Schwibbogenfest vor weißer Kulisse

Ohne die lebendigen Figuren des Wahrzeichens der Stadt geht in Johanngeorgenstadt der Markt nicht los. Ein neues Magnet erzählt Stadtgeschichte.

Johanngeorgenstadt.

Schneemann bauen - während eine Menschentraube den neuen Exulantenzug von Johanngeorgenstadt umringten - nutzten zwei kleine Kinder die Gelegenheit, um große Schneekugeln zu rollen und aufeinanderzutürmen. Der Winter war es denn auch, der zumindest am Samstag etliche Besucher zum 27. Original Johanngeorgenstädter Schwibbogenfest in die Bergstadt lockte. Denn weiter unten im Tal gab es keine weiße Pracht fürs Markttreiben.

"Ich war schon letztes Jahr hier", erzählte eine Zwickauerin. "Bei uns kriegen wir kaum noch Schnee zu sehen. In meiner Kindheit sind wir bei uns noch Schlitten gefahren, aber das ist lange vorbei. Deswegen komme ich hierher", sagt die Frau, die sich mit Stöcken gegen die Glätte half. Am Freitagabend war es weiß geworden auf dem Fastenberg. "Die richtige Kulisse. Das gehört dazu", so Dauer-Weihnachtsmarktgast Gottfried Mempel aus Jena. Er vergab zehn von zehn möglichen Punkten für Schnee und Lichterglanz.

Um die 500 Besucher, darunter mehrere Reisegruppen, verfolgten die Eröffnung des Marktes auf dem Platz des Bergmanns. Sechs Knappschaften, die Bergkapelle von Johanngeorgenstadt und die Figuren des lebendigen Schwibbogens waren zuvor als Parade eingezogen. Nach der Begrüßung folgten viele Gäste dem Unternehmer Siegfried Ott auf die gegenüberliegende ehemalige Bergbauhalde 42. Hier steht jetzt der Exulantenzug - 13 Figuren aus Holz. Geschnitzt von Künstlern aus der Region, vermitteln sie die Gründungsgeschichte der Stadt. "Im Dezember 1653 haben sich Menschen wegen ihres Glaubens von Platten aus auf den Weg gemacht. Das waren mutige Leute", so Ott.

"Ohne Internet, Autobahn und Fördermittel haben sie damals diese Stadt aus dem Hut gezaubert." Leider sei sie später durch den Wismutbergbau zerstört worden. "Die Leistungskraft der Menschen damals soll Ansporn sein, mehr für den Ort zu tun", mahnte Ott und schwärmte von dieser "wunderbaren Stadt", die wieder mehr Urlauber anlocke.

Christa Paul (93) gehört zu den Nachfahren jener Exulanten, die in Holz verewigt worden sind. Ihre Familie geht in fünffacher Linie auf die Stadtväter zurück. Darüber hat Christa Paul umfassende Unterlagen. Lange habe sie in den Kirchenbüchern recherchiert und unter anderem herausgefunden, dass das erste Baby in der Stadt nach dem Kurfürst Johann Georg benannt worden war. Sie selbst lebt bis heute in Johanngeorgenstadt. Andere Uralteingesessene hätten die Stadt nach dem Abriss in den 1950er-Jahren verlassen, weil sie ihre Häuser verloren hatten und keine neue Wohnung bekommen konnten.

Um die 3000 Besucher zählt der Weihnachtsmarkt in Johanngeorgenstadt im Schnitt. Unterstützt von der Stadtverwaltung wird er organisiert vom Verein Heimatstube, der auch ein Museum am Platz des Bergmannes betreibt. Bernd Wilhelm, stellvertretender Vorsitzender, zog eine positive Bilanz und freut sich auf ein Neues. Viele Besucher seien längst Stammgäste und sehr interessiert auch an den Motiven der Schwibbögen, die er fertigt. Dieses Jahr gibt es einen neuen, der die alte Kirche und das Rathaus vorm Stadtbrand im 19. Jahrhundert zeigt. Das habe für viel Rätselraten gesorgt.

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