Wirtschaft als Basis allen Handelns

Grünhain-Beierfeld hat mit 3000 Industriearbeitsplätzen auf rund 6000 Einwohner eine hohe eigene Steuerkraft. Die Stadt am Spiegelwald geht gern auch ungewöhnliche Wege zum Ziel.

Grünhain-Beierfeld.

Seit 2005 bilden die drei vormals eigenständigen Kommunen Beierfeld, Waschleithe und Grünhain die gemeinsame Stadt Grünhain-Beierfeld. Diese hat sich in den zurückliegenden Jahren solide entwickelt.

"Ich denke, die Bürger unserer Stadt haben längst erkannt, dass dieser Zusammenschluss eine gute Entscheidung war. Und bis heute - und auch auf lange Sicht - haben alle drei Stadtteile ihre jeweiligen Vorzüge in diese Gemeinschaft eingebracht. Wir haben uns wunderbar ergänzt und gegenseitig aufgewertet", schätzt Bürgermeister Joachim Rudler ein. Der 67-jährige CDU-Mann steht seit 1993 an der Spitze des Stadtrates. In diesem, so sagt Rudler, habe er immer einen verlässlichen Partner gehabt: "Wir haben im Rat immer einen Konsens gefunden und nach außen mit einer Stimme gesprochen. Auch, wenn's in den Sitzungen mal hoch herging. Alle Stadträte haben längst erkannt, dass die Basis allen Handels die Wirtschaft ist."


Waschleithe, als kleinster Teil der Großkommune, verkörpere die Erholungsfunktion und habe sich als touristischer Bereich weiter entwickelt mit Schaubergwerk, Tierpark und Heimatecke. Für die Bürger dort sei Schwerpunkt die seit 2018 laufende abwassertechnische Erschließung des Ortes. Dieses Großprojekt soll 2019 zum Abschluss kommen.

"Grünhain verkörpert für uns die Historie", sagt Rudler und nennt die Klosteranlage als wesentlichen Bestandteil dessen. Grünhain brachte das Stadtrecht mit ein, und verfügt heute ebenso über ein modernes und gut ausgelastetes Gewerbegebiet. Durch eine Fortschreibung des Flächennutzungsplanes sei hier an eine Erweiterung des Gewerbeflächen gedacht. Sowohl Kindertagesstätte als auch die Grundschule für die Stadt wurden saniert und zukunftsfähig gemacht. Der nächste große Schritt sei die Belebung des Klostergeländes mit neuen Wohnformen. "Doch auch da gehen wir andere Wege. Wir holen uns keinen Investor, sondern wollen dies über ein Bürgerbeteiligungsprojekt stemmen. Das ist neu. Aber ich denke, das kann gelingen", so der Stadtchef.

Wirtschaftlich ist die Stadt Grünhain-Beierfeld mit mehr als 3000 Industriearbeitsplätzen solide aufgestellt. Und das bei aktuell etwa 6000 Einwohnern. Das zeigt sich deutlich an den Steuereinnahmen. Inzwischen generiert die Stadt gut 50 Prozent ihres Etats aus Steuereinnahmen. Das ist keineswegs selbstverständlichen im Vergleich zu anderen Kommunen in der Region.

Was aber nicht heißt, dass Grünhain-Beierfeld nicht mehr auf Fördermittel angewiesen ist. Im Gegenteil. Für zahlreiche Großprojekte hatte die Kommune Zuschüsse beantragt und bekommen. Zum Beispiel ist so die im Erzgebirge bislang einmalige Idee eines poliklinischen Zentrums in Beierfeld wieder aufgeflammt und umgesetzt worden. 1,6 Millionen Euro wurden in den Umbau investiert, davon 800.000 Euro Fördermittel. Entstanden sind in einer alten Plattenbauschule drei modern eingerichtete Arztpraxen.

Neue Wege beschritt die Stadt auch mit der Investition eines Technikzentrums an der Mittelschule, in dem für Schüler eine frühzeitige Berufsorientierung möglich ist. Für die Mittelschule läuft derzeit ein Antrag auf Fördermittel für die notwendige Schulhausmodernisierung. In dieser seien der Brandschutz und die Barrierefreiheit vordringliche Bestandteile. "Das lässt sich allerdings nur über einen Anbau realisieren", so Rudler, der, wenn es die Gesundheit zulässt, wie er sagt, bis 70 arbeiten und somit seine Wahlperiode bis zum Ende wahrnehmen will. "Mir macht es Spaß, Dinge zu gestalten und zu entwickeln", erklärt der CDU-Mann.

