, in der Firmen wie SME und Saxore neues Berggeschrey auslösen wollen und dabei auch Breitenbrunner Gebiet tangieren, genau hin, was zum Beispiel in der Lausitz staatlicherseits an Bergbausanierung und Aufbau wirtschaftlicher Leuchttürme passiert. Es kann sein, dass sich dazu der Kristall des Erzgebirges mal unmissverständlich zu Wort meldet.


Zahlen und Fakten

Breitenbrunn besteht aus den Ortsteilen Antonsthal mit Antonshöhe, Breitenbrunn, Erlabrunn mit Steinheidel, Rittersgrün und Tellerhäuser.

Die Gesamtfläche der Kommune, die sich in Höhenlagen von etwa 480 bis 921 Metern über dem Meer erstreckt, beträgt 60 Quadratkilometer.

5267 Einwohner hatte Breitenbrunn Ende des Jahres 2018.

Partnerorte sind Nova Role (Tschechien), Nattheim und Münstertal.


Was sich Bürger wünschen

Werner Böhm (53) aus Breitenbrunn: "Die Gemeinderäte sollten sich dafür stark machen, dass Kinderbetreuung und -mittagessen sowie Schülerverkehr kostengünstig oder kostenlos sind." Zudem sollte man stärker auf Werterhaltung setzen. "Nicht nur neu bauen, auch sanieren." Das gelte auch für Grünflächen. Als Sportfan hofft Böhm auf den Bau eines Kunstrasenplatzes. "In unseren Höhenlagen ist ein Rasenplatz nach heutigen Gesichtspunkten in niedrigen Spielklassen kaum noch sinnvoll."


Ute Strebe (56) aus Antonsthal hofft, dass die Straßen in ihrem Ortsteil auf Vordermann gebracht werden. "Ich wohne seit 27 Jahren am Gartenweg. Da ist seither nichts gemacht worden. Bei uns fährt auch kein Winterdienst, kein Postfahrzeug." Zudem sieht sie, dass einige Häuser in schlechtem Zustand sind und leer stehen. Tragisch für den Ort sei, dass der Einkaufsmarkt zu ist. Leider gebe es dafür keinen Interessenten. Gut findet Ute Strebe, dass sich Firmen in Antonsthal angesiedelt haben, dass es einen Bäcker und einen Arzt gibt.


Martin Klier (34) aus Rittersgrün wünscht sich vom neuen Gemeinderat, die Zusammenarbeit der Ortsteile voranzutreiben. "Derzeit habe ich den Eindruck, dass es zwischen den Räten aus den Ortsteilen bissel Konkurrenzdenken gibt." Weil der 34-Jährige zur Interessengemeinschaft Freibad Rittersgrün gehört, hofft er, dass die Unterstützung auch künftig funktioniert. "Es wäre schön, wenn sich die Gemeinderäte für den Erhalt einsetzen." Als Kommune mit wenig Industrie sollte sich Breitenbrunn verstärkt auf den Tourismus konzentrieren. (klin)


Diese Kandidaten treten an

Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU): Michael Opp, Monika Donath, Stefan Lorenz, Heidrun Ballmann, Knut Scheiter, Gunar Escher, Christian Fritzsch, Thomas Etzold, Renate Dörffel, Kirsten Riedel, Bianca Göstel, Stephan Zothe, Frank Leischker, René Buschmann, Olaf Uloth, Holger Ullmann.

Wir in Rittersgrün, Freie Wählergemeinschaft (WIR): Thomas Welter, Gunter Kunzmann, Andreas Gruner, Christian Neubert, Frank Leischker, Sven Bleyl, Wolfgang Kühn, Filip Blumenthal, Christian Donath, Dietmar Ott, Arnfried Schneider, Berthold Viehweg, Laila Welter, Veronika Zeise.

Die Linke (Die Linke): Anke Leischker.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD): André Lang, André Wagner, Katja Wagner, Rainer Fischer, Simone Lang.

Bündnis 90/Die Grünen (Grüne): Ulrike Edeltraud Kahl, Swetlana Fröhlich, Nicole Lauckner.

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