Schwibbögen erhellen alten Kindergarten

Volkskunsthersteller Mathias Poller eröffnet seinen neuen Firmensitz in Raschau. Wo Knirpse gespielt haben, entstehen nun Knirpse aus Holz.

Raschau/Lauter.

Ein Schaufenster voller leuchtender Schwibbögen ist ein Hingucker; und es kann zum Gesprächsthema werden. So in Raschau, wo der neue Firmensitz des Volkskunstherstellers Mathias Poller derzeit von sich reden macht. Der Unternehmer, der nach der Wende sein Hobby zum Beruf machte, hat den alten Kindergarten an der Beethovenstraße in Raschau gekauft.

Für die Gemeinde ein Glücksfall, schließlich war das barackenähnliche Gebäude als Kindereinrichtung längst nicht mehr tragbar. Nun entstehen dort, wo einst Knirpse gern gespielt haben, Knirpse aus Holz. Die Räuchermännchen, die Mathias Poller mit seinem Team entwirft und baut, blicken nicht grimmig drein. Im Gegenteil. Ob Förster, Drechsler oder Schneemann - die meist bärtigen Gesellen sind freundliche, knuffige Wesen.

Wenn früh am Morgen der Chef schon in der Firma sitzt und Skizzen festhält, dann weiß Nancy Sommer: "Da ist dem Chef in der Nacht wieder was eingefallen", sagt die 34-Jährige. Seit 15 Jahren arbeitet sie schon an der Seite von Mathias Poller. Im Team wird aus der Idee des Chefs eine neue Figur oder ein neues Motiv für die zahlreichen Schwibbögen aus dünnem Sperrholz. Diese Lichterbögen gibt es in großer Vielfalt - vom Klassiker bis zum dreidimensionalen Bogen, der mit richtigen Figuren, Häusern und Bäumen bestückt werden kann.

Doch warum zieht eine Firma nach 25 Jahren vom angestammten Sitz in Lauter plötzlich nach Raschau? "Weil wir damit jetzt eine eigene Immobilie gefunden haben, und nicht mehr warten müssen, bis der Vermieter mal investiert", sagt Poller. Er war das jahrelange Betteln um bauliche Veränderungen leid. Schließlich kam Kollege Zufall zu Hilfe. Die Gemeinde Raschau-Markersbach bot den Kindergarten zum Verkauf an. Für die Kommune ist diese Nachnutzung erfreulich. So blieb ihr der Abriss des Gebäudes erspart. "Jetzt haben wir Weihnachten auch im Sommer", sagt Bürgermeister Frank Tröger glücklich.

"Es war wirklich nur noch die bauliche Hülle, alles andere mussten oder müssen wir noch neu machen, von der Heizung über die Elektroinstallation bis hin zum Wasser", schildert der Chef. Seit Mitte Mai haben alle gewirbelt, um nun nächste Woche eröffnen zu können. "Die Produktion läuft. Das war das Wichtigste", sagt Nancy Sommer und legt dabei die nächste dünne Holzplatte in die Laserfräse ein. Darin werden die Bauteile für die motivreichen Schwibbögen ausgeschnitten. Danach folgen hunderte Handgriffe, ehe aus den Formteilen ein fertiger Schwibbogen entstanden ist. Jedes Teil wird geschliffen, montiert oder verklebt, der Bogen verkabelt, manch Motiv noch bemalt. Was wie die Werkstatt der Wichtel aussieht, ist ein Ort filigraner Handarbeit.

Im April 2019 kann die Firma auf ihr 25-jähriges Bestehen blicken. Und obwohl Mathias Poller nach eigenen Worten damals aus seinem Hobby seinen Beruf gemacht hat, sieht er diesen Schritt heute kritisch: "Es wird uns doch immer schwerer gemacht", sagt er, und meint damit die Neuregelung der EU, die nun Schwibbögen nicht mehr als Deko-Artikel wertet, sondern zu den Elektrogeräten zählt. Das wiederum zieht einen Rattenschwanz an Entsorgungsrichtlinien für die Hersteller nach sich. "Grausam", kommentiert Mathias Poller.

Er entwirft, stellt selbst her und beliefert Großkunden, darunter auch namhafte Versandhäuser. Doch am liebsten fertigt er auf Kundenwunsch. Originelle und besondere Räuchermännchen - mit viel Liebe zum Detail.

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