Reifendreher wird zur Kinderbuchfigur

Seine Zipfelmütze trägt Christian Werner gern, wenn er die Späne fliegen lässt. Das hat eine Besucherin seiner Werkstatt zu einer Erzählung inspiriert - und ihn darin zum Helden werden lassen.

Seiffen/Rittersgrün.

Wenn Touristen nach Seiffen kommen, haben sie am Ende ihres Besuchs meist auch einiges im Gepäck: Schwibbögen, Nussknacker, Pyramiden, Holzfiguren und das eine oder andere Erinnerungsfoto. Bei Marion Giera aus Rittersgrün war das anders. Sie nahm aus dem Spielzeugdorf jede Menge Inspiration mit nach Hause und entschloss sich, ein Kinderbuch zu schreiben.

Grund dafür, dass die 62-Jährige eine Geschichte über ihren Seiffen-Besuch verfasst hat, war eine Visite in der Werkstatt von Reifendreher Christian Werner. Dort sah sie eine ganze Weile zu, wie der Meister sein Handwerk vorführte. "Ich habe gemerkt, mit welcher Begeisterung er bei der Sache ist", sagt die Autorin. "Wir haben uns lange unterhalten. Mit jedem Satz, den er sagte, hat er seine Liebe zum Erzgebirge ausgedrückt." Diese Liebe ist etwas, das Marion Giera mit dem Seiffener teilt, wie sie erklärt: "Ich bin traditionsbewusst." Das Erzgebirge, die Natur und das Handwerk seien etwas ganz Besonderes.

Als sie sich nach dem Besuch auf den Nachhauseweg machte, sei ihr bereits klar gewesen: Über diesen Menschen wird sie etwas schreiben. So hat die ehemalige Lehrerin die Geschichte des Mädchens Lilli ersonnen, das mit seinen Eltern einen Ausflug nach Seiffen macht. Dort stellt die Schülerin viele Fragen über das Erzgebirge und entdeckt buntes Spielzeug. Schließlich trifft sie den Reifendreher Werner und besucht dessen Werkstatt. Dabei bemerkt Lilli auch die besondere Mütze, die der Handwerker trägt und fragt sich: Kann es so etwas wirklich geben - einen Piraten im Spielzeugdorf?

Entsprechend trägt das Werk den Titel "Ein Pirat im Spielzeugdorf". Das Buch beinhaltet aber nicht nur die Geschichte von Lilli, sondern auch detailreiche Illustrationen des Dresdner Künstlers Christian Biermann. Er hat den Reifendreher Werner und den Ort Seiffen in den Abbildungen kunstvoll in Szene gesetzt. Biermann stammt selbst aus einer Seiffener Spielzeugmacherfamilie und hat als junger Mann angefangen, beim Defa-Trickfilmstudio in der Landeshauptstadt zu arbeiten. Giera hat ihm schließlich ein Manuskript ihrer Piraten-Geschichte gegeben und gefragt, ob er diese illustrieren würde. Kurze Zeit später habe der Künstler zugesagt.

Für die Autorin war es das erste Werk. Sie habe ihren Schülern zwar schon früher im Unterricht gern Geschichte erzählt und vorgelesen - bis dato aber noch nie eine eigene veröffentlicht. "Das Buch herauszubringen war ein Riesenschritt", sagt die Rittersgrünerin. Anfang 2018 habe sie knapp zwei Monate gebraucht, um das Textmanuskript fertigzustellen. In der Folge besuchte sie erneut Christian Werner in seiner Werkstatt, der sich sehr über die Geschichte gefreut habe. Danach seien insbesondere die digitalen Arbeiten rund um die Geschichte sehr aufwendig gewesen. "Ich habe aber einen guten Lektor gehabt, der mich dabei unterstützte", so Giera. Nun steht die erste Auflage von 500 Exemplaren im Eigenverlag bereit.

Und was sagt der Held der Geschichte? "Ich finde es bemerkenswert, dass Frau Giera das Projekt als Erstautorin angegangen ist", erklärt Christian Werner. Ihn habe wiederum beeindruckt, mit welcher Begeisterung die Frau auf sein Handwerk blickt. Auch die Zeichnungen von Biermann findet der Reifendreher sehr gelungen. "Er hat mich und Seiffen gut getroffen." Wer beides live erleben will findet die Werkstatt des Mannes mit der Zipfelmütze in Seiffen An der Binge 5.

Das Buch "Ein Pirat im Spielzeugdorf" ist direkt bei der Autorin erhältlich. Kontakt per E-Mail: hammerberg2010@gmail.com. Das Werk (32 Seiten) kostet 15 Euro.

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