Neue Bleibe für Gedächtnis des Kreises

Das neue Kreisarchiv im Landratsamt wird derzeit mit unzähligen Akten und Dokumenten gefüllt. "Freie Presse" hat vorab schon mal ein bisschen gestöbert.

Annaberg-Buchholz.

Im Kellergeschoss des Landratsamtes in Annaberg sind derzeit Ausdauer und Übersicht erforderlich. Das neue Archiv der Kreisbehörde wird bezogen. Bauliche, durch Wasserschaden hervorgerufene Mängel, hatten den Einzug verzögert und verteuert.

In ungezählten Umzugskartons werden derzeit Tausende Seiten Verwaltungsschriftgut von den verschiedenen Standorten herangebracht. "Im Dienstgebäude an der Paul-Jenisius-Straße richten wir das zentrale Verwaltungsarchiv ein. Dazu zählt neben den Unterlagen des hiesigen Landratsamtes auch jenes Schriftgut, das bislang an den früheren Standorten der Altkreise Aue, Stollberg und Marienberg aufbewahrt wurde", erklärt Kreisarchivarin Petra Epperlein. Die Kreisbehörde unterteilt das Archivgut dabei in zwei Bereiche: In Unterlagen aus der Verwaltung und in das historische Archiv. "In den modernen Magazinen verwahren wir jetzt Akten des Landratsamtes, welche für den Dienstgebrauch nicht mehr benötigt werden. Das sind Schriftstücke, die in der Kreisbehörde produziert worden sind." Dazu zählten beispielsweise die Akten aus Arbeitsprozessen der Abteilungen, Korrespondenz der Ämter, aber auch Sitzungsprotokolle, Haushaltspläne und Kassenbelege. Die ältesten Materialien seien bis zu 30 Jahre alt. Generell würden die Papiere entsprechend des sächsischen Archivgesetzes nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist vernichtet oder dem historischen Archiv zugeführt.

"Im historischen Archiv, das sich weiterhin auf verschiedene Standorte erstreckt, bewahren wir neben Zeitdokumenten auch Pläne, Karten, Bücher, selbst kleinere Gegenstände auf." Dazu gehöre beispielsweise ein Koffer vom Annaberger Original Arthur Schramm, der Teile des Schriftverkehrs des Mundartautors beinhalte. "Die einzulagernden dienstlichen Verwaltungsdokumente haben die stattliche Größenordnung von 5000 laufenden Metern. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass eine Seite Papier nur millimeterdünn ist", so die Sachgebietsleiterin.

Auch das Bauaktenarchiv sei demnächst am neuen Standort untergebracht. Dieses erstrecke sich auf weitere 2000 laufende Meter. "Die Arbeitspapiere bleiben aber nur den Mitarbeitern der Behörde zugängig, etwa, wenn es darum geht, sich über Sachverhalte zu vergewissern." Die Bauakten wiederum würden auch in bestimmtem Umfang den beteiligten Bürgern, etwa Grundstückseigentümern oder Bauherren, offen stehen. Diese müssten sich aber legitimieren.

"Das historische Archiv indes kann jedermann nutzen. Hier haben wir einen Bestand von 7500 laufenden Metern eingelagert", so Petra Epperlein. Und das setzt sich auch aus den Hinterlassenschaften von 15 Stadt- und 152 Gemeindebehörden zusammen, die ihr Archivgut den Fachleuten vom Kreisarchiv anvertraut haben. "Die Nachforschungen sind vielgestaltig: Privatleute, Firmenmitarbeiter und Vereinsvertreter nutzen das Archiv. Ihr Interesse reicht von Nachforschungen in Grundstücksangelegenheiten über die Suche nach Daten von Firmen, etwa Jubiläen, bis hin zu Fragen der Erbenermittlung oder selbst zur Suche nach einer Zeitung aus dem Geburtsjahr eines Jubilars." Neben heimatkundlichen Forschungen von Ortschronisten und Vereinsfreunden stehe bei privaten Nachfragen die Familien- und Ahnenforschung an erster Stelle. "Dabei müssen aber Schutzfristen beachtet werden, etwa, dass personengebundene Unterlagen erst zehn Jahre nach dem Tod des Betroffenen oder 100 Jahre nach dessen Geburt einsehbar sind."

Noch mache Papier den weit überwiegenden Teil des Archivgutes aus. Die Dokumente würden bei nunmehr besten Bedingungen verwahrt. "Wir können eine konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit einhalten, vermeiden den Einfall von Sonnenlicht und lagern das Papier in säurefreien Archivkartons", erklärt die Kreisarchivarin. "Für häufig nachgefragte Unterlagen haben wir von den Originalen Reproduktionen vorbereitet." Mittlerweile seien fast alle Zeitungsbestände verfilmt, ebenso Akten, die Einwohnerdaten aus der Zeit vor 1900 enthalten. Derzeit würden sich Fachleute in einer sächsischen Arbeitsgruppe Gedanken machen, wie Archivgut zukünftig digital erfasst und aufbewahrt werden sollte. "Da muss gewährleistet werden, dass keine Löschungen von dauernd aufzuhebenden Daten erfolgen können. Und auch die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein, Speichermedien und Systeme werden stetig weiterentwickelt."


Ältestes Dokument im Kreisarchiv stammt aus dem Jahr 1468

2016 gab es im historischen Archiv 380 Direktbenutzungen, 424 schriftliche und 159 telefonische Auskünfte.

2016 gab es für die dienstliche Nutzung des Verwaltungsarchivs 122 schriftliche Anforderungen und 385 Ausleihen für Behördenvertreter.

Die älteste Unterlage im Kreisarchiv ist eine Urkunde von Aue aus dem Jahr 1468, die belegt, dass der Probst des Klosters St. Moritz zu Naumburg einen Nickel Moller zu Zelle zwei wüste Lehen (die Sandwiesen) überlässt.

Zu den Beständen gehören auch Tages- und Wochenzeitschriften vergangener Jahrzehnte. Dazu zählt beispielsweise das Wochenblatt für Stollberg, Zwönitz und Umgegend, bis 1841 zurückreichend.

Im Kreisarchiv sind insgesamt elf Mitarbeiter und die Leiterin beschäftigt. Ein Azubi lernt seit diesem Jahr den Beruf des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste aus und wird ab August im Verwaltungsarchiv eingesetzt. Zudem wird ein Mitarbeiter im historischen Archiv Standort Jahnsdorf seinen Dienst aufnehmen. (hy)

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