Unfalltod beim Lkw-Tauziehen bleibt ein Rätsel

Im Juni 2017 geriet ein Mädchen aus Schwarzenberg bei einem Spiel unter einen W 50. Gestern stand der Fahrer vor Gericht. Es hätte damals auch sein Kind treffen können.

Aue/Schwarzenberg.

So oft vorher war dieses Spiel gut ausgegangen. "Wir haben das seit Jahren gemacht, sieben- oder achtmal schon", sagte der Angeklagte (37) gestern vor dem Amtsgericht Aue. Jeden Sommer veranstaltet seine Religionsgemeinschaft in Schwarzenberg eine Kinderrüstzeit. Eines der beliebtesten Spiele dabei: Lkw-Tauziehen. Die Jungen und Mädchen packen gemeinsam an und setzen die schwere Zugmaschine in Bewegung. Ein Erfolgserlebnis für alle. Jahr für Jahr hatte der 37-Jährige hinterm Steuer gesessen, auch im Juni 2017. Doch damals ging es schief. Ein Mädchen (4) geriet unter den Lkw und starb.

"Ich habe alles wie immer gemacht", sagte der Angeklagte. "Habe die Zugmaschine aus der Garage gefahren, Luft aufgepumpt, das Seil angebracht, das Fenster heruntergelassen." An der Strecke waren Eltern als Aufsichtspersonen verteilt. Sie sollten rufen, falls eines der Kinder stolpert oder das Seil verlässt. "Ich hatte die Aufgabe, dann sofort auf die Bremse zu treten", sagte der Mann. "Das habe ich auch getan. Mein eigenes Kind hing ja auch an dem Seil."

Zwischen 30 und 40 Jungen und Mädchen zogen am Tau. Eben noch hatten sie Spaß. Dann ein Warnruf: Ein Mädchen war vor den Lkw geraten. Eigentlich genau das, worauf sich die Erwachsenen vorbereitet hatten, worauf tatsächlich aber keiner richtig vorbereitet war. "Ich habe gesehen, dass ein Kind gestürzt ist, und habe sofort geschrien: Halt!", berichtete eine Zeugin. "Der Fahrer ist sofort auf die Bremse gegangen."

Aber es war zu spät. Der langsam rollende Lkw schob das Kind etwa einen Meter vor sich her, ehe er zum Stehen kam. Die Vierjährige starb im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Vor Gericht konnte nicht mehr geklärt werden, wo das Mädchen so plötzlich hergekommen war und wieso keine der Aufsichtspersonen bemerkt hatte, dass die Vierjährige das Seil verlassen hatte.

Offenbar rutschte sie von einer Hangkante vor den W 50. Aber das ist nur eine Theorie. Es gibt lediglich ein Foto vom Geschehen, und dieses wurde vor Beginn des Tauziehens aufgenommen. Alle anderen Bilder auf ihren Handys und Digicams haben die Mitglieder der Religionsgemeinschaft gelöscht, so eine Zeugin: "Wir waren fassungslos. Wir wollten das nicht mehr sehen."

Ein Gutachter stellte fest, dass der Lkw in technisch einwandfreiem Zustand war. Auch habe der Fahrer nach dem Warnruf angemessen reagiert. Ihm konnte keine Schuld nachgewiesen werden, weshalb sein Verteidiger beantragte, das Verfahren einzustellen. Das Gericht und die Staatsanwaltschaft stimmten dem zu. Der Schwarzenberger muss aber 2000 Euro an die Kreisverkehrswacht Aue-Schwarzenberg zahlen.

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