Von Klavierspiel bis Lieblingsessen: Hospizteam erfüllt letzte Wünsche

Auf den Tag genau vor nunmehr zehn Jahren ist in Erlabrunn das Haus "Menschenwürde" eingeweiht worden. Die erste Dekade war ein durchaus steiniger Weg - hin zur Akzeptanz.

Erlabrunn.

Braucht es ein Hospiz im Erzgebirge? Wird ein solches überhaupt angenommen? Diese Fragen standen vor zehn Jahren im Raum als das Haus "Menschenwürde" in Erlabrunn eingeweiht wurde.

Heute sind diese Fragen längst beantwortet, vielfach durch Dankesbriefe von Angehörigen belegbar: Ja, es ist gut, dass es ein solches Haus gibt. Mit diesem Team, das den Bewohnern behilflich ist, aufgeschobene Dinge zu ordnen, letzte Wünsche wahr werden zu lassen. Denn darum geht es: Die Tage, die bleiben, mit Leben zu erfüllen. "Denn in einem Hospiz wird nicht nur gestorben", sagt Elvira Tschab, die langjährige Leiterin der Einrichtung.

Das Hospiz, das als Einrichtung zu den Kliniken Erlabrunn gehört, wurde am 8. Januar 2010 eröffnet. Errichtet wurde es für rund zwei Millionen Euro - ohne jegliche staatliche Unterstützung oder Fördermittel. Doch die damals Verantwortlichen, wie Geschäftsführer Josef Wieder oder der Ärztliche Direktor Dr. Wolfgang Zwingenberger, waren sich sicher, dass diese Einrichtung, die acht Plätze bietet, wichtig und notwendig ist. Hier werden Menschen mit unheilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankungen aufgenommen. "Das ist immer ein schwieriger Schritt, besonders für die Angehörigen", weiß Tschab aus der Praxis. Rund 1700 Anfragen sind in den zehn Jahren eingegangen. 830 Bewohner und deren Angehörige wurden schließlich seither betreut. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt zwischen 20 und 25 Tagen. "Aber das ist nur ein Durchschnittswert", erklärt Tschab. 2018 habe sich das Team um einen Patienten 183 Tage kümmern dürfen. Das Engagement des Teams kennt dabei kaum Grenzen. "Wir erfüllen Wünsche und tun, was uns möglich ist. Da hat eine Kollegin zum Beispiel mal eine Brotsuppe gekocht, weil eine Frau, die so sehr mochte. Jeder wird hier ganz individuell betreut." Dazu gehöre auch, dass die Patienten, so es ihr Gesundheitszustand zulässt, durchaus übers Wochenende nach Hause gehen oder in Begleitung ein Konzert besuchen können. "Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben. Wie in einem Fünf-Sterne-Hotel", sagt Ursula Friedrich, die derzeit mit ihren Mann im Hospiz ist, weil sie ihn allein zu Hause nicht pflegen kann. "Er ist mir zu schwer, und hier bekommt er die notwendige 24-Stunden-Betreuung", sagt sie.

Dennoch: Für die Betroffenen und deren Angehörige beginne mit dem Aufenthalt im Hospiz eine intensive und bewusste Zeit des Loslassens. "Nach der Verlegung, wenn sich die ganze Aufregung gelegt hat, ist es meist so, dass die Patienten hier zur Ruhe kommen. Das hat oft zur Folge, dass sich ihr Zustand stabilisiert", betont Tschab. Das nähre mitunter in Angehörigen zunächst falsche Hoffnungen. "Wichtig ist in solchen Phasen der ehrliche Umgang sowohl mit den Betroffenen als auch mit den Angehörigen", so Tschab. Ihr Team besteht aus 16 festangestellten Mitarbeitern. Allesamt Krankenschwestern mit der Spezialisierung einer Palliativbetreuung, der Begleitung und Versorgung schwerkranker Menschen jeden Alters mit einer nicht mehr heilbaren Grunderkrankung. Krebs zähle zu den häufigsten Diagnosen, mit denen die Bewohner ins Hospiz eingewiesen werden. Die Kosten für den Aufenthalt werden jedoch nicht zu 100 Prozent von den Krankenkassen übernommen. Deshalb sei das Hospiz weiterhin auf Spenden angewiesen. Allein der Spendenlauf 2019 brachte rund 47.000 Euro. Für Elvira Tschab ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass die Akzeptanz für die Einrichtung gewachsen sei.

Das Einzugsgebiet ist groß. Es umfasst nicht nur den Erzgebirgskreis, sondern darüber hinaus auch den Zwickauer Raum. Wichtig sei, so die Chefin, dass die Menschen der Region den Wert der Einrichtung inzwischen erkannt und zu schätzen gelernt haben. Dazu habe auch beigetragen, dass auch Schülern die Einrichtung vorgestellt wird. Sie seien wichtige Multiplikatoren. "Viele von ihnen fragen sogar nach einem Praktikum bei uns an", sagt sie.

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