Singen gegen die Corona-Angst: Jetzt auch im Erzgebirge

Die Italiener haben es vorgemacht, nun tun es ihnen die Deutschen nach: Musik, das verbindende Element, soll ein wenig die Last von den Menschen nehmen.

Olbernhau/Schneeberg/Bad Schlema/Ehrenfriedersdorf.

Am 13. März haben sich in ganz Italien abends Menschen auf ihre Balkone oder an offene Fenster gestellt und Musik gemacht. Musik gegen Ängste, Einsamkeit und Langeweile in der Isolation der Corona-Pandemie. Der "Flashmob sonoro" erzeugte ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Videos mit Menschen, die Gitarre, Flöte oder Trompete spielten, machten im Internet die Runde.

In Deutschland kursiert ein Aufruf, am Sonntag, 18 Uhr, aus geöffneten Fenstern oder von Balkonen zu musizieren. Angestoßen hat die Aktion "Musiker*innen für Deutschland" ein 51-Jähriger aus Zaberfeld bei Heilbronn. Unter dem Pseudonym Udo Vyrus hat er auf Facebook eine Veranstaltung erstellt, die sich lawinenartig verbreitet hat. Anfragen von Radiosendern und Zeitungsredaktionen erreichten ihn. Viele Leser reagierten positiv. "Der Urheber der Aktion bin ich nicht. Das war eine Frau. Deren Veröffentlichung war nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Ich habe das Layout übernommen", sagt der Bassist einer Rockband. Als Fan der Beatles und von John Lennon schlägt er vor, zuerst den Lennon-Titel "Imagine" zu spielen: "Ein guter Song, friedlich." Er soll ein Zeichen setzen. Auf keinen Fall sollen die Menschen auf die Straßen laufen. "Fenster auf, mitmachen oder hören, ob in der Nähe jemand Musik macht", so Udo Vyrus.

Auch im Erzgebirge wollen sich Musiker beteiligen. Torsten Reichelt etwa, Musiklehrer am Olbernhauer Gymnasium. "Eine positive Aktion. Für solche Ideen bin ich immer offen", sagt der Neuhausener. Obwohl sein Haus am Ortsrand steht, wollen er und seine Frau Kathleen mitmachen: "Wir stellen zwei Boxen auf die Terrasse, spielen erst den Lennon-Titel und anschließend Schlager." Der Olbernhauer Heiner Stephani möchte auf der Gartenbank mit seiner Frau Ingrid Frühlingslieder spielen. Das Olbernhauer Musikkorps ist ebenfalls aufgerufen, sich zu beteiligen. Vorstandsmitglied Udo Brückner hat die Idee aufgegriffen: "Musik hat eine verbindende Wirkung und setzt ein Zeichen der Solidarität in Zeiten der Krise. Im Erzgebirge soll dazu natürlich das Steigerlied erklingen."

Jens Bretschneider, Leiter des Musikkorps der Bergstadt Schneeberg, sagt: "Es kann sein, dass der eine oder andere Musiker von uns sich beteiligt, aber es gibt nichts Organisiertes. Die Aktion finde ich ganz nett, aber am Ende ist es wichtig, dass man die Situation mit der nötigen Ernsthaftigkeit sieht. Auch finde ich es wichtig, sich beim Einkaufen solidarisch zu verhalten. Erst in dritter Instanz kann man aus meiner Sicht über solche Dinge nachdenken." Beim Bergmannsblasorchester Kurbad Schlema hat man von der Aktion gehört, doch Orchesterleiter Sven Schremmer ist skeptisch: "Unser Orchester ist verstreut. Das bringt, denke ich, nichts. Ob einzelne Mitglieder sich beteiligen, da habe ich kein Feedback." Kantor Enrico Langer aus Ehrenfriedersdorf will mitwirken, entweder das Fenster öffnen und auf dem Klavier etwas spielen oder eventuell bei offenen Kirchentüren einen Choral auf der Orgel spielen. Er wird nicht der einzige Musiker im Altkreis Annaberg sein. Jörg Heinicke aus Annaberg-Buchholz will von seinem Vorgarten aus spielen. Und er habe auch von vielen weiteren gehört, dass sie dabei sind. "Ich bin gespannt, ob ich auch andere hören werde." (mit aed)

www.freiepresse.de/fotodsgvo

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