Wenn Berlin nicht mithalten kann

Viele junge Erzgebirger mussten auf der Suche nach Arbeit ihre Heimat verlassen, auch Familie Hellmich - sie kam zurück und erlebte einiges Überraschendes.

Schneeberg.

Nur ungern denkt Jörg Hellmich an das Jahr 2009 zurück. Es war beruflich keine gute Zeit. Ein ganzes Jahr lang versuchte er vergeblich, einen Job als IT-Administrator im Erzgebirge zu finden. Auch seiner Frau Romy erging es nicht besser. Als sie im Februar 2010 ihr Magisterstudium als Pädagogin abschloss, fand auch sie keine Arbeitsstelle. Die beiden waren verzweifelt. Als einziger Ausweg erschien es, nach Berlin zu gehen. Denn dort gab es gleich mehrere Jobangebote. Nachdem ein paar Dutzend Bewerbungen geschrieben waren, fanden beide im Sommer 2010 eine neue Arbeit in Berlin.

Die ersten beiden Monate wohnten die Hellmichs noch bei Verwandten. "Wir waren schon 2009 über Silvester bei Romys Cousin in Berlin zu Besuch. Er hat uns zu Anfang aufgenommen", sagt Jörg Hellmich. Nachdem sich die beiden über zehn Wohnungen in der Hauptstadt angeschaut hatten, konnten sie schließlich eine mieten.


Trotz des beruflichen Erfolges fühlten sich die beiden in Berlin zunehmend unwohler. "Wir haben das Gefühl bekommen, dort nicht mehr sicher zu leben", so Jörg Hellmich. Ein weiterer ausschlaggebender Faktor war die geringe Lebensqualität, die ihnen ihre kleine, alte und in der Einflugschneise vom Flughafen Tegel gelegene Wohnung bot. Zudem dachten sie, dass ihr mittlerweile dreijähriger Sohn Lennard im Erzgebirge behüteter aufwachsen wird. Deshalb beschlossen sie zurück in die Heimat zu ziehen. "Wir wollten wieder dauerhaft bei unseren Familien sein", so die 34-Jährige.

Im Frühjahr dieses Jahres bewarben sich Jörg und Romy Hellmich schließlich um Jobs in der Region. "Diesmal haben wir durch unsere siebenjährige Berufserfahrung nicht einmal eine Handvoll Bewerbungen gebraucht, um wieder Arbeit zu finden", sagt der 33-Jährige.

Sie entschieden sich für Schneeberg als neuen Wohnort, da Romy Hellmichs Mutter in der Stadt lebt. Innerhalb weniger Tage waren eine passende Wohnung gefunden und der Mietvertrag unterschrieben. "Wir mussten uns jedoch auch ein Auto zulegen, da öffentliche Verkehrsmittel hier viel zu selten fahren", berichtet er. Deshalb wurden die Lebenshaltungskosten der Familie nach dem Umzug auch nicht geringer - was an der einen Stelle zum Beispiel bei der Miete eingespart wird, muss für das Auto oder Kita-Gebühren mehr ausgegeben werden.

Der Abschied aus Berlin fiel den Hellmichs zunächst sehr schwer, da sie in der Hauptstadt auch viele Freunde zurück ließen. Doch sie sind sich sicher, dass sie in Schneeberg sehr schnell wieder heimisch werden: "Die Stadt ist sehr gepflegt, die Bewohner sind sehr bemüht und engagiert und es werden viele Veranstaltungen angeboten", sagt Jörg Hellmich.

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