Oelsnitz bekommt nun Bergmannskuh

Kunst im öffentlichen Raum spielt in Oelsnitz seit Jahren eine wichtige Rolle. Demnächst wird eine neue Skulptur präsentiert. Das Kunstwerk soll nicht das letzte bleiben.

Oelsnitz.

Die Schachtziesch in dem kleinen Park an der Grüßerkreuzung in Oelsnitz ist beliebt. Viele blank gescheuerte Stellen zeugen davon. "Ich sehe häufiger Kindergruppen, die den Park ansteuern", hat Bernd Birkigt beobachtet. Das freut den Bürgermeister: "Das stärkt die Identifikation mit der Region." Denn die Schachtziesch ist eng mit dem Bergbau verbunden. Und das ist Oelsnitz eben auch. Mitte November wird die ehemalige Bergbaustadt um eine Skulptur reicher. Am 13. November wird an der Kreuzung Franz-Schubert-Straße und Robert-Schumann-Straße die Bronze-Skulptur "Bergmannskuh" von Erik Neukirchner enthüllt.

Wie die erzgebirgische Schachtziesch meint auch die in den anderen Bergbaurevieren bekannte Bergmannskuh eine Ziege. Insbesondere im ehemaligen Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier spannen sich noch heute Legenden um den Einsatz der Ziegen auch Untertage. Tatsächlich trug die Ziegenhaltung aber dazu bei, die Bergmannsfamilien mit Milch zu versorgen. Die aneinander gereihten Siedlungshäuser mit Garten erlaubten es den Familien, sich ein Haustier, meist Ziege oder Schwein, zu halten. Für viele Bergarbeiterfamilien waren Viehhaltung sowie Obst- und Gemüseanbau nötig, um die kargen Löhne vor allem in der Aufbauzeit des Bergbaus im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts aufzubessern. Da viele der Arbeiter aus ländlichen Gebieten stammten, war auch das für die Nutztierhaltung erforderliche Wissen vorhanden.

Diese Historie erklärt auch den Standort in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung. Das Wohngebiet besteht überwiegend aus denkmalgeschützten Wohnhäusern, welche Ende der 1920er-Jahre errichtet wurden. "Schon die Planer und Erbauer der Siedlung legten Wert darauf, nicht nur zweckmäßige Wohnsilos zu errichten, sondern mit viel Liebe zum Detail ein Wohngebiet zu schaffen, welches nicht nur den Zweck des Wohnens erfüllt, sondern überdies auch optisch sehr ansprechend ist", sagt Jens Hojenski, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Oelsnitz (WGO), die kurz vor dem Abschluss der Sanierung der Franz-Schubert-Straße 5 steht. "Die Bergmannskuh ist nun das I-Tüpfelchen auf unsere Bemühungen in diesem Bereich", freut sich Hojenski. Zuletzt waren dort zahlreiche denkmalgeschützte Häuser renoviert worden.

Die etwa lebensgroße Skulptur des Augustusburger Künstlers Neukirchner hat eine Höhe von 81 Zentimetern und wird auf einem Sockel und somit auf Augenhöhe mit dem Betrachter stehen. Der Entwurf hat sich unter vier Wettbewerbsteilnehmern durchgesetzt. Eine Jury um den verstorbenen Lugauer Künstler Klaus Hirsch hat die Wettbewerbsbeiträge bewertet. "Letztlich hat uns Neukirchners Entwurf überzeugt, weil er am eindrücklichsten die Prägung der Siedlung durch die Bergarbeiter symbolisiert", sagt Birkigt. Den Künstlern zahlt die Stadt Oelsnitz eine Entwurfsentschädigung. Insgesamt rechnet Bürgermeister Birkigt mit Kosten in Höhe von rund 20.000 Euro für das Projekt. Kunst im öffentlichen Raum spielt in Oelsnitz eine wichtige Rolle. "Wir brauchen sie zwingend in unseren Städten", betont Birkigt. "Sie ist eine notwendige Auseinandersetzung mit der Zeit." Mit dieser Einschätzung besetzt er keinen neuen Standpunkt, vielmehr haben schon seine Vorgänger vor Jahrzehnten damit begonnen, Kunst im Stadtbild zu etablieren. "In Anbetracht der Größe der Stadt verfügt Oelsnitz über eine beachtliche Anzahl an Kunstwerken im öffentlichen Raum", sagt Alexander Stoll, Galerieleiter im Heinrich-Hartmann-Haus. Die von regionalen und überregionalen Künstlern geschaffenen Werke setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit der Ortsgeschichte und eben den Oelsnitz über viele Jahre prägenden Bergbau auseinander. "Bemerkenswert dabei ist, dass dies sowohl auf figürlich-gegenständliche Art, wie zum Beispiel bei der 'Schachtziesch' von Janusz Radke, oder auf abstrakt-ungegenständliche Weise geschieht, wie bei den beiden weit sichtbaren Metallskulpturen von Paul Fuchs."

Mit der "Bergmannskuh" sollen die Oelsnitzer Bemühungen um Kunst im öffentlichen Raum nicht abgeschlossen sein. "Wir wollen bewusst die Kunst fördern. Somit wird die 'Bergmannskuh' nicht das letzte Projekt sein", betont Birkigt. Speziell mit Blick auf die Bewerbung der Kulturregion Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt 2025 soll in Oelsnitz neue Kunst entstehen. Zu diesem Anlass werden zahlreiche Gäste erwartet. Für diese stellen nach Stolls Einschätzung Kunstwerke im öffentlichen Raum einen besonderen Reiz dar: "Die Kunstwerke bieten Bürgern und Gästen der Stadt immer wieder interessante Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst und somit die Möglichkeit, die Historie der Stadt zu erleben."

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