Sie kämpft um einen Ausweis, der auch andere schützt

Als behinderter Mensch eine Sonderparkgenehmigung mit dem Zeichen aG zu erhalten, ist schwer. Mit diesem Problem ist Petra Volkmann aus Johanngeorgenstadt keineswegs allein.

Johanngeorgenstadt.

Petra Volkmann ist enttäuscht. Dabei hatte die Johanngeorgenstädterin so sehr gehofft, dass nach ihrem Vorsprechen im Sommer im Referat Soziale Hilfen des Landratsamts, Sachgebiet Schwerbehindertenrecht, alles gut wird und sie den Parkausweis mit dem Merkzeichen "aG" erhält. "Schließlich hatten die Frauen, denen ich mein Dilemma erklärt habe, wirklich Verständnis gezeigt", sagt die gelernte Krankenschwester, die seit einem Schlaganfall und der Operation eines Aneurysmas im Kopf unter den Folgen einer Linksseitenlähmung leidet. Doch ihrer Bitte ist nicht stattgegeben worden.

Die Frau kann nur in winzigen Schritten laufen, den linken Arm kaum bewegen. Der Grad ihrer Behinderung wurde auf 100 Prozent festgesetzt. In den zurückliegenden Jahren hat sie sich in den Alltag zurück gekämpft. Sie kann, wenn auch nur sehr langsam, wieder laufen. Und auch Auto fahren kann sie, einen Automatik. "Mein Auto brauch' ich dringend, da ich mehrmals pro Woche zu Behandlungen fahren muss", sagt die 58-Jährige, deren Mann bereits verstorben ist und deren Sohn (23) ebenfalls gesundheitlich eingeschränkt ist.

"Aber es geht mir ja nicht nur um mich", sagt die Bergstädterin und erklärt: "Um Aus- oder Einzusteigen in mein Auto, muss ich die Fahrertür weit öffnen, um mein linkes Bein rausheben zu können. Ich kann mit dem linken Arm die Tür nicht halten, die Kraft hab' ich nicht. In normalen Parklücken komm' ich nicht raus oder würde mit meiner Autotür am benachbarten Fahrzeug anschlagen. Und das will ich nicht."

Das Merkzeichen "aG" steht für "außergewöhnlich gehbehindert" und erlaubt das Parken auf den besonders breiten Behindertenstellflächen. Darum geht es ihr. Petra Volkmann hat auf ihren Antrag hin aber nur G für gehbehindert und B genehmigt bekommen. B steht für Begleitperson. "Um aG zu erhalten, muss eine 80-prozentige Funktionseinschränkung der unteren Extremitäten vorliegen", weiß Petra Volkmann. Bei ihr sei es aber eben "nur" die linke Seite, ein Bein.

Die Einstufungen erstellt ein Arzt anhand der vorliegenden Befundberichte des jeweiligen Antragstellers, erklärt Helga Dittrich, die Behinderten- und Seniorenbeauftragte im Landkreis. Zum konkreten Fall von Petra Volkmann kann sie aus Datenschutzgründen nichts sagen. "Der Gesetzgeber hat die Messlatte für die Genehmigungen von aG wirklich sehr hoch gelegt", weiß sie, und will mit Frau Volkmann Kontakt aufnehmen.

Die Bergstädterin hat Widerspruch eingelegt. Das Geld für eine Klage habe sie nicht. "Vielleicht gibt es ja mal eine Sammelklage, denn ich kenne noch mehr Leute, die dafür kämpfen", sagt Volkmann.

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1Kommentare
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    0
    872889
    10.11.2018

    Die Messlatte für eine Parkerleichterung für schwerbehinderte Menschen liegt hoch, was auch richtig ist. Je mehr Parkerleichterungen vergeben werden, desto schwerer haben es letztlich die Betroffenen, einen freien geeigneten Stellplatz zu finden. Dies führt letztlich natürlich zu Entscheidungen, welche nicht jeder nachvollziehen kann. Maßstab ist aber alleine die Gehfähigkeit und nicht die Tatsache, ob z.B. eine Autotür weit geöffnet werden muss. Dieses “Problem“ haben z.B. durchaus auch Eltern, welche ihre Kleinkinder ins Auto setzen müssen. Also wo fängt man an und wo hört man auf, bei allem Verständnis für die Situation der Bergstädterin.



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