Nach der Arbeit in der Werkstatt geht's auf den Rasen

20 Männer jagen jeden Freitag in Schwarzenberg dem runden Leder nach. Das Team der Lebenshilfe macht es möglich, und setzt auf Sport als Ausgleich für die Mitarbeiter.

Schwarzenberg.

Während in Russland um den Weltmeister-Pokal gespielt wird, rollt trotz frühzeitigen Ausscheidens der deutschen Mannschaft auch hierzulande der Ball auf dem grünen Rasen weiter. Beispielsweise immer freitags auf dem Platz an der Ritter-Georg-Sportstätte.

Freude an Bewegung wecken und Spaß am Teamsport haben, das sind Ziele des Teams der Schwarzenberger Lebenshilfe, wenn sie freitags ihre Werkstatt-Schützlinge auf den Rasen locken - zum Fußballspielen. Das Freizeitangebot nutzen aktuell 20 Männer mit Behinderung. "Je nach Verfassung fördern und fordern wir sie auf dem Spielfeld", sagt Werkstattleiter Marcus Köppler und spielt den Ball sofort an Wolfgang Schmuck und André Seifert ab, die das Training mit den behinderten Kickern einmal pro Woche für je zwei Stunden betreuen und leiten.

Wolfgang Schmuck hat das Ganze seit 2006 nach und nach aufgebaut. Die Nachfrage gab seiner Idee recht. Immer mehr Schützlinge wollten dem runden Leder nachjagen. "Das können nicht nur gesunde Menschen", sagt Köppler und betont: "Die Wahrnehmung behinderter Menschen und ihrer Fähigkeiten sowie ihre Betreuung wandeln sich seit vielen Jahren." Man traue ihnen mehr zu, locke sie aus der Reserve und packe sie nicht mehr in Watte, damit sie sich möglichst nichts tun. "Das war leider lange so. Aber es tut sich viel. Daran müssen sich beide Seiten gewöhnen." So müsse man die Werkstattarbeiter freitags bisweilen zum Training motivieren. "Aber wenn nach und nach jeder mitzieht, wollen am Ende alle dabei sein." Der Erfolg gibt der Truppe Auftrieb. Sie ist aufgestiegen - von der Leistungsgruppe C in die B in einem Verbund, der regelmäßig Turniere austrägt. Dann geht es gegen Teams aus Annaberg, Chemnitz, Langenau und Marienberg. In diesem Jahr wurde es Rang 4 auf Kleinfeld mit sieben Kickern, inklusive Torwart.

Dabei komme es darauf an, keinen zu über- oder zu unterfordern. "Manche sind technisch gut drauf, während es für andere ein Erfolg ist, wenn sie halbwegs mithalten", so Schmuck. Die Kunst sei es, alle ins Team zu integrieren. Das klappt in Schwarzenberg super, heißt es. Sponsoren unterstützen das Freizeitangebot. Die Stadt stellt Platz und Halle auf dem Ritter-Georg-Sportareal bereit - so kann zu jeder Jahreszeit trainiert werden. "Struktur und Routine sind bekanntermaßen wichtig für unsere Schützlinge. Daher ist es toll, verlässliche Partner zu haben", sagt Köppler.

Die Werkstatt der Schwarzenberger Lebenshilfe zählt aktuell etwa 220 Beschäftigte. Da können nicht alle Fußball spielen. "Es gibt weitere Angebote einmal pro Woche." Das reiche vom Tischtennis übers Singen bis zum Laufen und Tanzen. Sport als Ausgleich zum Arbeitsalltag - da unterscheiden sich behinderte und nicht behinderte Menschen kaum: Jedem tut das gut, sofern es der Grad der Behinderung, je nach körperlicher Einschränkung, zulässt. "Davon sind wir überzeugt", sagt Köppler. Hoch ist die Konzentration beim Training, der Ehrgeiz spürbar. Das Wechselbad der Gefühle bei Sieg oder Niederlagen stärke die soziale Kompetenz. "Wir vereinen viele Betreuungsansätze in diesem Angebot. Deshalb ist es uns so wichtig."

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