Musik aus Zeiten politischen Widerstands

Mit der sinfonischen Dichtung "Finlandia" von Jean Sibelius und dessen zweiter Sinfonie eröffnete die Erzgebirgische Philharmonie die neue Spielzeit. Es gab begeisterten Beifall.

Aue.

Mit dem grell kraftgeballten Auftakt der sinfonischen Dichtung "Finlandia" op. 26 des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius (1865-1957) hat im Kulturhaus die neue Spielzeit der Erzgebirgischen Philharmonie begonnen. Orchesterchef Naoshi Takahashi hatte jugendlich-handfeste Verstärkung im Bühnenhintergrund: den neuen Schlagzeuger Lukas Grunert, der von nun an die Schlägel zupackend auf den Pauken tanzen lässt. Das bekam der sinfonischen Dichtung gut. Die Philharmoniker lieferten teils eine Brachialversion von "Finlandia" mit markig-wütend drohendem Blechbläser-Auftakt, einem breit hinströmenden Streicher-Choral, trompetenscharfer Kampfmusik und zuletzt einem herrlich aufleuchtenden Hymnus der Zuversicht.

Zum Hintergrund der widerständisch aufrüttelnden "Finlandia"-Musik muss man wissen, dass Finnland bis 1917 zum russischen Großfürstentum gehörte und nach Unabhängigkeit strebte. Dafür trat auch Sibelius ein. Mit seiner Musik hat er das kleine Finnland in aller Welt bekannt gemacht. Diese klingende Sinnbild "Finlandia" sollte an allen europäischen Schulen genauso zum Bildungs-Kanon gehören wie Beethovens Neunte.

Bei seinem Einführungsvortrag im kleinen Saal hatte Orchestermanager Michael Eccarius den Musiker Tobias Schmitt vorgestellt, den stellvertretenden Solo-Oboisten der Erzgebirgischen Philharmonie. Schmitt war der Solist im 1989 entstandenen "Konzert für Englischhorn und Orchester" des lettischen Komponisten Peteris Vasks. Tobias Schmitt berichtete von seinem Treffen mit dem Komponisten in Riga. Er gehe beim Komponieren vom Gesang aus, hatte ihm Vasks erzählt. In Lettland gebe es eine große Chortradition, dort sängen schon mal 100.000 Leute auf einem Feld gemeinsam. Tobias Schmitt spielte das Konzert, das leise wie das Zirpen von Mücken begann und auch so endete, mit lyrischer Ausdrucksstärke. Reichlich Schlagwerk von Xylophon bis Holzblock bildete den Untergrund auch des volkstümlichen Mittelsatzes, in dem der Solist seine Virtuosität unter Beweis stellte. Die Musik von Vasks hat wie die von Sibelius politischen Hintergrund. Der Christ, der erst mit 27 Jahren Komposition studieren durfte, sprach vom "Völkergefängnis Sowjetunion".

Mit der weiträumigen und vielgestaltigen Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43 von Sibelius kam der Höhepunkt des Konzertabends. Die Zuhörer hatten einiges an Lautstärke auszuhalten, besonders im Finale. Der Rezensent hielt sich die Ohren zu, aber auch dann war es noch laut. Der grandiosen Überhöhung des melodischen Flusses tat das zu Grelle nicht unbedingt gut, aber die Wirkung war trotzdem beträchtlich. Das Publikum klatschte begeistert Beifall. Der zweite Satz der Sinfonie hatte den Ohren bereits einiges abverlangt - mit seinen cholerischen Ausbrüchen, seinen bohrend drehenden Violinfiguren und dem tobsüchtigen Orchestergewühl.

Ein Hör-Tipp: Wer "Finlandia" in der bewegenden Großversion mit Chor erleben will, der höre bei Youtube "Sibelius - Finlandia op. 26 (Opening of the new Helsinki music hall).

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