Mit seinem Rat konnte er immer gut zusammenarbeiten. Die durch die Räte vertretenen Berufsbilder hätten einen guten Querschnitt durch die Einwohnerschaft ergeben. Am 1. Juli wird es die letzte Sitzung dieser Wahlperiode geben. Mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl sagt Rudler: "Hier auf kommunaler Ebene geht es nicht um große Parteipolitik, sondern ums Beste für die Bürger. Gute Ideen sind dabei immer willkommen, aber sie müssen am Ende finanzierbar sein."

Eine Herausforderung für die nächsten Jahre sieht er im Beseitigen von noch vorhandenen Industriebrachen oder das Umnutzen alter Gebäude. Davon gebe es in jedem Stadtteil noch einige und nennt als Beispiel das Ida-Heim in Beierfeld.


Was sich Bürger wünschen

Anita Steiner (69) aus Waschleithe würde sich wünschen, dass sich die Einkaufsmöglichkeiten für die Bürger des Stadtteils etwas verbessern. Aber sie weiß, dass dies nicht in den Händen der Kommune liegt. Sie sagt: "In Waschleithe ist ja viel passiert, ist viel gebaut worden." Mit einem Wunsch, den sie hat, spricht sie auch für die Gastgeber des Ortes: "Was wir brauchen, ist eine ordentlich Anbindung ans Internet." (matu)

Jan-Torben Milhahn (18) ist Erstwähler aus Beierfeld: "In meinem Freundkreis wird oft über einen Jugendklub gesprochen. Der Phönix in Grünhain ist ja schön, richtet sich aber eher an Kinder und die 14- bis 16-Jährigen. Uns geht es um Angebote vom späten Nachmittag bis zum Abend. Uns schwebt da ein Raum mit Kickertisch, Billard oder einer Tischtennisplatte vor. Wir sind jung und drehen gern mal die Musik voll auf. Dass Schulen gefördert werden, sollte unbedingt beibehalten werden." (klin)

Katja Schönfelder (49) aus Grünhain wünscht sich, dass in der Neubausiedlung in Grünhain ein Spielplatz entsteht. Am alten Garagenkomplex sei die Straße so kaputt, dass Gefahr besteht, dass man sich das Auto ruiniert. Und abends sei es dort stockfinster, weil es keine Laternen gibt. Das sollte sich aus ihrer Sicht möglichst schnell ändern. Es sei aber jeder gefordert, etwas mitzutun. (klin)


Zahlen und Fakten

Die Stadt am Spiegelwald besteht aus den drei Stadtteilen Grünhain, Beierfeld und Waschleithe.

Einwohnerzahl: 5904 (Stand vom 30. September 2018)

Fläche: 22,25 Quadratkilometer

Partnerstädte sind Scheinfeld (Franken) und Trebivlice (Tschechien)

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören: der Spielwaldturm, das Kloster Grünhain, Schaubergwerk, Tierpark und Heimatecke Waschleithe sowie die Peter-Pauls-Kirche Beierfeld etc.


Diese Kandidaten treten an:

Christlich demokratische Union (CDU): Bodo Wendt, Rico Weiß, Jens Ullmann, Thomas Lötzsch, Maria Eisentraut, Corny Kanofsky, Claudia Queck, Matthias Schreier, Romy Hecker

Freie Wählergemeinschaft Grünhain-Beierfeld (FWG):

Thomas Schürer, René Auerswald, Bettina Blechschmidt, Michael Nagler, Jörg Bach, Heiko Schmidt, André Schulz, Michael Miene, Udo Seifert, Steffen Köhler, Rico Fischer, Alexander Klemm, Jochen Opitz, Günter Nestler, Michael Espig, Susann Schmidt, Matthias Paul, Matthias Stiehler

Die Linke: Rosemarie Frey, Lothar Marohn

Sozialdemokratische Partei Deutschland (SPD): Dietmar Leiter

Bündnis 90/Die Grünen: Reinhard Jochen Egermann, Manfred Oskar Becker

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