Vom Auslaufmodell zur neuen Teststrecke

Besser als in besten Zeiten hat es am Wochenende auf dem Bahnhof Markersbach ausgesehen. Anlässlich 130 Jahre Bahnstrecke Annaberg-Buchholz - Schwarzenberg kamen viele Eisenbahnfans.

Schwarzenberg.

Hin und wieder ändern sich die Zeiten: Und nicht immer muss alles schlechter werden. So erzählt die Bahnstrecke Annaberg-Buchholz - Schwarzenberg wie kaum eine andere eine ganz wechselvolle Geschichte. Einst war sie die viel gepriesene Verbindung im Güter- und Personenverkehr zwischen den beiden wichtigen Erzgebirgsstädten. 1997 wurde die Verbindung eingestellt. Aufgrund niedriger Fahrgastzahlen setzte man den Rotstift an.

Hätte man der Geschichte damals ihren Lauf gelassen, wäre von der Strecke heute kaum noch etwas übrig. "Sie wäre nicht mehr nutzbar für den Fahrbetrieb", sagt Lutz Mehlhorn, Leiter und Sprecher der Erzgebirgsbahn, zu deren Infrastruktur besagte Strecke gehört. Er sei dankbar, dass sich Enthusiasten gefunden haben, die die Strecke für das touristische Angebot der Erzgebirgischen Aussichtsbahn (EAB) erhalten wollten. Unter anderem waren dies die Anliegerkommunen, der Verein sächsischer Eisenbahnfreunde und eben die Erzgebirgsbahn. Dass die Strecke mittlerweile für Forschungszwecke eine Renaissance erlebt, sei damals allerdings nicht vorhersehbar gewesen. Zum Streckenjubiläum am Wochenende jedenfalls war auf dem Markersbacher Bahnhof viel los. Da fuhr nicht nur der Dampfzug der EAB, sondern pendelte auch ein Triebwagen der Erzgebirgsbahn nach Schlettau, wo ebenfalls anlässlich des Jubiläums ein großes Bahnhofsfest gefeiert wurde. Zudem standen ein Fahrzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrttechnik und ein gelbes Wartungsfahrzeug der DB Netz AG auf den Gleisen.

So wurde in Markersbach am Bahnhof nicht der Blick zurück, sondern der Blick voraus gerichtet. Hunderte Eisenbahnfans kamen und wollten sich über die Forschungen und Perspektiven informieren. Dazu gehörte auch Dustin Seltmann von der Markersbacher Feuerwehr. Er sei nicht der ganz große Eisenbahnfan, sagt der 17-Jährige. Zum Bahnhofsfest habe ihn die Neugier getrieben: "Mal schauen, was alles los ist", habe er sich gedacht und wurde fündig am Stand der Technischen Universität Chemnitz. Dort konnten Gäste unter fachkompetenter Anleitung in eine virtuelle Welt eintauchen. Natürlich ging es in dieser auch im weitesten Sinne um die Bahn. An der TU Chemnitz wurde nämlich Software entwickelt, die es möglich macht, verschiedene Sehbehinderungen zu erleben. Letztendlich gehe es um die Frage, wie verändert sich dadurch die Umwelt und worauf müssen Verkehrsunternehmen bei der Ausstattung ihrer Bahnen achten. Dustin Seltmann ließ sich auf dieses Abenteuer ein und erkannte, wie schwer es ist, mit grauem Star Farben zu unterscheiden oder auch mit einem eingeschränkten Sichtfeld durchs Leben zu gehen.

Mit dabei am Bahnhof Markersbach war auch Mirko Caspar vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Abteilung Bahnsysteme. Er stand den Besuchern für Fragen rund um den Testzug der Firma Thales zur Verfügung. Dieser hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt, weil er Mitte September ferngesteuert im Bahnhof Schlettau rangiert wurde. "Die meisten Leute sind sehr skeptisch", schildert Caspar seinen Eindruck und verweist darauf: "Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen." Das, was man im September in Schlettau gemacht habe, sei nur der Beweis gewesen, dass es technisch funktioniert. Als Mirko Caspar das ausspricht, gibt es sofort Protest eines Gastes. Dieser wirft ein: "Das braucht kein Mensch", sagt er und steigt trotzdem in den Triebwagen der Firma Thales.

Felix Nestler aus Markersbach kam zum Bahnhofsfest weniger wegen des Blicks in die Zukunft. "Ich bin eigentlich wegen der Kinder hier", so der 22-Jährige: "Es ist endlich mal etwas los bei uns im Ort." Wohlwollend nimmt er zur Kenntnis, was auf der Jubiläumsstrecke in den vergangenen Monaten passiert ist. Schließlich war nicht nur die Firma Thales unterwegs, sondern auch der Testzug der Deutschen Bahn, der verschiedene Technologien des Weltkonzerns Siemens an Bord hatte. "Das ist doch ein schönes Bild, wenn wieder Züge unterwegs sind", so Nestler. Etwas abseits gab es doch den Blick zurück und zwar in Form einer kleinen privaten Oldtimerausstellung, die Klaus Walther aus Markersbach mit Bekannten auf die Beine gestellt hatte.

130 Jahre Eisenbahnstrecke Schwarzenberg - Annaberg-Buchholz

 

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