Skitruhe: Streit mit Gemeinde hält an

Die öffentliche Kritik von Vereinschef Gottfried Fuchs an der Kommune reißt nicht ab. Was die Finanzen betrifft, will sie alle Vereine im Ort gleich behandeln. Jetzt kommen Befürchtungen auf, dass dann das Aus für die Skitruhe droht.

Schönheide.

Mal zwölf Besucher an einem Wochenende, mal gar keine - die Historische Skitruhe in Schönheide hat einen schweren Stand. Auch nachdem man im Spätherbst 2019 in die neuen Räume in der Oschatz-Villa umgezogen ist. Der gleichnamige Verein, der Träger der Ausstellung ist, kann per 1. Februar 2020 auf Einnahmen von 300 Euro verweisen. Dem gegenüber steht eine Forderung der Gemeinde über 340 Euro - Kosten für vier Monate in 2019. Gottfried Fuchs, Vereinsvorsitzender, sagt: "Meine Befürchtung ist, dass wir es als Verein nicht schaffen, die für die nächsten eineinhalb Jahre von der Gemeinde geforderten 25 Prozent der Nebenkosten aufzubringen." Das sind im Monat 85 Euro, später sollen es 50 Prozent und damit 170 Euro sein.

Laut Fuchs seien schon die 85 Euro hoch gegriffen, "weil wir die im Sommer gleich gar nicht aufbringen können." Sein Kompromissvorschlag gegenüber der Gemeinde endet bei 800 Euro jährlich. Das sei zu schaffen. Zur jüngsten Sitzung des Schönheider Gemeinderates war sogar die Rede davon, dass die Skitruhe aufgeben und sich der Verein auflösen müsse. Diese Befürchtung äußerte Gemeinderat Olaf Schulz. Er empfahl einen Runden Tisch mit allen Beteiligten. Aus seiner Sicht ist der Verein aufgrund seiner Einnahmesituation nicht in der Lage, die Forderungen im Nutzungs- und Betreibervertrag zwischen Verein und Gemeinde zu erfüllen. Der Verein hat bereits zwei Anträge auf Änderung dieses Vertrages gestellt.

Immer wieder spricht Gottfried Fuchs die aus seiner Sicht bestehenden Missstände zur Bürgerfragestunde an. Jüngst übergab er dem Gemeinderat und dem Amtsverweser eine "Mängelliste". Unter anderem wird darin kritisiert, dass jeglicher Hinweis auf die Skitruhe an und in der Villa Oschatz fehle. Potenzielle Besucher könnten sie so gar nicht finden. Zudem geht es um bauliche Defizite, wie eine fehlende Wasseruhr, um den tatsächlichen Verbrauch der Skitruhe feststellen zu können. Bei Kämmerin Silke Wappler löste die Mängelliste Erstaunen aus. "Ich kenne diese gar nicht. Ist es nicht üblicherweise so, dass der Mieter Mängel seinem Vermieter anzeigen sollte? Bei mir war deswegen vom Verein noch niemand", sagt sie. Gleichwohl wollen sie und Amtsverweser Eberhard Mädler dem Verein helfen. Unter anderem bestehe die Möglichkeit, einen Antrag beim Finanz- und Verwaltungsausschuss zu stellen, wenn der Verein die geforderten Anteile an den Betriebskosten beziehungsweise die Miete nicht aufbringen kann. "Das haben andere Vereine vor der Skitruhe auch schon gemacht", so Mädler. Aus seiner Sicht habe die Gemeinde bereits "alle Register gezogen".

Einen neuerlichen Versuch, für Verständnis zwischen Gemeinde und Verein zu sorgen, will die Gemeinde jetzt mit externer Hilfe unternehmen. Wolfgang Ternick, Vorsitzender des Vereins Zukunft Westerzgebirge, soll vermitteln. "Ich hoffe, er kann ein Brückenbauer sein", so Mädler. Der Verein Zukunft Westerzgebirge verkörpert die lokale Aktionsgruppe der Leader-Region Westerzgebirge. Über diese sind die Förderungen für die Einrichtung der neuen Räume der Skitruhe in der Oschatz-Villa gelaufen, insgesamt über 50.000 Euro. Ternick: "Ich sehe mich in der Rolle eines Mediators, der beide Seiten zu einem vernünftigen Ergebnis führt." Aus seiner Sicht stellt der Nutzungs- und Betreibervertrag für den Verein einen "hervorragenden Kompromiss" dar. Er sei gemeinsam ausgehandelt worden. Soll es langfristig mit Skitruhe und dem Verein funktionieren, brauche es ein gutes Verhältnis zur Gemeinde.

Nach wie vor sperrt sich der Verein dagegen, Eintritt für die Ausstellung zu verlangen. Laut Fuchs dürfe er wegen der Bedingungen für die Leader-Förderung keinen Gewinn machen. Maximal zwei Euro könne man verlangen. Angesichts der Besucherzahlen komme man mit freiwilligen Spenden unterm Strich immer noch besser.

Zuletzt zeigte der Verein seine Schätze aus 100 Jahren Wintersportgeschichte in beengten Verhältnissen in einem ehemaligen Ladengeschäft. Die Miete dafür - 317 Euro im Monat - wurde laut Fuchs von der Gemeinde gezahlt. In die Oschatz-Villa zog man im Herbst 2019 ein. Dort entstand eine sehenswerte Ausstellung, vieles von der Ausstattung wurde von den Vereinsmitgliedern in Eigenleistung gebaut.


Kommentar: Eine verfahrene Kiste

Das Engagement der Mitglieder des Schönheider Vereins Historische Skitruhe ist unumstritten. Viele Stunden haben sie unter anderem damit zugebracht, die Aufsteller in der neuen Ausstellung in der Oschatz-Villa zu bauen. Es wäre ihnen zu wünschen, dass das mehr Leute mit einem Besuch würdigen.

Das Verhältnis zwischen dem Verein und der Gemeinde aber ist eine verfahrene Kiste. Kompromisse scheinen ausgeschlossen. Mit wem man auch darüber redet in Schönheide, eigentlich gibt es dazu nur Kopfschütteln. Liegt es an einzelnen Personen? Doch Verein auf der einen Seite und Gemeinderat als Entscheidungsträger auf der anderen bestehen aus mehreren Personen. Die sollten sich für einen vernünftigen Umgang miteinander starkmachen. Den Zwist auch noch anzustacheln, ist keine Lösung. Bleibt nur zu hoffen, dass die bevorstehenden Gespräche - diesmal mit einem Mediator - auf einen guten Weg führen.

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