Lichtblick für Schwangere: Hebammen-Team komplettiert

Seit Jahresbeginn haben sie zur bewährten Stärke zurückgefunden, denn die Schwarzenberger Praxis bekam Nachwuchs. Zwei junge Fachfrauen reden über die Unterschiede zwischen großer Uni-Klinik und kleinem Kreißsaal.

Schwarzenberg/Erlabrunn.

Neun in Teilzeit angestellte Hebammen sind derzeit im Kreißsaal der Kliniken Erlabrunn tätig. Im Vergleich zu anderen großen Kliniken in Deutschland ist das purer Luxus. So mussten zum Beispiel Kliniken in Schweinfurt und Eichstätt sowie zwei Kliniken in Bayern über die Weihnachtsfeiertage ihre Kreißsäle schließen, weil es immer weniger Hebammen gibt.

Im Erzgebirge besteht dieser Mangel an den Fachfrauen für Geburtshilfe nicht. Ganz im Gegenteil. Mit Fränzi Röthel und Julia Thierfelder verstärken seit Jahresbeginn nun wieder zwei junge Hebammen das Team der Hebammen-Praxis "Lichtblick". Diese hat ihr Domizil im Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe. Dort laufen die diversen Kursangebote - von der Geburtsvorbereitung über Aquafitness, Rückbildung, Krabbel- und Stilltreff bis hin zu Tipps für die richtige Ernährung des Babys.

Bereits 1992 haben die Kliniken Erlabrunn dieses Splitting favorisiert, was sich bis heute als gangbarer Weg für alle Beteiligten erwiesen hat. Die Hebammen sind nämlich "nebenberuflich freiberuflich" tätig. Was zunächst verwirrend klingt, ist eigentlich ganz einfach: Die Hebammen sind in Teilzeit in den Kliniken Erlabrunn angestellt und sichern auf dieser Basis ab, dass immer eine Hebamme im Kreißsaal anwesend ist - rund um die Uhr, an Sonn- und Feiertagen - und eine in Rufbereitschaft. So sei eine Eins-zu-Eins-Betreuung möglich. Und nur im Kreißsaal werden sie auch als Geburtshelferinnen tätig, Ärzte stehen nur im Hintergrund in Bereitschaft. "Alles andere, was Geburtsvorbereitung und Nachsorge angeht, läuft über unsere freiberufliche Schiene der Hebammenpraxis", sagt Heike Ballmann. Sie, Kathrin Rothe, Verena Jäckel und Katrin Grimm gehören von Anfang an zum "Stammteam" der Hebammenpraxis. Sie haben schon Hunderten Babys auf die Welt geholfen und sind selbst Mütter.

"Anfang der 1990er-Jahre haben sich viele Krankenhäuser von ihren angestellten Hebammen getrennt. Die dann frei niedergelassenen Hebammen haben als Beleghebammen ihre Frauen zur Entbindung im Krankenhaus betreut. Heute sind wir froh, dass wir diesen Weg nicht gegangen sind und nach wie vor unsere ,eigenen' Hebammen haben. Wir haben so einen guten Kompromiss gefunden und sind sehr glücklich mit dieser Lösung", sagt Heidrun Ballmann, Geschäftsführerin der Kliniken Erlabrunn.

Der "Nachwuchs", den das Hebammen-Team jetzt für die Praxis in Schwarzenberg begeistern konnte, das sind zwei junge Frauen, die aus dem Erzgebirge stammen. Sie haben in Großstädten ihre Ausbildung zur Hebamme absolviert und an großen Uni-Kliniken gearbeitet. Fränzi Röthel ist 29 Jahre und wohnt in Rittersgrün. Sie hat in Halle gelernt, wollte dann aber zurück in die Heimat und kann sich noch genau an ihren ersten Arbeitstag, sprich die erste Geburt, in Erlabrunn erinnern: "Es war eine Wannengeburt. Das hatte ich bis dato noch nicht miterlebt. Heike war mit da. Ich war innerlich so nervös, und sie hat eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit ausgestrahlt. Und ich stand da mit meiner Geburtsschüssel, so wie wir es gelernt hatten, und sie hat mich angelächelt und gesagt: Stell die weg! Die Entbindung war am Ende so locker und entspannt, da wusste ich, hier bin ich richtig."

Ähnliches berichtet Julia Thierfelder aus Schwarzenberg. Sie hat ihre Ausbildung an der Uni-Klinik in Dresden absolviert. "Wir haben viel gelernt, viel gesehen, sind fachlich wirklich fit. Aber dort sind eben die Abläufe sehr klinisch, sehr uniform, im Gegensatz zu hier. Fachlich ist es hier genauso topp, aber eben entspannt, familiär, gar nicht wie in einem Krankenhaus", sagt die 29-Jährige. Beide haben sich daher bewusst entschieden, genau so zu arbeiten, wie es die vier gestandenen Hebammen seit Jahren tun. "Wir haben uns schon so viel von ihnen abgeguckt", sagt Röthel. Und beide sind übrigens ebenfalls selbst schon Mutter.

Das Credo des Teams haben sie längst verinnerlicht: "Eine natürlich Geburt ist das Beste für Mutter und Kind." Das Erlebnis einer Geburt sei durch nichts zu ersetzen, ebenso wie die Stärkung des Immunsystems für das Kind, die es durch die natürliche Geburt mit auf den Weg bekommt. "Wir versuchen daher in unseren Kursen, die Frauen für eine natürliche Geburt zu gewinnen. Ihr Selbstbewusstsein in die eigene Gebärfähigkeit zu stärken", bringt es Heike Ballmann auf den Punkt. Junge Frauen ließen sich heutzutage leider viel zu schnell verunsichern.

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