Radiz-Verein löst sich bis Jahresende auf

Nach 25 Jahren stellt das Radon-Zentrum in Bad Schlema überraschend seine Forschungsarbeit ein. Grund sind Geldsorgen.

Bad Schlema.

Im ersten Stock des Karl-Aurand-Hauses in Bad Schlema gehen schon bald die Lichter aus. Denn der Verein Radiz, kurz für Radon-Dokumentations- und Informations-Zentrum, der hier seinen Sitz hat, löst sich bis Jahresende auf. Das haben die Mitglieder nun bei einer Versammlung entschieden, die eigentlich Grund zur Freude bieten sollte - der Jubiläumsfeier anlässlich des 25-jährigen Bestehens.

Der frühere Chef des Bundesamtes für Strahlenschutz, Alexander Kaul, selbst langjähriges Mitglied, nennt den Schritt gegenüber der "Freien Presse" sehr bedauerlich. Die Arbeit des Vereins in der biophysikalischen Strahlenforschung sei in seiner "geballten Form deutschlandweit einmalig." So organisierte man in Bad Schlema regelmäßig internationale Fachtagungen mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und den USA, um sich über die therapeutische Wirkung des Edelgases Radon auszutauschen. "Das wird nun fehlen", sagt er. Zu den Gründen für das Aus zählen neben der Überalterung der Mitglieder vor allem Geldsorgen. Konrad Barth, Alt-Bürgermeister und bisheriger Vorsitzender von Radiz, erklärt: "Wir sind ein Verein gewesen, der schon immer mit wenig Geld zurecht kommen musste." Am Ende sei es einfach zu wenig gewesen. Dafür macht Barth auch die Gemeinde verantwortlich. Die habe 2015, als der Verein versuchte, eine Fachtagung zu organisieren, lieber den Kunstparcours beworben, statt die Arbeit des Vereins zu finanzieren. "Uns hat die politische Unterstützung gefehlt", sagt er. Das Treffen fiel aus - es war der Anfang vom Ende.

Zurück liegt ein Vierteljahrhundert der Strahlenforschung in der Gemeinde. Der profilierte Mediziner Karl Aurand hatte 1991 die Gründung von Radiz angestoßen. Ziel war es, die lindernde Wirkung von Radon etwa bei Kuranwendungen unter Beweis zu stellen. "Ohne diese wissenschaftliche Arbeit wäre unser Kurbad nie entstanden", sagt Barth. Radiz war maßgeblich an einer Studie beteiligt, die in den 1990er-Jahren in Schlema stattfand und die Leistung von Radon nachwies.

Der Bürgermeister von Bad Schlema, Jens Müller (Freie Wähler), lobt die Arbeit des Vereins: "Dort wurde Grundlagenforschung gemacht", sagt er. "Radon war ja früher total in Verruf." Den Vorwurf, die Gemeinde sei an der Auflösung schuld, weist er jedoch zurück: "Wir sind immer bereit gewesen, zu helfen, aber man ist nicht auf uns zugekommen." Der Grund liege vielmehr im Verein selbst begründet, der Forscher-Nachwuchs habe gefehlt. Und vielleicht, sagt er, ist die Aufgabenstellung von einst inzwischen auch erfüllt.

Was von Radiz bleibt, ist ein gut gefülltes Archiv mit Schriften, Aktenordnern und Büchern im Karl-Aurand-Haus. Um die will sich nun die Gemeinde kümmern. Und womöglich, hofft Barth, führt bald auch jemand die wissenschaftliche Arbeit weiter. Gespräche dazu laufen mit dem Verein Europäischer Radonheilbäder Euradon, der ebenfalls seinen Sitz in Bad Schlema hat. Vielleicht ist es also nur ein Abschied auf Zeit.

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