Kliniken rüsten sich für Corona

Noch ist die Lage in den Einrichtungen entspannt, Mitarbeiter bauen sogar Überstunden ab. Die Frage ist aber, wie lange das so bleibt? Ein Klinik-Chef sagt: "Wir werden jeden bald sicher brauchen."

Aue/Erlabrunn.

Täglich 25 bis 30 Abstriche auf das Corona-Virus - Tendenz steigend. Die Pandemie ist schon im Auer Helios-Klinikum angekommen, auch wenn es in der Einrichtung bisher keinen bestätigten Corona-Fall gibt. "Unsere Hygieneabteilung arbeitet rund um die Uhr", schätzt Marcel Koch, Geschäftsführer des Klinikums, die aktuelle Situation ein. Wie viele Abstriche man am Tag tatsächlich machen könne, sei aber nicht vom Personal des Krankenhauses abhängig. "Das Nadelöhr sind die Labore." Und um die nicht zusätzlich zu belasten, werde nur getestet, wer die Auflage dazu vom Gesundheitsamt erhält. Zudem arbeite die Hygieneabteilung am Helios nur nach Anmeldung. "Wir weisen die rigoros ab, die sich vorher nicht bei uns im Haus gemeldet haben", erklärt Koch.

Am Auer Klinikum wurden zuletzt zwei Patienten stationär aufgenommen, bei denen ein Verdacht besteht - ihr Testergebnis liegt aber noch nicht vor. Laut Koch brauchen die Labore dafür aktuell zwei bis drei Tage. Sollte sich die Situation verschärfen, sei es möglich, ein Gebäude am Klinikum abzukoppeln und dort 100 Betten für mit Corona infizierte Menschen zu schaffen.

Stationen müssen dafür nicht geschlossen werden, sie würden laut Marcel Koch in andere Gebäudeteile integriert werden. Bei den Operationen versuchen die Mediziner zurzeit, das zu vermeiden, wofür Kapazitäten in der Intensivpflege gebunden würden.

Insgesamt sei die Belastung des Hauses aktuell gering. Das biete sogar die Möglichkeit, Überstunden abzubauen. "Das ist gut so, wir werden jeden im Haus bald sicher brauchen", so der Geschäftsführer. Die Kinderbetreuung ist über das Klinikum abgesichert.

Als Vorsichtsmaßnahme gilt am Auer Klinikum inzwischen ein Besucherstopp, Ausnahmen seien aber in Absprache mit dem Stationspersonal möglich, heißt es. Wer das Krankenhaus besucht, muss sich in eine Liste eintragen, um im Ernstfall mögliche Kontaktpersonen ermitteln zu können. Die Zahl der an Influenza Erkrankten ist laut Koch zuletzt stark zurückgegangen.

Den Kliniken Erlabrunn liegt seit dem 17. März das erste positive Testergebnis vor. "Der Patient befindet sich in häuslicher Quarantäne, aktuell werden Kontaktpersonen recherchiert", heißt es von Mandy Knoch, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Seit Anfang März hält die Einrichtung einen isolierten Bereich für mögliche infizierte Patienten vor. Dieser könne in kürzester Zeit erweitert werden. Zusätzlich wurde am Donnerstag eine Fieber-Ambulanz eröffnet, um den Kontakt von Infizierten zu anderen Patienten zu vermeiden. Geprüft werde die Erweiterung der Intensiv- und Beatmungsaktivitäten; durch das Reduzieren geplanter Behandlungen werden Bettenkapazitäten frei. Bei den Influenzafällen sei aktuell ein Rückgang zu verzeichnen.

Mandy Knoch schätzt für die Kliniken Erlabrunn ein, dass die personellen Kapazitäten noch ausreichend sind. Aufgrund von Quarantänemaßnahmen würden nur einzelne Mitarbeiter fehlen. "Vielen gelingt es noch recht gut, eine private Kinderbetreuung abzusichern oder die Notbetreuung der Einrichtungen zu nutzen", sagt sie.

Seit Dienstag gilt für die Kliniken Erlabrunn ein generelles Besuchsverbot. Nach telefonischer Absprache mit den Ärzten der jeweiligen Stationen sind aber Ausnahmen möglich, so bei Intensiv- und Palliativstation sowie dem Hospiz.

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