So geht's weiter mit berühmten Ruinen von Johanngeorgenstadt

Einst namhafte Gebäude rotten heute vor sich hin: Ein Managementplan soll helfen, Auswege zu finden. Welche das sind, soll aber nicht in jedem Fall öffentlich diskutiert werden.

Johanngeorgenstadt.

Im Treppenhaus des Johanngeorgenstädter Rathauses ist derzeit eine Ausstellung mit neuen Bildern der Malerin Iris Mende zu sehen. Auf einem hat die Künstlerin das Hotel "Deutsches Haus" mit seinem Märchenturm dargestellt. Darunter ziehen Asylbewerber vorbei. Mit der Serie, zu der dieses Bild gehört, habe sie den Wandel der Zeiten in ihrer Heimatstadt darstellen wollen, Johann'stadt gestern und heute, jeweils in einem Gemälde, sagt die Künstlerin.

Das "Deutsche Haus" verkörpert einen Teil des Gestern. Errichtet vor dem Ersten Weltkrieg, war das Hotel einst das erste Haus am Platz. Direkt am betriebsamen Bahnhof gelegen, wo Züge ins Kaiserreich Österreich-Ungarn abgefertigt wurden. Lange her. Heute ist das noble Hotel eine baufällige Ruine, nichtsdestoweniger steht es unter Denkmalschutz. "Unser Ziel ist, jemanden zu finden, der es nutzt, aber der Zustand ist so schlecht, dass dies unwahrscheinlich erscheint", sagt Bürgermeister Holger Hascheck (SPD).

Im Gebäude- und Flächenmanagementplan der Stadt empfiehlt die Verwaltung für das "Deutsche Haus" Nachnutzung oder Rückbau. Dieser Plan ist ein erster Schritt, um den zahlreichen berühmten Ruinen von Johann'stadt so etwas wie eine Perspektive zu geben. Nur wenn die Stadt einen Plan nachweist, hat sie die Chance, Fördermittel für das eine oder andere Projekt zu bekommen. 17 Objekte wurden in das Papier aufgenommen, das in anderen Städten schlicht Brachenkatalog heißt. Für zehn empfehle man die Suche nach einem Interessenten, für sieben den Abriss, sagt Hascheck.

Konkret zu werden, damit tut er sich schwer. Bis auf zwei Objekte im Managementplan befinden sich alle Gebäude in Privatbesitz. "Wenn ich die Empfehlung Abriss öffentlich ausspreche, verliert die Immobilie an Wert", sagt der Bürgermeister. Deshalb wurde der Plan zwar im Stadtrat kurz umrissen, ausführlich vorgestellt und diskutiert wurden die Empfehlungen der Stadt aber nur hinter verschlossenen Türen.

Die beiden Objekte, auf welche die Stadt Zugriff hat, gehören der Kommunaltochter Wohnbau Johanngeorgenstadt GmbH. Es handelt sich zum einen um zwei Wohngebäude an der Hospitalstraße 22, 24 und 26, zum anderen um das Haus Wittigsthalstraße 19/21 am Grenzübergang nach Tschechien. Für beide empfiehlt der Plan den Abriss. Dafür gebe es derzeit noch keinen Fördertopf, doch man sei im Gespräch mit Dresden, um eine Möglichkeit zu finden, sagt Hascheck.

Die Grenzlandbaude, am höchsten Punkt der Bergstadt gelegen, war früher eine gut besuchte Gaststätte. "Sie ist auch heute noch ein prägendes Gebäude der Stadt", sagt Hascheck. "Eine Erhaltung wäre wünschenswert. Im Gebäude- und Flächenmanagementplan empfehlen wir daher eine Sanierung." Er räumt jedoch ein, dass dies in Anbetracht des Gebäudezustandes schwer wird.

Ähnlich verhält es sich mit dem einstigen Sporthotel "Waldfrieden" am Ortsausgang in Richtung Eibenstock. "Der Eigentümer bemüht sich, das Objekt zu verkaufen. Es wäre wünschenswert, dass er einen Abnehmer findet", sagt Hascheck. Doch trotz der Empfehlung der Stadt erscheint eine Wiederauferstehung des Sporthotels unwahrscheinlich - zu lange schon haben die harten Winter von Johanngeorgenstadt an der Bausubstanz genagt.

Für das Gästehaus auf dem Erzgebirgskamm, ein Areal mit mehreren Wohngebäuden, zeichne sich eine Zukunft ab, der Eigentümer habe mehrere Interessenten, die das Objekt erwerben wollen, so der Bürgermeister. Alles in allem sei schon etwas in Bewegung gekommen. "Zwei Privateigentümer haben den Rückbau ihrer Immobilien beantragt."

Um welche Gebäude es sich handelt, will Hascheck nicht sagen. Bei einem ist es offensichtlich: An der ehemaligen Möbelfabrik "Box" steht seit kurzem ein Bauzaun, ein Banner kündigt die Abrissarbeiten an.

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