Mitte Oktober beginnt Erkundung der Lagerstätte Pöhla

Die Schachtbaustelle stößt auf großes Interesse. Beim Tag der offenen Tür gab es aber auch kritische Töne.

Pöhla.

Dass das Interesse am neuen Berggeschrei in Pöhla groß ist, zeigte sich allein daran, dass am Samstag bereits zum Auftakt des Tags der offenen Tür deutlich mehr als 100 Besucher anwesend waren. Erstmals war es Interessenten gestattet, einen Blick hinter den Bauzaun zu werfen, der sonst die Schachtbaustelle absichert.

"Wir haben immer wieder gemerkt, dass es ein großes Interesse an dem gibt, was wir machen", sagte Klaus Grund, Vorstand für Bergbau und Technologie bei der Saxony Minerals & Exploration (SME) AG. "Zwar kann man von draußen durchaus auf unsere Baustelle schauen, aber betreten darf man sie normalerweise nicht."

Für den Tag der offenen Tür musste die AG eine Ausnahmegenehmigung beim sächsischen Oberbergamt beantragen. "Sonst herrscht beispielsweise Helmpflicht auf dem Gelände", so Grund. Gearbeitet werde von Montag 6 Uhr bis Samstag 6 Uhr im Drei-Schicht-Betrieb. Seit dem ersten Spatenstich im Dezember 2016 ist im und am Erkundungsschacht viel passiert. Nur noch rund 40 Meter fehlen, bis man 175 Meter in der Teufe sei. Mitte Oktober wolle man im Erz stehen. Dann erst beginne die eigentliche Erkundung nach Zinn, Wolfram und Indium.

Mehrfach betonte Grund, dass es seit 1946 das erste Bergwerk ist, das auf der grünen Wiese in Betrieb genommen wird. "Wir haben in jedem Bereich bei Null angefangen, auch bei den Mitarbeitern." Mittlerweile arbeiten 22 Leute auf der Baustelle. Darunter sind ausgebildete Bergleute, Handwerker und Tunnelbauer.

Einer davon ist Sebastian Kühne aus Antonshöhe. Er führte den Gästen nicht nur einen Bohrhammer vor, sondern zeigte seiner Frau Susanna und Sohn Samuel (7) auch seine Arbeitsstelle. "Es interessiert uns natürlich, wo er arbeitet", sagte seine Frau. Ihr sei durchaus bewusst, dass es ein nicht ungefährlicher Job ist. "Manchmal habe ich Angst um meinen Mann." Den Job bei der SME anzunehmen, sei eine Familienentscheidung gewesen, schließlich verdiene man dabei gutes Geld. Außerdem müsse ihr Mann jetzt nicht mehr pendeln, sondern nur wenige Kilometer bis zur Arbeit fahren.

"Unsere Mitarbeiter kommen generell aus der Region", sagte Klaus Grund. "Sie sind im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern zuhause." Wenn im Bergwerk später einmal abgebaut werde, sollen bis zu 150 Bergleute unter Tage aktiv sein.

Familie Korb und Ursula Donth nutzten als Anwohner ebenfalls die Möglichkeit, sich zu informieren. Sie haben mit der lauten Schachtbaustelle noch keinen Frieden geschlossen. Klaus Grund stand auch ihnen Rede und Antwort. Die erste Frage allerdings, die die Anwohner stellten, war die Frage nach dem verunglückten Bergmann, den Anfang Juli ein 800 Kilogramm schwerer Förderkorb am Kopf getroffen hatte.

Über den Gesundheitszustand dürfe er im Interesse der Familie des Verunglückten keine Auskünfte geben, so Grund. Zum Unfallhergang laufe ein Ermittlungsverfahren. Zudem verwies er darauf, dass die Vorschriften im Bergbau sehr hoch sind: "Wir werden ständigen Kontrollen unterzogen. Das gibt es in keinem anderen Bereich."

Die Ermittlungen zu dem schweren Bergwerksunfall in der Nacht zum 13. Juli sind noch immer nicht abgeschlossen. Das Oberbergamt ist mit weiteren Überprüfungen beauftragt worden. Alle damals Anwesenden seien befragt worden, sagte der Chemnitzer Oberstaatsanwalt Bernd Vogel. Einzig der schwer verletzte Bergmann habe noch nicht vernommen werden können.

Der Förderkorb wird auch zum Materialtransport genutzt und war zum Unglückszeitpunkt mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde nach unten unterwegs. Etwa 100 Meter unter der Oberfläche traf er den Bergmann, der auf einer Zwischenbühne stand und über Walkie-Talkie freie Fahrt für den Kübel signalisiert hatte. Oberstaatsanwalt Vogel hofft in den nächsten Tagen auf weitere Erkenntnisse zu den Unfallursachen. (mit gt)

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