Busse werden mit Virenkillern ausgerüstet

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Noch steht seine Fahrzeugflotte erzwungenermaßen still, doch René Lang aus Schwarzenberg investiert bereits in die Zukunft. Beim Branchenverband schätzt man, dass Luftreiniger mittelfristig zum Standard werden.

Schwarzenberg.

Sieht so die Zukunft des Reisens aus? Viersternebusse mit Klimaanlage, Toilette, Leselampe, Sonnenschutz, Musikanlage, viel Beinfreiheit und - Virenkiller? Angesichts des aggressiven Erregers Sars-Cov-2, der sich im Alltag eingenistet hat, rüstet der Schwarzenberger Reiseunternehmer René Lang die sieben Busse von Lang-Reisen derzeit mit Geräten aus, die Viren, Sporen und Keime unschädlich machen sollen. "Wir leben im 21. Jahrhundert", sagt er. "Wir haben die erforderliche Technologie. Wieso sollten wir sie nicht nutzen?"

Die Vorrichtungen, die auf den ersten Blick an Neonröhren hinter Gittern erinnern, werden in den Luftstrom der Klimaanlage eingesetzt. Im Innern werkelt eine UV-Lampe, ummantelt von Titan, Silber, Rhodium und Kupfer. In Kombination mit der Feuchtigkeit der Umgebungsluft löst das ultraviolette Licht auf den Edelmetallen einen Oxidationsprozess aus. Die freigesetzten Oxidantien verteilen sich im Bus und machen nach Herstellerangaben Krankheitserregern den Garaus.

"Für Menschen und Tiere sind die Oxide unschädlich", sagt René Lang. Er ist von der Technik überzeugt, hat 12.000 Euro dafür ausgegeben. Einen Großteil hofft er durch die Überbrückungshilfe 3 zurückzubekommen. Vor allem sieht der Unternehmer die Aufrüstung seiner Busse als eine Investition in die Zukunft.

"Dank unserer Hygienekonzepte hatten wir im vergangenen Jahr keinen einzigen Ansteckungsfall auf unseren Reisen. Aber ich habe auf jeder Fahrt gebangt", sagt Lang. "Künftig wollen wir die herkömmlichen Schutzmaßnahmen durch diese neue Technik ergänzen und so für mehr Sicherheit sorgen. Viele Gäste machen eine Busreise, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Noch größere Abstände würden bloß dafür sorgen, dass das Erlebnis verloren geht."

Beim Landesverband Sächsischer Omnibus- und Touristikunternehmen sieht man Langs Initiative angesichts der sich hinziehenden Corona-Pandemie als folgerichtigen Schritt. "Ich gehe davon aus, dass eine solche Technik innerhalb einer überschaubaren Zeit zum Standard in Reisebussen wird", sagt Geschäftsstellenleiter Bertram Petzoldt. "Eine Sterne-Klassifizierung wird ein Bus künftig möglicherweise nur noch dann erhalten, wenn er mit einem Virenkiller ausgerüstet ist."

Sicher sei bereits jetzt, dass Busreisen auch in diesem Jahr nur mit Hygienekonzepten möglich sein werden. Eine Prognose, wann es wieder losgehen kann, fällt Petzoldt schwer. "Der 1. März ist illusorisch", sagt er. "Wird es der 1. April oder der 1. Mai? Das ist schwierig einzuschätzen." Ein späteres Datum bringt er nicht ins Spiel, denn ewig können die Reiseunternehmer ihre Busse nicht mehr parken. Die gezahlten Hilfsgelder seien nur eine Krücke, damit die Unternehmen nicht absaufen, sagt Petzoldt. Einige würden trotzdem auf der Strecke bleiben.

Bei Lang-Reisen in Schwarzenberg plant man für einen Saisonbeginn im Mai. Aus dem im November veröffentlichten Katalog wurden alle Reisen bis 30. April abgesagt. Zwischen Mai und November sind dann 200 Mehrtagesfahrten und 195 Tagesausflüge geplant, die derzeit beworben werden. Seine vier Reisebüros musste René Lang zwar schließen, doch in der Zentrale sind die Telefone montags bis freitags besetzt, um Buchungen entgegenzunehmen und Interessenten zu beraten. "Die Kunden buchen", sagt Lang. "Ein Grundvertrauen ist vorhanden.Aber es reicht noch nicht, um eine wirtschaftliche Auslastung zu erzielen."

Die Branche benötige endlich wieder Planungssicherheit, sagt Bertram Petzoldt vom Landesverband. Das ständige Auf und Ab müsse aufhören. Einen Appell richtet er diesbezüglich vor allem an die Bürger: "Ihr habt es ein Stück weit in der Hand, durch besonnenes Handeln dafür zu sorgen, dass wir von dieser Wellenbewegung, die auf Dauer nicht zu verkraften ist, zurück in sicheres Fahrwasser kommen."

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