Russische "Nachtwölfe" trauern um tote Bikerin aus Aue

Ein ungewöhnlicher Korso wird heute durch Aue ziehen. Es ist das Geleit eines bekannten Motorradclubs für eine verunglückte Freundin.

Eibenstock/Aue.

Gestern am Hotel "Am Bühl" in Eibenstock: Ein Motorrad neben dem anderen. Biker des russischen Motorradclubs "Nachtwölfe" trafen sich dort. Der Anlass ist ein trauriger: Die aus Aue stammende, der Frauen-Sektion des Clubs zugehörige Bikerin Diana Irmisch ist tödlich verunglückt. Heute findet ihre Beerdigung auf dem Friedhof ihrer Heimatstadt statt. "Nachtwölfe"-Biker aus ganz Europa werden dazu erwartet. "Diana hat sich aufgrund ihres Engagements den Respekt der Motorradszene verdient", sagt ein 48-jähriger Biker aus Dresden, bislang in Sachsen das einzige Mitglied der "Nachtwölfe". Er sagt, dass mehr als 100 Biker als Gäste zur Trauerfeier kommen.

Diana Irmisch stand den "Nachtwölfen" nahe, war mit ihnen oft in Osteuropa und Russland unterwegs. Mitglied des Bikerclubs war sie nicht, denn das ist Männern vorbehalten. Sie war auf der Heimfahrt vom Besuch einer Bike-Show der "Nachtwölfe" in Sewastopol auf der Krim, als sich das Unglück ereignete: Auf der Autobahn, etwa 20 Kilometer von Warschau, kollidierte sie mit einem Pkw. Sie starb sofort.

Beamte vom Polizeirevier Aue werden die Beerdigung begleiten, sagt dessen Leiter Uwe Kuhn. "Die Verantwortlichen haben zu uns Kontakt aufgenommen. Unser Einsatz ist abgestimmt mit der Familie", sagt er. "Wir erwarten aber keine Störungen." Die aus Eibenstock kommenden Biker treffen sich heute mit weiteren in Aue an der Tankstelle an der Bockauer Talstraße. Von dort aus wird sich die Kolonne in Richtung Friedhof in Bewegung setzen. Alexander Saldostanow, Präsident der "Nachtwölfe", schickt einen Kranz zur Beerdigung. Als Grund dafür, dass er selbst nicht nach Aue kommen kann, hatten die "Nachtwölfe" angegeben, dass ein Einreiseverbot in die Europäische Union gegen ihn vorliege. Wie Reinhard Hönighaus, Sprecher der Europäischen Kommission in Deutschland, sagt, gibt es das aber gar nicht. "Einreiseverbot haben die USA und Kanada gegen ihn verhängt."

Die "Nachtwölfe" (russisch "Notschnyje Wolki") sind der größte russische Biker- und Rockerclub. Seine Mitglieder vertreten nationalistische und christlich-orthodoxe Ansichten. Seit 2009 pflegt Saldostanow mit dem russischen Präsidenten Putin ein gutes Verhältnis. Im Ukraine-Konflikt nahm der Club eine pro-russische Haltung ein.

Voraussichtlich werden die "Nachtwölfe" im nächsten Jahr wieder Aue ansteuern. Angekündigt wurde, dass die Gedenkfahrt der "Nachtwölfe" zum Ende des 2. Weltkrieges am 9. Mai 2019 mit einem Besuch des Grabes der verstorbenen Bikerin verbunden sein wird.

In Aue hatte Diana Irmisch ein Fotostudio unter dem Namen "Bilderschmiede". Sie hat sich auch in der Ortsgruppe Aue/Schwarzenberg des Technischen Hilfswerkes engagiert, dort war sie seit 2016 Mitglied. Auf deren Internetseite heißt es: "Durch ihren Tod wird eine vorbildliche Helferin und Freundin fehlen. Wir werden sie stets in unseren Herzen tragen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...