Vorsicht Satire: Von oben gesehen ist alles gut

Schlaglöcher und Umleitungen zehren an den Nerven und lassen nicht nur in Gasthöfen Wogen hochschlagen

Wo bekommen die Entscheidungsgewaltigen in Elbflorenz ihre Informationen über den Straßenzustand im Erzgebirge her? Im vollen Saal des Dorfgasthofs "Zur verlorenen Radkappe" - derzeit leider nur auf Um- und Schleichwegen erreichbar - war das diese Woche Thema. "Vom Hörensagen", rief einer. "Nur aus 'm Internet", schrie ein anderer. "Die machen Kontrollflüge", versuchte ein Dritter, alle zu übertrumpfen.

Es ging rund an dem Abend. "Alle Neubauprojekte gestrichen", hatte jemand gelesen. "Und alle Instandsetzungen", brüllte einer, der einen kennt, der gehört hat, dass das vermutet werden könnte. "Aber gebaut wird: Burger King in Aue", warf ein Besserwisser ein. Entgegnungen, dass das privat und ein Kreisverkehr besser wäre, gingen im Tumult unter. Die Bauhöfe und Straßenmeistereien bestellen doch immer mehr Umleitungs- und Tempo-10-Schilder, hieß es dann. Straßenbauer fühlen sich in unsozialen Hetzwerken gemobbt, und Busfahrer streiken nicht für mehr Lohn, sondern aus Angst um ihre neuen Busse.

Nachdem die Bildung des Kreisverbands Erzgebirge der Deutschen Biertrinker-Union gescheitert war, schlug die Stunde eines angehenden Politikers: "Wir gründen die Partei schlagloch- und umleitungsgeschädigter Kraftfahrer!" Er prophezeite Mitgliederzustrom, Unterstützung durch jeden sowie beste Chancen, nach der Landtagswahl Ministerpräsident zu werden. "Aber dann ..."

Der Wirt der "Radkappe" ist nicht ganz so optimistisch. Er bastelt im Hinterzimmer erst einmal an einem neuen Schild: "Zum Achsbruch".

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