Neu: Unabhängige Beratung für Menschen mit Pflegebedarf

Seit wenigen Wochen nimmt Kerstin Klöppel eine Aufgabe wahr, die ihr enorm wichtig erscheint: Sie hilft Betroffenen, die optimale Hilfeleistungen für sich zu finden. Eine Rolle, die sie erkämpft hat.

Schwarzenberg/Aue.

Es geht ihr um die Qualität der Pflege. Das sagt Kerstin Klöppel, die seit Juli dieses Jahres nun auch als unabhängige Beraterin für Pflegebedürftige arbeitet. Um diese Beratungsleistung anbieten zu können, habe sie gut zwei Jahre gekämpft, sagt die studierte Gerontologin. Diesen Job macht sie jedoch auf Basis einer Selbstständigkeit, um auch die notwendige Neutralität zu garantieren. "Bei der Arbeiterwohlfahrt bin ich weiterhin, aber nur in Teilzeit", erklärt sie.

"Als unabhängige Beraterin steht eben kein Dienstleister hinter mir. Ich bin niemandem verpflichtet. Ich schätzte vor Ort ein, was ist, und sage den Angehörigen, was noch möglich wäre, um wirklich eine optimale Pflege für den Betroffenen zu ermöglichen", umreißt die 35-Jährige das Anliegen dieser Form der Beratung. Diese finden stets in der Häuslichkeit der Betroffenen statt. "Das ist wichtig, um auch das Wohnumfeld richtig einzuschätzen", so Klöppel.

Menschen, denen ein Pflegegrad zugesprochen wurde (von 2 bis 5) müssen verpflichtend eine solche Beratung nachweisen, erklärt die Fachfrau. Bei den Pflegegraden 2 und 3 sollte dies halbjährlich, bei Pflegegrad 4 und 5 sogar vierteljährlich erfolgen. Bei Pflegegrad 1 sei eine Beratung auf freiwilliger Basis ebenso jederzeit möglich.

"Verpflichtend" hieße aber auch, dass all jene, die keinen Pflegedienst vertraglich gebunden haben - wo also die Angehörigen die Pflege schultern - diese turnusmäßigen Pflegeberatung vorweisen müssen. Sonst kann unter Umständen das Pflegegeld sogar gekürzt werden, weiß Klöppel. "Das ist etwas, was viele gar nicht wissen", fügt sie hinzu.

Die Einschätzung eines Außenstehenden, ob die Pflege gut und ausreichend sei, ist also besonders für pflegende Angehörige wichtig. Doch selbst dort - und auch daraus macht Kerstin Klöppel keinen Hehl - , wo ein Pflegedienst tätig ist, sei eine solche unabhängige Beratung wichtig und möglich. "Auch wer durch einen Pflegedienst betreut wird, hat Anspruch auf eine unabhängige Beratung", betont die 35-Jährige. Nicht selten habe sie schon erlebt oder von Betroffenen erzählt bekommen, dass Pflegebedürftige "einfach mal schnell noch" das Beratungsprotokoll unterschreiben sollen. "Die Pflegedienste machen die Beratungen bislang automatisch mit", so Klöppel. Doch damit fehle aus ihrer Sicht der unabhängige Blick, die zweite Meinung. "Oft sind die Betroffenen ebenso wie Angehörige unsicher und eher gehemmt, Kritik an der Pflege anzubringen, um den Pflegedienst nicht zu verlieren", weiß die Gerontologin. Schließlich geht es um die Betreuung von nahen Verwandten. Da wolle niemand riskieren, dass sich in diesem Bereich Konflikte aufbauen.

Eine unabhängige Beratung steht jedem Pflegebedürftigen per Gesetz (Paragraf 3 Abs. 3 SGB XI) zu. Die Kosten dafür tragen die Krankenkassen. Keiner, der eine solche Beratung in Anspruch nehmen möchte, muss dafür zahlen. "Das kläre ich mit den Kassen direkt", so Klöppel. Sie kommt ins Haus und berät die Pflegebedürftigen und deren Angehörige vor Ort. "Weil das Wohnumfeld wichtig ist. Schließlich geht es um Fragen, wie lässt sich die Pflege noch optimieren, welche Hilfsmittel gäbe es noch, die die Pflege zuhause erleichtern", schildert Kerstin Klöppel ihre Tätigkeit.

Bislang gebe es in Sachsen nur sehr wenige unabhängige Pflegeberatungsstellen. Weil in der Region aufgrund des Altersdurchschnitts die Pflegebedürftigkeit hoch ist, sei sie froh, nun diese Beratung anbieten zu können. "Es geht vor allem darum, Fragen zu beantworten, Hilfen auszuschöpfen und so die beste Qualität der Pflege zu gewährleisten - für beide Seiten", sagt sie.

Wer eine solche Beratung wünscht, sollte sich nicht scheuen, und mit Kerstin Klöppel Kontakt aufnehmen.

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