Reine Männerriege ringt um Direktmandat des Erzgebirges

Nachdem nun auch die FDP ihre Kür vollzogen hat, stehen vier Monate vor der Bundestagswahl die Direktkandidaten für den Wahlkreis 164 fest - darunter dieses Mal keine Frau. Doch das ist nicht das einzige Neue.

Annaberg-Buchholz.

Egal bei welcher der demokratischen Parteien die Wähler im Wahlkreis 164 (Erzgebirgskreis ohne Altkreis Stollberg) bei den Bundestagswahlen im September ihr Erststimmen-Kreuzchen machen - einer Frau können sie damit nicht direkt auf einen Abgeordnetensitz verhelfen. Stand mit Andrea Schrutek (Die Linke) sowohl 2009 als auch 2013 wenigstens eine Direktkandidatin zur Wahl, müssen die Wähler 2017 mit einer Männerriege vorlieb nehmen.

Im aktuellen Wahlkampf hatte überhaupt nur eine Frau den Mut, um eine Nominierung zu kämpfen: Stefanie Rehm. Die 66-jährige Ex-Ministerin wollte es noch einmal wissen, die CDU aber nichts mehr von ihr. Nur fünf der 352 gültigen Stimmen konnte die Zschorlauerin bei der Nominierungsveranstaltung erringen. Gegen Alexander Krauß (199 Stimmen) hatte sie damit allerdings keine Chance.


Seitdem dreht der Schneeberger CDU-Politiker schon mit großer Intensität am Wahlkampfrad, um seine Gegner auf Abstand zu halten: Klaus Tischendorf (Die Linke), Sören Wittig (SPD), Karsten Teubner (AfD), Sebastian Walter (Grüne). Und seit Dienstagabend gehört nun auch Tino Günther von der FDP zum Sechserpack der bislang bekannten Direktkandidaten der großen Parteien. Abgesehen davon will auch Etienne Grämer für Die Partei in die Spur gehen.

Nach dem Rückzug von Günter Baumann (CDU), der seit 1998 das Erzgebirge im Bundestag vertritt, wird es in jedem Fall einen neuen Wahlkreis-Abgeordneten geben. Der Jöhstädter jedenfalls hat für seinen Nachfolger schon mal beachtliche Zielmarken gesetzt. Gewann er 2009 das Direktmandat mit 40,3 Prozent, vereinte er vier Jahre später gar 50,6 Prozent aller Erststimmen im Wahlkreis auf sich. Unter den Verfolgern konnte sich lediglich die Linke Andrea Schrutek mit 23,7 bzw. 20,6 Prozent einigermaßen beachtlich schlagen. Die anderen wurden bei der Wahl 2013 regelrecht abserviert: Wolfgang Gunkel (SPD) 12,2 Prozent, Heinz-Peter Haustein (FDP) 6,2 Prozent, David Schröer (NPD) 5,3 Prozent, Bert Meyer (Grüne) 3,0 Prozent und Sebastian Hacker (Piraten) 2,0 Prozent. Ob im bislang von der CDU dominierten Wahlkreis im September der Direktkandidat einer anderen Partei auftrumpfen kann, will derzeit kein politischer Bebachter glauben. Doch noch sind vier Monate Zeit. Und bis dahin gilt es auch noch einige Hürden zu nehmen: So sind bis 17. Juli die Wahlvorschläge beim Kreiswahlausschuss einzureichen. Dieser hat dann bis 28. Juli Zeit für die Prüfung aller Unterlagen. Und erst dann kann es richtig losgehen.


Sebastian Walter (Grüne)

Der 27-jährige Verkehrswirtschaftler wohnt in Niederwiesa (Mittelsachsen) und mischt als Kreisrat in der Kommunalpolitik mit. Nach seiner Tätigkeit im Ressort des Vorstandsvorsitzenden bei der Netztochter der Deutschen Bahn ist Walter seit 2015 im Bundestag tätig. Dort berät der frühere Sprecher der Grünen Jugend Sachsens die Grünen-Bundestagsfraktion in infrastrukturpolitischen Fragen. Er tritt für eine zukunftsorientierte Entwicklung der Region ein. Sein Credo: Dicke Bretter bohren und die Dinge klar beim Namen nennen.


Klaus Tischendorf (Die Linke)

Der 54-Jährige ist seit 1999 im Landtag. Aktuell fungiert er als Vorsitzender des Haushalts- und Finanzausschusses und ist Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Tischendorf, der sein Berufsleben als Baufacharbeiter begann, sammelte ab 1990 im Landratsamt Verwaltungserfahrungen. Zu DDR-Zeiten gehörte er keiner Partei an, trat 1990 in die PDS ein. Noch bis Oktober ist er Kreischef der Linken. Er will das Amt abgeben, da er seit Kurzem auch DGB-Kreisvorsitzender ist. Sein Credo: "Wir müssen Alternativen bieten." Der Lugauer ist verheiratet, hat ein Kind.


Alexander Krauß (CDU)

Der 41-jährige Schneeberger hat Politik von der Pike auf gelernt: Gemeinderat, Kreisrat, Kreisvorsitzender der Jungen Union (1990 bis 2006). Seit 2004 ist er im Sächsischen Landtag. Kürzlich wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU-Sozialausschüsse wiedergewählt. Von 1995 bis 2000 studierte er Politikwissenschaft, Kommunikations- und Medienwissenschaften sowie evangelische Theologie. Sein Credo: "Mit Herz fürs ERZ" auch in Berlin um Lösungen für Probleme der Region kümmern. Krauß ist verheiratet und Vater dreier Kinder.


Sören Wittig (SPD)

Der 41-Jährige ist Diplom-Verwaltungswirt (FH) und arbeitet aktuell als Einzelentscheider beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Chemnitz. Wenn er in den Bundestag einzieht, will er sich vor allem für Soziales, Verkehr und Kultur engagieren. Sein Credo: "Was nützt es, wenn wir schöne Bergaufzüge veranstalten, aber keiner ins Erzgebirge kommt, weil die Straßen so schlecht sind", sagt der Vater zweier Kinder, der auch als Stadtrat in Oelsnitz, Kreisrat und Mitglied der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers weiß, wovon er spricht.


Tino Günther (FDP)

Der 54-jährige Seiffener zählt zu den FDP-Urgesteinen im Erzgebirge. Ob als Ortschef, Kreischef (bis 2013) oder als Landtagsabgeordneter (2004 bis 2014) - er verstand es immer wieder, liberale Ideen ins Gespräch zu bringen. Zwar konzentrierte er sich aus gesundheitlichen Gründen die letzten Jahre mehr auf seine Spielwarenfirma, dennoch mischte er weiter in der Politik mit, so als Ortsvorsitzender oder im Landesvorstand. Sein Credo: Mut, Optimismus und Gottvertrauen. Der gebürtige Olbernhauer ist verheiratet und hat eine Tochter und zwei Söhne.


Karsten Teubner (AfD)

Der 52-Jährige ist selbstständiger Unternehmer in Grünhain-Beierfeld. Obwohl schon immer parteilos, steht er der Fraktion der Alternative für Deutschland im Kreistag vor. Zudem lässt er keinen Zweifel aufkommen, dass er voll hinter der AfD-Programmatik steht. Der 52-Jährige wendet sich insbesondere gegen Wirtschaftsflüchtlinge sowie gegen den Islam, den er als persönliche Bedrohung empfindet. Sein Credo: "Unsere Gesellschaft muss für mehr eigenen Nachwuchs sorgen". Der studierte Wirtschaftsinformatiker ist verheiratet und hat ein Kind.

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