Mystische Zwiegespräche im Gotteshaus

Der Saxophonist der Gruppe Keimzeit und der Organist der Margarethenkirche in Gotha haben am Samstag in Schneeberg die schwierige Akustik des Bergmannsdoms für räumliche Klangspiele genutzt.

Schneeberg.

Die Akustik der St. Wolfgangkirche in Schneeberg ist ein Problemfall. Die einen Künstler freuen sich, dass ihre Musik im mystisch hallenden Raum mächtig vergrößert wird, andere ärgern sich, dass verwickelte mehrstimmige Strukturen wie bei Bach undurchsichtig verwirbeln. Zwei auf verschiedenste Kirchenräume spezialisierte Musiker haben am Samstagabend beim 3. und abschließenden Konzert der Schneeberger Orgelmusikreihe versucht, diesen Umständen besondere Effekte abzugewinnen. Ralf Benschu, Saxophon, und Jens Goldhardt, Orgel, verzichteten auf allzu komplizierte Strukturen. Das zahlreiche Publikum bekam so in manchen Augenblicken Unerhörtes geboten. Bei der dreiteiligen Psalmen-Fantasie zu Beginn des Konzertes agierte der Saxophonist weit weg von der Orgel neben dem Taufbecken. Es hatte etwas unwirklich Aufstrebendes, wie der Klang des Saxophons unerwartet leuchtend über dem Orgelsingen bei der verinnerlichten Melodie aus dem 15. Jahrhundert "In dich hab ich gehoffet, Herr" aufleuchtete.

Martin Luthers Klage "Aus tiefster Not schrei ich zu dir" ähnelte im neuen Fantasie-Gewand der grandiosen sinfonischen Dichtung "Der Schwan von Tuonela" des Finnen Jean Sibelius (1865-1957). Dort symbolisiert das dem Klang des Saxophons nahe Englischhorn einen Schwan, der auf dem Fluss des Todes in erhabener Ruhe dahingleitet. Diesen ersten Teil des Konzertes schlossen die Künstler mit dem "Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all" von Melchior Vulpius aus dem Jahr 1609 ab, als silbrig glänzenden Festmusik.

"Augen Blicke" hatten die Künstler ihr Programm genannt, und dieses Kombinationsverfahren mit "Orgelsax" bezeichnet. Zum Thema ist eine CD erschienen. Jens Goldhardt ist Kantor der Margarethenkirche in Gotha und Kirchenmusikdirektor Ralf Benschu Saxophonist der Gruppe Keimzeit. Benschus Komposition "Vier Augenblicke" erklang zum Abschluss. Die dazu gehörende Fantasie "In Gedanken" war eine klassische schöne, glückselig schwebende Arien-Melodie, die Fantasie "Strandspaziergang" wurde dekorativ von einem kurzen Gewitter unterbrochen. Das Finale erinnerte an Gershwins schlagerhaft turbulente Schreibweise. Zwei angejazzten Zugaben folgte langer Beifall.

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