Laut und lecker: Die Marktschreier sind da

Käse-Maxx und Naschkram-Ben übertönen sich seit gestern gegenseitig auf dem Auer Altmarkt. Dabei brauchen Besucher manchmal ein dickes Fell.

Aue.

Das reicht. Schon nach Käse-Maxx und Wurst-Achim beendete Dietrich Meyer aus Rittersgrün den Ausflug mit seiner Frau zu den Marktschreiern auf dem Auer Altmarkt. Schwer hatte er an den Tüten zu tragen. Drei Kilogramm Wurst in der einen und reichlich ein Kilo Käse in der anderen - mehr als der übliche Wochenendeinkauf.

"Die Wurst reicht bestimmt 14Tage, ist ja Dauerwurst, die wird nicht schlecht", sagt Monika Meyer. Außerdem denkt sie an ihre große Familie mit drei Kindern, sieben Enkeln und zwei Urenkeln. "Da darf jeder mal probieren", sagte sie. Zum ersten Mal erlebte das Ehepaar aus Rittersgrün die Marktschreier. "Wir hatten in der Zeitung davon gelesen, das muss man doch mal erlebt haben", sagt die 70-jährige Frau. So richtig in Fahrt kam das Auer Publikum aber nicht. Auf dem Platz hatten sich zwar einige Leute versammelt und warteten schon darauf, dass die Marktschreier loslegten. Das machte zunächst nur Wurst-Achim, der immer wieder das zögerliche Publikum ansprach. Um die Stimmung anzuheizen, brachte er einen Spruch nach dem anderen und bezeichnete auch gleich mal seine Nachbarn als "Blödmann" oder "Krümelmonster". "Wir wollen die Leute unterhalten", sagte Achim Pfaff aus Duisburg, alias Wurst-Achim. "Wenn ich den Spaß an meiner Arbeit nicht hätte, hätte ich wohl kaum die 30 Jahre überstanden." Um die 60.000 Kilometer Fahrstrecke absolviert der 58-Jährige im Jahr, weil die Marktschreier in ganz Deutschland unterwegs sind. In der gestrigen Zusammensetzung waren sie das erste Mal in Aue zu Gast. Wurst-Achim war hier jedoch schon mal vor 20 Jahren. "Mit der alten Garde, da sind schon viele gestorben oder ausgestiegen", erzählt er. Nicht so gut fand er, dass die Marktschreier erst aufbauen konnten, nachdem der Wochenmarkt abgebaut war.

Nachdem sie schon eine Tüte mit Käse erstanden hatten, überlegten Monika und Dietrich Meyer, ob sie auch noch den Wagen von Wurst-Achim ansteuern. "Für 15 oder 20 Euro?", tönte es da schon von dort herunter. So schnell wie Dietrich Meyer "20 Euro" sagte, konnte seine Frau gar nicht einschreiten. Ihr leises "15 Euro" hätte die Stimme des amtierenden deutschen Meisters der Marktschreier nicht übertönt.

Einen anzüglichen Spruch musste sich der Ehemann auch noch gefallen lassen. "Den kenn' ich doch - aus Chemnitz, da sehen wir uns zweimal die Woche im Swingerclub. Darf die Frau nur nicht wissen", tönte es für alle hörbar über den Platz.

Die angekündigten Nudel-Dieter, Gewürze-Uwe, Matjes-Martin und der holländische Blumenkönig fehlten gestern. Ob sie noch kommen? Wer heute und morgen, jeweils ab 10 Uhr auf den Auer Altmarkt vorbeischaut, wird es rausfinden.


Die besten Marktschreier-Sprüche

"Einfach rankommen, ich beiße nicht." (Naschkram-Ben)

"Da musst du schleppen, bis die Strapse reißen." (Wurst-Achim)

"Wenn ihr Fisch habt, habt ihr alles, was ihr braucht." (Aal-Ole)

"Ich bin hier bergauf, bergab gefahren, mir ist jetzt noch schwindlig. Das kenne ich von mir zuhause nicht." (Naschkram-Ben)

"Euer Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer." (Wurst-Achim)

"Ich kriege euer Geld sowieso, ist nur eine Frage der Zeit ..." (Käse-Maxx)

"Hier und heute macht ihr fette Beute." (Wurst-Achim)

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