Wie die Wirtschaft gegen Betrüger kämpft

Dass Kriminelle mit dem Enkeltrick versuchen, Senioren über den Tisch zu ziehen, ist bekannt. Aber auch Firmen im Erzgebirge sind Ziel von Schwindlern. In einem aktuellen Fall wird der Name der Wirtschafts- förderung missbraucht.

Aue/Schwarzenberg.

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein seriöses Schreiben, als vor wenigen Tagen bei einer Zwönitzer Firma eintrudelte. Die Mitarbeiter sollten bitte einige Unternehmensdaten überprüfen, heißt es darin. Darüber steht Ausbildungsmesse Erzgebirge und Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH geschrieben - nur mit beiden hat der Brief nichts zu tun.

Erst wer genauer hinsieht, entdeckt: Das Schreiben kommt aus Zentralamerika, genauer aus Costa Rica. Wird es unterzeichnet und zurückgeschickt, bestellt man für drei Jahre eine Online-Werbeanzeige bei einem Ausstellerverzeichnis namens "International Fairs Directory" - natürlich kostenpflichtig. "Eine jährliche Rechnung über den Betrag von 1212 Euro wird (...) erstellt", heißt es im Kleingedruckten.

Stefan Tolonics arbeitet bei der Firma B&S Metallbe- und -verarbeitung als Leiter im Bereich Beschaffung und hatte das Schreiben vor einigen Tagen in den Händen. "Es ist eine neue Betrugsmasche", sagt er. "Es hat den Anschein, dass man nur ein paar Angaben prüfen muss. So etwas ärgert mich." Glücklicherweise sei er nicht darauf reingefallen, aber es gebe sicher kleinere Firmen, die im Eifer des Gefechts weniger Glück haben. Wie die Verfasser auf die Firma kommen, weiß er nicht.

Der Wirtschaftsförderung Erzgebirge ist der Brief bekannt. Wie Sprecherin Sabine Schulze-Schwarz berichtet, ist es eine "dreiste Masche". Die Verfasser würden weder im Auftrag der Gesellschaft handeln, noch sei ihnen die Namensnutzung erlaubt. Auch die Firma Huss aus Neudorf habe sich bereits wegen eines ähnlich lautenden Schreibens gemeldet. Dagegen vorzugehen, sei jedoch schwierig, da die Firma im Ausland sitzt, sagt sie.

Laut Wirtschaftsförderung gibt es solche Betrugsmaschen bei allen Messen in Deutschland. Deshalb warnt man im Zusammenhang mit der Ausbildungsmesse Erzgebirge inzwischen im Netz vor "irreführenden Angeboten." Das gelte insbesondere bei Formularen für "International Fairs Directory".

Dass Betrüger mit dem Enkeltrick versuchen, Senioren über den Tisch zu ziehen, ist bekannt. Doch auch Firmen in der Region stehen im Fokus. Von gefälschten Rechnungen bis zum Angebot überteuerter Branchenbucheinträge: Wie Stefan Tolonics berichtet, hat auch die Zwönitzer Firma mindestens monatlich mit solchen Fällen zu tun. So bat jüngst eine Druckerei die Zwönitzer, ihr Logo zu prüfen und zu bestätigen. "Wenn man das gemacht hat, hat man gleich einen Werbevertrag mit abgeschlossen."

Kein Einzelfall, bestätigt auf Anfrage auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft. Unseriöse Angebote und Betrügereien seien für die Firmen in Sachsen ein Thema, sagt Sprecherin Sandra Lange. Durch die Digitalisierung verschärfe sich das Problem. "Bekannt sind etwa E-Mails von vermeintlichen Bewerbern." Öffne man diese, installiere sich eine Schadsoftware auf dem PC. Lange rät: Anfrage und E-Mails genau zu prüfen. "Es gibt aber auch Fälschungen, die sind perfekt."

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